Serienwagen auf der Rennstrecke

Serienwagen auf der Rennstrecke

— 29.01.2004

Die sechs Samurai

Die Top-Modelle markieren die Speerspitze ihrer Marken mit der jeweils meisten Kraft. Unter ihnen die Newcomer 350Z und RX-8 eine spannende Suche nach dem sportlichsten Japaner.

Toyota Celica TS

"Wrden alle ihren Willen auf das Gute richten, gbe es nichts Schlechtes mehr", sprach der Philosoph Konfuzius einst. AUTO BILD test & tuning folgt seinem Ratschlag und widmet sich in diesem Vergleichstest ausschlielich dem Guten. Dessen Definition lautet wie folgt: Mindestens 192 PS, maximal 7,3 Sekunden von null auf 100 km/h und bis zu 253 km/h Hchstgeschwindigkeit. Sowie ein Preis, der nicht ber 50.000 Euro liegt. So weit, so gut. Aber Obacht: Nicht alles ist gleich gut, und sehr gut nur weniges ...

Toyota Celica TS "Was macht einen guten Sportwagen aus?", mgen sich die Entwickler von Toyota gefragt haben. Nach intensiver Grbelei und einem Blick zur Konkurrenz war eine Antwort schnell gefunden. Wenig Gewicht die Celica wiegt nur 1185 Kilo in Verbindung mit einem kleinvolumigen, hoch drehenden Vierzylinder und eine schnittige Auenhlle sind schon mal nicht verkehrt. So weit, so goldrichtig wer die Gnge konsequent ausdreht, hat eine Menge Spa mit dem drehmomentschwachen Motrchen.

Leider ist das Ganze nicht zu Ende gedacht. Die Plastikwste im hauteng geschnittenen Innenraum wollen wir gar nicht kritisieren, wir suchen schlielich den sportlichsten Japaner und nicht den kuscheligsten. Und gegen die Tristesse eines Evo VII kann das Celica-Interieur allemal bestehen. Viel schwerer wiegt etwas anderes: Das Fahrwerk, das bei hheren Geschwindigkeiten schon auf der Autobahn nicht zu berzeugen vermag, stt auf der Rennstrecke endgltig an seine Grenzen. Hoffnungslos untersteuernd und stark wankend, wird der Fronttriebler von der Konkurrenz vorgefhrt.

Noch etwas kostet Sympathiepunkte: Selbst nach Ausschalten der Traktionskontrolle macht die Elektronik einen auf Big Brother. Mit nervttendem Gepiepse artikuliert sie ihren Unmut ber jede flott gefahrene Kurve und terrorisiert den Piloten mit willkrlichen, ruppigen Bremseingriffen. Da hrt der Spa auf: letzter Platz.

Honda S2000

Honda S2000 Honda macht uns die Wahl schwer: Sosehr wir das urzeitliche Spitzenmodell, den NSX, auch lieben er spielt in Deutschland (leider) keine Rolle mehr. Den Civic Type-R verschmhen wir, weil der Roadster S2000 satte 40 PS strker ist. Und der entpuppt sich als Heckschleuder alter Schule wild, bsartig, unberechenbar. Wer Gas gibt, sieht sich vom Heck schneller berholt, als er "Honda" sagen kann.

Die Quertreiberei kostet Zeit. Deshalb unterliegt der S2000 auf der Rennstrecke um ein Haar dem RX-8 trotz wesentlich besserer Beschleunigungswerte. Da zu allem berfluss die eckige Lenkung das Einfangen des Fahrzeugs erschwert, riskieren wir die Gefahr, uns als Warmduscher zu outen, und gestehen: ESP wre gar nicht schlecht. Und so gut sich die Bremsen des Honda auch dosieren lassen mehr als 40 Meter Bremsweg ist in dieser Klasse keine gute Werbung.

