Serie: Das Rennen meines Lebens

Das Rennen meines Lebens: Jackie Stewart Das Rennen meines Lebens: Jackie Stewart

Serie: Das Rennen meines Lebens

— 14.06.2007

Ich dankte Gott nach jeder Runde

Sir Jackie Stewart über seinen siegreichen Blindflug auf der Nordschleife des Nürburgrings 1968 – mit vier Minuten Vorsprung.

Das beste Rennen meines Lebens war der Deutschland-Grand-Prix 1968 auf dem alten Nürburgring. Regen, Nebel, Kälte – alles schrie: Lass es sein! Überdies hatte ich mein Qualifying verhauen, weil ich zu spät rausgegangen war. Dann kam der Regen. Ich konnte meine Bestzeit nicht mehr unterbieten und musste aus der dritten oder vierten Reihe losfahren. Die Sicht betrug an manchen Stellen weniger als 80 Meter. Überall rannen kleine und größere Bächlein über die Straße. Die Wasserstände und Streckenverhältnisse änderten sich permanent.

Qualifying verhauen und nach Runde eins acht Sekunden Vorsprung

Im BRM P261 war Jackie Stewart von 1965 bis 1967 unterwegs.


Im Adenauer Forst überholte ich Chris Amon im Ferrari. Dann Graham Hill am Wehrseifen. Mein Matra-Ford lief einwandfrei. Und am Ende der ersten Runde hatte ich acht Sekunden Vorsprung. Nach der zweiten waren es schon 30 Sekunden. Da es damals noch keinen Boxenfunk gab, wurden uns Fahrern Mitteilungen per Boxentafel übermittelt. Aber da die Messung von der Ziellinie nicht so schnell auf die Boxentafel übertragen werden konnte, lief immer ein Teammitglied damit hinter die Boxen. Und dann erfuhr man beim Vorbeifahren auf der Gegengeraden den aktuellen Stand. Der Vorsprung machte die Fahrerei nicht einfacher.

In der grünen Hölle ist man ganz allein

Man ist ganz allein in dieser grünen Hölle, wie ich den Ring zuvor getauft hatte. Es gab keine Boxenstopps, keine neuen Reifen, nur diese fast 80 Kurven, immer wieder. Ich bin nicht besonders religiös, aber nach jeder Runde, die ich überstanden hatte, dankte ich Gott. Ich gewann mit über vier Minuten Vorsprung vor Graham Hill und Jochen Rindt. Es gibt viele Fahrer, die behaupten, die Nordschleife geliebt zu haben. Ich sage: alles Lügner. Den alten Ring liebten nur solche Fahrer, die zu langsam waren. Ich gewann drei GP auf der Nordschleife. Lieber mochte ich sie im Formel 2. Die schwächeren Motoren und das geringere Gewicht waren perfekt für den Kurs.

Stewart ist heute noch aktiv: Hier kommentiert er den GP der USA 2005.

Zur Person

John Young Stewart geboren: 11. Juni 1939 Geburtsort: Dumbuck (Schottland) Wohnort: Genf (CH) / Buckinghamshire (GB) Nationalität: Schotte Familienstand: verheiratet Erlernter Beruf: Kfz-Mechaniker/Motor-Ingenieur Hobby: Tontaubenschießen

KARRIERE:

1960: Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rom (Sportschütze) 1961: Erste Clubrennen 1963: Britische F3 1965: F1-Debüt in Südafrika 1973: Rücktritt mit drei Titeln und 27 Siegen in 99 GP 1996: Teamchef Stewart GP 2001: Ernennung zum Ritter

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