Steinschlag-Schaden

Selbstbeteiligung bei der Kasko

— 02.05.2016

Wer selber zahlt, spart

Bei der Kaskoversicherung kann man durch einen Selbstbehalt einiges an Versicherungsprämie sparen. Man sollte aber genau durchrechnen, welche Kombination die Beste ist.

Die Rechnung ist einfach: Wer sich im Falle eines Kasko-Schadens an den Kosten beteiligt, wird von seiner Kfz-Versicherung mit geringeren Prämien belohnt. Denn durch die sogenannte Selbstbeteiligung sparen die Versicherer ordentlich Geld: Viele Kleinschäden wie Kratzer oder Beulen, weil man beim Ausparken mal einen Poller übersehen hat, müssen von den Kunden selbst bezahlt werden und schonen das Budget der Versicherung. Auch bei teureren Schäden, die von der Versicherung übernommen werden, muss der Kunde bis zur Höhe seiner vertraglich vereinbarten Selbstbeteiligung einspringen. Das gilt aber nur für Kaskoschäden, in der Haftpflicht gibt es keine Selbstbeteiligung!

Welchen Selbstbehalt kann ich wählen?

Wieviel man bereit ist, selbst zu stemmen, kann man bei Vertragsabschluss festlegen. Bei einer Vollkaskoversicherung ist der Teilkasko-Schutz immer dabei, es kann aber eine eigene Selbstbeteilung für die Teilkasko festgelegt werden. Allerdings kann diese nicht höher sein als für die Vollkasko; denkbar ist aber auch eine Teilkasko ohne Selbstbehalt. Und auch wer nur eine Teilkasko abschließt, kann die Selbstbeteiligung bestimmen. Üblicherweise liegt der Anteil, den man selbst trägt, bei 150 bis 500 Euro, eine gängige Kombination sind 300 Euro Selbstbehalt in der Vollkasko und 150 Euro in der Teilkasko.

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Manche Versicherer bieten außerdem die Möglichkeit an, die Selbstbeteiligung auf gewisse Schäden einzuschränken, zum Beispiel in der Teilkasko auf Glasbruch und Unfälle. Geht also die Scheibe kaputt, muss der Kunde seinen Anteil leisten, wird der Wagen aber geklaut, nimmt die Versicherung in diesem Fall den Schaden komplett auf ihre Rechnung. Ein paar wenige Gesellschaften bieten sogar einen proportionalen Selbstbehalt an, bei dem der Kunde beispielsweise fünf Prozent des Schadens übernehmen muss. In der Regel gibt es aber eine Untergrenze, etwa mindestens 300 Euro.

Wie viel Selbstbehalt ist sinnvoll?