Kehrtwende: Die beachtlichen Qualitten des S2000 wollen wir natrlich nicht unterschlagen. Die schnrkellose Linienfhrung, das klar gezeichnete Armaturenbrett und vor allem der Motor verdienen uneingeschrnktes Lob. Die Maschine hnelt in der Konstruktion dem Celica-Aggregat, geht aber noch mehr ins Extrem: Noch hher drehend (bis 9000 Umdrehungen), noch besser gehend, noch lauter brllend einen Presslufthammer zu reiten kann kaum aufregender sein. Trotzdem: nur Platz fnf.

Mazda RX-8

Mazda RX-8 Sie knnen es einfach nicht lassen: Die ganze Welt pfeift inzwischen auf das Wankelprinzip. Nur Mazda hlt unverdrossen am Kreiskolbenmotor fest. Wir aufgeschlossen gegenber allem Ungewhnlichen finden das schon prinzipiell hochinteressant. Wirklich schn ist das Design des RX-8: sportlich und doch von federleichter Anmutung. Bei aller mystischen Verklrung, die das Thema Wankel umgibt: Rein objektiv muss sich die Mazda-Maschine vor der Hubkolbenmotor-Konkurrenz nicht verstecken.

Die Spritzigkeit von Celica oder S2000 geht dem RX-8 zwar ab, dafr entfaltet das Aggregat seine Kraft mit beeindruckender Gleichfrmigkeit. Und wer die unteren Gnge ausdreht, den belohnen markante Laute der Kategorie "getunter Staubsauger". Schnell ist der Mazda auerdem auch noch. Der Geradeauslauf lsst bei Hchstgeschwindigkeit allerdings zu wnschen brig. Auch auf der Rennstrecke bleiben Fragen offen. Der RX-8 schafft nur die fnftbeste Rundenzeit dabei birgt der Wagen ein groes Potenzial.

Leider stellt ihm seine Fahrwerkschwche ein Bein. Lange neutral und dann gutmtig untersteuernd, beginnt das Heck in sehr schnell gefahrenen Kurven schlagartig auszubrechen. Den Fahrer trifft diese Reaktion vllig unvorbereitet, dementsprechend schwer fllt es ihm, adquat zu reagieren. Der RX-8 mit 231 PS kostet 31.600 Euro. Nicht zu viel fr ein einzigartiges Auto: Platz vier.

Nissan 350Z

Nissan 350Z Auch wenn es fr den ersten Platz nicht reicht ein Preis ist dem 350Z gewiss: der Schnheitspreis. Aus welchem Blickwinkel auch immer die Form des Nissan erinnert an einen sthlernen Muskelstrang. Unter der Haube kauert ein Aggregat, das die Erwartungen nicht enttuscht, die durch die Optik geweckt werden. Ein 3,5-Liter-V6 macht die Musik. Damit verfolgt Nissan eine andere Philosophie als die anderen. Keine Aufladung, keine wahnwitzigen Drehzahlen hier kommt die Kraft aus dem Keller. In allen Drehzahllagen zieht der 350Z gut durch. Die Begleitmelodie in Form eines tieffrequenten Auspuffwummerns passt dazu vorzglich.

Auf der Rennstrecke muss sich der Nissan dem Impreza und dem Evo VII geschlagen geben. Die leichtfige Unbekmmertheit der beiden Rallye-Boliden fehlt ihm. Der Fahrer hat das Gefhl, ein deutlich greres und schwereres sowie kopflastiges Auto zu manvrieren. Den Rest des Feldes hlt er auf Distanz Verdienst seiner beherrschten Art.

Obwohl 363 Newtonmeter an der Hinterachse zerren, hlt er stur die Spur, bersteuert nicht, bleibt lange neutral. Auf schnellen Autobahnetappen zeigt der Nissan, was in ihm steckt. Tempo 250 nimmt das Fahrwerk mit einer Nonchalance hin, als wre das Chassis mit Beton ausgegossen. Mit diesem Auto knnte man auch noch wesentlich schneller fahren: ein sehr guter dritter Platz.

