Shelby GT 500/Camaro ZL1: Vergleich

— 09.10.2012

Wer ist hier der Boss?

Die 60er-Jahre-Ikonen Shelby GT 500 und Camaro ZL1 sind wieder da, trotzen dem Downsizing-Trend mit hubraumschwangerer Drehmomentgewalt – und überraschend gutem Handling.



Die Spielverderber schlummern im Handschuhfach. Bedienungsanleitungen – voller Vorschriften, die ein allzu buntes Treiben mit dem liebsten Kind untersagen. Chevrolet und Ford gehen den anderen Weg: Während im Camaro-ZL1-Bordbuch minutiös das Einbremsen vor einer Rennstreckenrunde erläutert wird, ist für den Mustang Shelby GT 500 genauestens erklärt, welchen ESP-Modus man für den Burnout und welchen für den bestmöglichen Start beim Viertelmeilenrennen wählen sollte. Die harte Gangart ist also klar erwünscht! In Fingern und Zehen juckt es bereits ohne die gut gemeinten Werksratschläge.

Übersicht: Alle News und Tests zum Ford Mustang

Urwüchsig: Deutlich höhere Anforderungen an seinen Reiter stellt der wilde Shelby Mustang.

Chevy rüstet den Camaro (Rundenzeit: 1:38,13 min) mit einem Kompressor-V8 auf, der bereits den Cadillac CTS-V zum Schrecken deutscher Power-Limousinen macht. Dank besserer Beatmung in Form einer optimierten Ansaugung und eines speziellen Luftfilters sowie der klappengesteuerten Auspuffanlage kitzelt der ZL1 noch 23 PS mehr aus ihm heraus als der 564-PS-Caddy. Das seit 20 Jahren aktive Special Vehicle Team von Ford setzt trotzdem noch einen drauf. Der ebenfalls aufgeladene Ford-V8 wächst mittels vergrößerter Bohrung von 5,4 auf 5,8 Liter, auch der Kompressor nimmt an Größe zu und arbeitet nun mit etwa 0,97 Bar Ladedruck statt vormals 0,62. 856 Newtonmeter müssen Carbon-Kardanwelle und die stämmige 260-Millimeter-Kupplung nun verdauen – und tun es mit Bravour.

Übersicht: Alle News und Tests zum Chevrolet Camaro

US-Car-Tuning in Deutschland

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Die speziell von Goodyear entwickelten Reifen haben mehr zu kämpfen, zumindest im kalten Zustand. Den starken Morgenkaffee kann man sich jedenfalls sparen, wenn das Heck des Mustang im dritten Gang trotz voll aktiviertem ESP beim Entern der Autobahn schlagartig quer kommt. Sind die Pneus angeheizt, geht es dagegen flott von der Stelle. Per Launch-Control kann man eine Anfahrdrehzahl von 2500 bis 5200 Touren wählen. 3800 eignen sich für unser Messgelände gut. Mittels gezielter Eingriffe an Hinterachsbremsen und Motorsteuerung robbt der Mustang zielorientiert unter fülligem fülligem Brodeln und bassigem Brüllen Richtung 100-km/h-Marke. Schalten muss man kaum – der erste Gang reicht bis 104 km/h, der dritte bereits bis 210. Wer die hauteng nebeneinanderliegenden Gassen der trocken einklickenden Schaltung trifft, lässt den Camaro ZL1 weit hinter sich. Fünf Sekunden schenkt der Shelby (Rundenzeit: 1:38,26) dem Chevy bis 250 km/h ein.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Schnurgeradeaus: Nur auf ausdrücklichen Wunsch kommt der Camaro richtig quer, bleibt sonst seiner Linie treu.

Aber auch wenn 587 Pferde schon mal energischer losgaloppierten – Muscle-Car-Fans kommen im Camaro voll auf ihre Kosten. Sein bootsmotorartiges Leerlaufbollern schwillt dank Klappenauspuff unter Volllast zum harten, omnipräsenten Hämmern an. Das Triebwerk reißt zwar nicht so brutal an wie das des Shelby, gefällt aber mit einer lässigen, sehr gleichmäßigen Kraftentfaltung. Alcantara an Lenkrad und Schalthebel umschmeichelt den Tastsinn, das Fahrwerk die Insassen. Dank sensibel ansprechender Adaptivdämpfer taugt der straff, aber sehr beflissen federnde ZL1 durchaus als Alltagsdampfer – auch wenn das Haupthaar trotz tiefer Sitzposition mit dem Dachhimmel auf Tuchfühlung geht und die ausladende Karosse aufgrund der lukenähnlich kleinen Fenster eher schlecht einzuschätzen ist. Ungeachtet der adaptiven Bilstein-Dämpfer, die zusammen mit einem Torsen-Sperrdifferenzial und speziellen Kreuzspeichenrädern das SVT Performance Package ausmachen, federt der Mustang spürbar barscher. Auf ebener Fahrbahn läuft er tadellos geradeaus, Unebenheiten regen die hintere Starrachse dagegen zu spürbarem Eigenleben an. Schnelle Autobahnkurven, die der Camaro mit Tempo 290 satt und exakt wie kaum ein zweites Auto durcheilt, lassen im Shelby mitunter ein mulmiges Gefühl aufkommen. Ist die Messe für den Ford also schon gelesen? Das Ergebnis erfahren Sie in der Bildergalerie oben.

Super Size Me

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Ford Mustang Shelby GT 500, Chevrolet Camaro ZL1

Veröffentlicht:

02.10.2012

Preis:

1,00 €

Frank Wiesmann

Frank Wiesmann

Fazit

Ein barbarischer Antritt, der zu überlegenen Fahrleistungen führt, sowie die unverfälschte Urwüchsigkeit machen den Mustang Shelby GT 500 zum Sieger im Muscle-Car-Duell. Der Camaro ZL1 kontert zwar mit einem überlegenen Fahrwerk, das ihm neben dem deutlich annehmbareren Komfort auch ein zahmeres und zugleich satteres Handling verleiht. Doch Ausgewogenheit verlangt kaum jemand von einem amerikanischen PS-Protz – ungehobelt und stilecht muss er sein, und das kann der Mustang einfach besser. Beide sind trotz toll funktionierender Elektronik echte Charaktertypen.

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