Serie "Entdecke Deutschland", Teil 2

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Serie "Entdecke Deutschland", Teil 2

— 20.06.2002

Seen und gesehen werden

Von Bergen eingerahmt und von Von Bergen eingerahmt und von der Sonne verwöhnt – die Region um den Bodensee zählt zu den schönsten Flecken Deutschlands.

Mittelmeer-Flair unter Palmen

Tilde (83) geht mit den Touristen hart ins Gericht. Vor allem mit den Bierbauchschiebern und Doppelkinnträgern. "Wie kann man nur so fett sein!", wundert sich Tilde, visiert einen mit ihrer Kamera an und drückt ab. Klick. "Heute habe ich nur Dicke fotografiert", sagt sie unschuldig. Dabei hat Oma Tilde alle ausgetrickst. Tut einfach so, als ob sie die Schiffe auf dem Bodensee knipst, und schießt mit ihrer Kamera die Bäuche der Leute ab. Merkwürdiges Hobby, aber sonst kennt sie ja schon alles hier am Bodensee.

Das Schwäbische Meer ist bis zu 252 Meter tief und mit 539 Quadratkilometer Fläche das größte deutsche Binnengewässer. Zahlen, die Tilde nicht interessieren. Sie liebt die Sonnenuntergänge, das Mittelmeer-Flair der Promenade in Lindau, die Bananenstauden – und Palmen.

Ja, Palmen. Die exotischen Pflanzen sind Zierde. Ihr Geld verdienen die Bauern vom Bodensee aber mit Burgunder. An der B 31 von Überlingen bis Meersburg streifen Polen mit Strohhüten durch die Berge und binden die Rebstöcke fest. Die Trauben sind noch ganz klein. Nicht größer als Liebesperlen. "Wenn die Sonne scheint, können wir in zwei bis drei Monaten ernten", sagt einer der Arbeiter.

Von Meersburg nach Bregenz

Von den Weinbergen bei Meersburg fällt der Blick auf den See. Wie gemalt. Riviera-Romantik. Alles blau. Das Wasser des Bodensees, der Himmel. Fast schon kitschig. Ein Idyll, das sich Österreich, Schweiz und Deutschland teilen. 273 Kilometer beträgt der Umfang des Bodensees.

Autofahrer schaffen es in gut drei Stunden einmal rund ums Wasser. Vorausgesetzt, sie haben keine Panne. Hans Moosbrugger (60) und seine Frau Christa (51) kämpfen. Mit sich und ihrem Ford Model A von 1930. Immer enger und steiler wird die Landschaft, drücken die Felswände zu beiden Seiten gegen die Straße. Das Auto stottert und stottert und fährt gerade mal so schnell, wie ein Jogger läuft. "Uns ist der Kupplungszug gerissen", sagt Moosburger. "Dabei sollte es die erste Ausfahrt mit unserem Oldtimer in den Bregenzerwald werden. Aber Hauptsache, er läuft noch."

Bregenz gehört zu Österreich und ist die älteste Stadt am Bodensee. Die Römer haben das Städtchen erobert. Heute regieren Kunst und Kultur. Auf einer grauen Hausfront sind neun riesige Nullen, eine Eins und ein Komma gemalt: 0,000000001. Was soll das? Ist das die Hausnummer? Ganz bestimmt nicht. Das ist Kunst. Oder das, was die Bregenzer dafür halten. "Wir hatten auch schon mal ein Konzert, das aus dem Gully kam", sagt Werner Troy (65), Konditor im Ort. Heute spielt die Musik auf der Seebühne. Das Theater ist das Herz der Stadt, der Magnet für Einheimische und Touristen. Die Bühne steht auf Stelzen mitten im Wasser des Bodensees – ohne Dach. Schön, wenn die Sonne scheint, bei Regen fällt der Opernabend buchstäblich ins Wasser.

See-Spezialitäten: Fisch und Käse

Und Wasser hat der Bodensee genug. 49 Milliarden Kubikmeter, um genau zu sein. Österreich, Deutschland und die Schweiz, jeder ist stolz auf "seinen" See, der alle verbindet, aber auch irgendwie trennt. Ab Konstanz fährt die weiße Flotte über Meersburg ins österreichische Bregenz und weiter ins eidgenössische Rorschach. Die Köche rund um den See sind sich einig, dass es keine gemeinsame Küche gibt. Aber jeder bedient sich aus dem unerschöpflichen Angelteich. Beliebte Spezialität: Barsch, der am Südufer Egli heißt.

Und dann der Käse. Seit vergangenem Jahr gibt es in Andelsbuch das Bregenzerwälder Käsehaus. In der Hütte riecht es nach einer ganzen Wäscheladung Schweißsocken. Zumindest für die, die keinen Käse mögen.

Wagenrädergroße Laibe Hofkäse, Emmentaler und Bierkäse liegen in den Kühlregalen und reifen. Senner Markus Metzler (50) rührt mit einem Quirl in Rohmilchbrühe und strahlt wie ein Honigkuchenpferd. In der Woche hat er nämlich nichts zu lachen. Metzler leitet das Sozialamt. "Meine Kollegen meinen, ich hätte ein merkwürdiges Hobby." So wie Tilde. Sie drückt schon wieder auf den Auslöser. Die Kamera spult den Film zurück. Morgen legt sie einen neuen Film ein. Für neue Dicke.

Adressen und Termine

Oberschwaben • Internationaler Bodensee Verkehrsverein, Insel Mainau, 78465 Konstanz, Tel. 0 75 31-90 9410, Fax -90 94 94, www.bodenseeferien.com, Mail: info@bodenseetourismus.com

Vorarlberg • Vorarlberg-Tourismus Römerstraße 7, A-6901 Bregenz, Tel. 00 43-55 74-42 52 50, Fax -42 52 55, www.vorarlberg-tourism.at, Mail: info@vbgtour.at

Ostschweiz • Tourismusverband Ostschweiz und Tourismusverband St. Galler Land, Bahnhofplatz 1a, CH-90001 St. Gallen, Tel. 00 41-71-2 27 37 37, Fax -2 27 37 67, www.ostschweiz-i.ch, Mail: info@ostschweiz-i.ch

Touren-Tipps für Rad- und Autofahrer • Aktiv-Reisen Velotours, Fritz-Arnold-Str. 2d, 78467 Konstanz, Tel. 0 75 31-9 82 80, www.velotours.de • Deutsche Zeppelin- Reederei, Werftgelände 31, 88045 Friedrichshafen, Tel. 0 75 41-2 02 05, Fax. 0 75 41-20 24 99, www.zeppelin-nt.com, Mail: info@zeppelin-nt.com

Essen & Trinken • Bregenzerwälder Käsehaus - Erlebnisgastronomie mit regionalen Käsespezialitäten. Sonntags ab 11 Uhr mit Schaukäsen. Hof 144, A-6866 Andelsbuch, Tel. 00 43-5512-2 63 46 • Hotel Schloss Wasserburg - Spezialitäten vom Bodensee, dazu alles, was der See hergibt. Auf der Halbinsel ,D-88142 Wasserburg, Tel. 0 83 82-9 86 70 • Stromeyer am See - Schöne Atmosphäre in der ehemaligen Bleiche einer früheren Zeltfabrik. Bleicherstraße 20, 78462 Konstanz, Tel. 0 75 31-8 92 07 90

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