Subaru Impreza WRX STi

Subaru Impreza WRX STi Der erste Eindruck tuscht so oft: Gefrige Hutze, Flgel im Snowboardformat und goldene Felgen wer es nicht besser wei, neigt dazu, den Impreza WRX STi als Spoiler-Monster fr Sptpubertierende abzutun. Auch die Motorhaube, die bereits bei mittleren Geschwindigkeiten zu flattern beginnt und bei der arglosen Besatzung Panikattacken verursacht, weckt Zweifel.

Trotzdem gelingt dem Subaru der Sprung auf den zweiten Platz. Sein berragendes Handling sichert ihm diesen Rang. Kaum ein Auto (Ausnahme Mitusbishi Carisma GT Evo VII) darf mit solch entspannter Beilufigkeit so schnell bewegt werden. Der aufgeladene Motor passt zum krawalligen Outfit. Bis 3000 Touren tut sich wenig bis gar nichts, dann haut die Turbokeule zu direkt ins Epizentrum des zentralen Nervensystems. Wer sich daran nicht erfreut, muss mindestens depressiv sein. Schnelle Autobahnfahrten meistert der Subaru souvern, nur Spurrillen gehen ihm gegen den Strich. Sein eigentliches Revier findet sich abseits ffentlicher Straen. Ob auf unbefestigter Piste oder auf der Rennstrecke der Impreza fhrt schneller um Kurven als viele Autos geradeaus.

Die hnlichkeit mit dem Evo VII verblfft der WRX STi gibt sich jedoch deutlich milder und zivilisierter. Er ist weniger hart, weniger stark, weniger durstig, weniger schnell, weniger teuer aber kaum weniger vergnglich. Wenn nur die hakelige Schaltung nicht wre. Die kostet Kraft, Nerven und den Sieg: Platz zwei.

Mitusbishi Carisma GT Evo VII

Mitusbishi Carisma GT Evo VII Die Versuchung, diese Zeilen durch 250fache Aneinanderreihung des Wortes "Spa" zu fllen, ist gro. Einerseits geht der Evo VII wirklich hllisch. Andererseits gefllt er durch seine spielerische Unkompliziertheit. Die Gnge flutschen durch die Schaltkulisse, als htte jemand das Getriebe mit Vaseline prpariert. Und der Motor schttelt seine Leistung so lockerlssig aus dem rmel, als wren 280 PS nicht weiter der Rede wert. Mit beeindruckender Unmittelbarkeit setzt der Mitsubishi jeden Gassto in sofortigen Vortrieb um immer und berall.

Auf der Autobahn marschiert er trotz seiner kurzen bersetzung mit einer Spitzengeschwindigkeit von 253 km/h ausreichend zgig voran. Endgltig in seinem Element ist der Allradler auf der Rennstrecke. Der Rundkurs offenbart, wie perfekt smtliche Komponenten aufeinander abgestimmt sind.

Eine so genannte Giermoment-Kontrolle optimiert das Handling. Das heit: In schnell gefahrenen Kurven schiebt das Heck ein kleines Stck nach auen, hilft beim Einlenken, bricht allerdings niemals aus. Und wer vor dem Scheitelpunkt einer Kurve beschleunigen will, darf auch das, ohne Kompliktionen befrchten zu mssen. Die mit dem kleinen Finger bedienbare Lenkung macht es mit perfekter Rckmeldung und ihrer direkten Art leicht, eine saubere Linie zu fahren. Minuspunkte: Haptik, Optik und hemmungsloser Spritkonsum. Den Spa kann uns das nicht verderben: Erster!

Fazit von AUTO BILD test & tuning-Redakteur Ben Arnold Mazda RX-8 und Nissan 350Z sind zwar neu, gut durchdacht und herrliche Autos mit hohem Spafaktor. Es gelingt ihnen jedoch nicht, die Allrad-Fraktion zu bezwingen. Vor allem der grandiose und supersportliche Mitsubishi fhrt in einer anderen Liga. Toyota Celica und Honda S2000 offenbaren Schwchen.

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Sechs sportliche Japaner Ihr Urteil

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten fr Mazda RX-8, Honda S2000, Nissan 350Z, Toyota Celica TS, Subaru Impreza WRX STi und Mitsubishi Carisma GT Evo VII. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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