Welche Höhe man für die Selbstbeteiligung wählen sollte, hängt in erster Linie natürlich vom eigenen Budget ab. Wer es sich leisten kann, im Schadensfall etwas tiefer in die Tasche zu greifen, kann eine höhere Selbstbeteiligung wählen und dafür bei der Prämie sparen. Andersrum ist es für manche vielleicht ratsamer, monatlich etwas mehr zu bezahlen, um dafür die Gefahr auszuschließen, bei einem Schaden einen großen Batzen Geld auf einmal bezahlen zu müssen. Als Faustregel gilt: Bei einer Selbstbeteiligung von 300 und 150 Euro (Vollkasko und Teilkasko) reduziert sich die Prämie um gut 20 Prozent gegenüber einer Vollkasko und Teilkasko ohne Selbstbehalt; es gibt aber auch Fälle, wo sich mit dieser Selbstbeteiligung 40 Prozent oder mehr sparen lassen!
Versicherungskosten bei unterschiedlicher Selbstbeteiligung*
Selbstbehalt
(TK/VK)
BMW 118i Opel Insignia 2.0 CDTI
Sportstourer
Audi Q5 2.0 TFSI
Quattro
Mercedes S
350d
0/0 651,75 Euro 840,48 Euro 772,06 Euro 2090,37 Euro
150/0 573,38 Euro 736,54 Euro 677,41 Euro 1737,37 Euro
300/0 540,76 Euro 693,27 Euro 638,01 Euro 1634,34 Euro
300/150 498,34 Euro 653,72 Euro 601,99 Euro 1397,34 Euro
300/300 479,12 Euro 611,51 Euro 563,55 Euro 1366,82 Euro
500/300 450,27 Euro 611,51 Euro 563,55 Euro 1280,07 Euro
500/500 450,27 Euro 587,95 Euro 542,10 Euro 1217,88 Euro
1000/500 425,69 Euro 587,95 Euro 542,10 Euro 1119,63 Euro
Ersparnis gegenüber 0/0
bei 300/150 23,5 % 22,2 % 22 % 33,2 %
bei 500/300 30,9 % 27,2 % 27 % 38,8 %
bei 1000/500 34,7 % 30,1 % 29,8 % 46,4 %
*Männlicher Fahrer, 35 Jahre, München, Mietwohnung, 12.000 km/Jahr, private Nutzung, Einzelfahrer, ledig, angestellter Steuerberater, Vorversicherung länger als drei Jahre und ohne Schaden, SF 10 für Haftpflicht und Vollkasko, Tiefgaragenstellplatz, Barkauf, freie Werkstattwahl, keine Kinder, keine BahnCard, kein Automobilclub-Mitglied, kein Wohneigentum, jährliche Zahlweise, ohne Extras wie Neuwertentschädigung, Marderbiss oder grobe Fahrlässigkeit.
Nicht umsonst ist die Kombination aus 300 und 150 Euro Selbstbeteiligung eine der beliebtesten: Das Sparpotential ist relativ hoch, und die Kosten, die im Ernstfall selbst getragen werden müssen, bleiben im Rahmen. Die Bereitschaft, mehr aus eigener Tasche zu zahlen, lohnt sich nicht immer: Oft wird die Versicherungsprämie nur noch verhältnismäßig wenig günstiger, dafür aber kommt beim Schaden eine hohe Rechnung ins Haus geflattert. Am besten, man lässt sich von seinem Versicherungsvertreter verschiedene Varianten durchrechnen oder nutzt einen Vergleichsrechner im Internet, um die für sich beste Kombination herauszufinden. Aber Vorsicht: Wer eine zu hohe Selbstbeteiligung wählt, bekommt manch' günstigen Tarif gar nicht angezeigt, da sie in dieser Kombination oft nicht angeboten werden!

Kann ich einen Schaden auch komplett selbst bezahlen?

Die Höhe der Vollkasko-Prämie richtet sich – wie bei der Haftpflicht – auch nach dem Schadenfreiheitsrabatt. Und der reduziert sich mit jedem Schaden, den die Versicherung reguliert. Es kann also unter Umständen besser sein, einen Schaden komplett aus eigener Tasche zu begleichen, und sich dadurch einen höheren Rabatt zu bewahren. Auch das muss man allerdings im Einzelfall genau kalkulieren. Üblicherweise kann man sich bei seiner Versicherung ausrechnen lassen, wie hoch die Beiträge in den nächsten fünf Jahren sind, wenn man einen Schaden regulieren lässt oder wenn man ihn selbst übernimmt. Auf Basis dieser Rechnung fällt die Entscheidung in der Regel recht einfach.

Als Anhaltspunkt gilt hier: Bis zu einer Schadenshöhe von rund 1000 Euro lohnt es sich, einen komplette Kostenübernahme aus eigener Tasche in Betracht zu ziehen, spätestens ab einer Summe von circa 2000 Euro fährt man aber in der Regel besser, wenn man die Versicherung in Anspruch nimmt. Wer es sich leisten kann, und im Voraus weiß, dass er einen Schaden bis 1000 Euro immer selbst bezahlen wird, kann natürlich auch gleich eine Höhere Selbstbeteiligung festlegen und noch ein paar zusätzliche Euros sparen. Allerdings wird der höhere Selbstbehalt dann natürlich auch bei weitaus teureren Schäden von der ausbezahlten Summe abgezogen.

Autor: Michael Gebhardt

Stichworte:

Teilkasko Vollkasko

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