Shell Eco-Marathon 2009

Shell Eco-Marathon 2009 Shell Eco-Marathon 2009

Shell Eco-Marathon 2009

— 08.05.2009

Aufs letzte Tröpfchen

Der 25. Shell Eco-Marathon hat erfolgreich begonnen: Über dem Eurospeedway Lausitz lacht die Sonne – perfekt für Solarmobile. Bereits am ersten Tag gab's zwei neue Spritspar-Rekorde!

"Die Startposition ist ungünstig – können wir weiter nach rechts?" Denn rechts ist die Sonne, der linke Bereich des Startfelds liegt bereits im Schatten. Schlecht für ein Solarmobil; und so hat die Startleitung ein Einsehen und lässt die vierrädrige Tischtennisplatte, die mit jeder Menge Siliziumzellen gepflastert ist, einen halben Meter gen Norden rücken. Auf dem Eurospeedway Lausitz gelten dieser Tage besondere Regeln: Zum ersten Mal überhaupt findet der Shell Eco-Marathon hier statt. Nachdem der Spritspar-Wettbewerb für Hochschulen 24 Mal im südfranzösischen Nogaro die tüftelnde Jugend Europas zusammenrief, hielten die Veranstalter einen Neuanfang für angebracht. Viele Gründe sprachen dafür: "Der Lautsitzring liegt viel zentraler, die Anreise ist viel leichter, und die Unterkunftsmöglichkeiten für Gäste liegen näher", fasst eine Shell-Mitarbeiterin zusammen.

Die Rennwagen sind drastisch tiefergelegt

Die selbstgebauten Fahrzeuge beim Spritspar-Wettbewerb sind so flach, dass man sie fast übersieht.

Den Akteuren dürfte das allerdings egal sein: Sie übernachten in romantischer Zeltplatz-Atmosphäre in unmittelbarer Nähe der Rennstrecke. Das erweist sich schon deswegen als nützlich, weil meist unmittelbar vor dem Rennen noch entscheidende Umbauten vorgenommen werden müssen. So sieht denn auch das eine oder andere Team morgens um acht leicht übernächtigt aus – obwohl es gleich an den Start geht. Es ist eigentlich ein Renntag wie viele andere auf dem Lausitzring: Flaggen flattern an den Masten, Teams rennen aufgeregt hin und her, Motoren knattern – nur die Rennwagen sind unsichtbar. Erst auf den zweiten Blick erkennt man sie, denn sie sind wortwörtlich tiefergelegt. Und zwar drastisch: Kaum einer der motorisierten Seifenkisten ragt über Kniehöhe hinaus. Doch gemessen an der Geräuschentwicklung können es die bunt bemalten und in atemberaubende Monocoque-Karossen gesteckten Eigenbauten durchaus mit den großen Vorbildern aufnehmen.

Neuer Rekord bei Verbrennungsmotoren

Marokkos Beitrag zur Eco-Challenge: Ein selbstgebautes Monocoque mit Pumpendiesel.

Anders hingegen ist es beim Spritverbrauch, und genau darum geht es ja: Eine möglichst große Distanz mit möglichst wenig Kraftstoff (welchem auch immer) zurückzulegen, das ist der große Anspruch bei der Eco-Challenge. Etwa 25 Kilometer ist die Rennstrecke lang, gefahren wird mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h. Das Ergebnis wird auf einen Liter Kraftstoff hochgerechnet und ist somit gut vergleichbar. Die gemessenen Verbrauchszahlen bewegen sich zunehmend im akademischen Bereich: War 1939 bei der Ur-Veranstaltung noch 21,4 Kilometer pro Liter ein beachtlicher Wert, lag das Ergebnis zehn Jahre später bereits bei 63,69 Kilometer. 1968 wurde bereits die 100-Kilometer-Marke durchbrochen, 1973 lag der Rekord bei 160 Kilometern, 1985 schon bei 680 Kilometern. 2005 stellte die Schweizer Hochschule ETH Zürich den bis heute unerreichbaren Wert von 3838 Kilometern auf; allerdings mit einer Brennstoffzelle. Den Rekord für Verbrennungsmotoren, aufgestellt 2005 vom französischen Lycée La Joliverie, hat dieselbe Hochschule soeben übertroffen; er liegt somit bei 3410 Kilometern.

Nicht alle schaffen's auf die Piste

Davon können die zehn Studenten vom Team der Mohammadia Engineering School in Rabat nur träumen: Ihr sichtlich handgemachtes Gefährt lässt sich gar nicht erst anwerfen. Die Marokkaner haben schon 2008 von einem Start bei der Eco-Challenge geträumt, doch das Geld reichte nicht. Nun sind sie immerhin bis zur Startbox gekommen. In dem Stromlinien-Korbus versteckt sich ein niedlicher Dieselmotor mit 320 Kubikzentimeter Hubraum. "Der stammt von einer Wasserpumpe", erklärt einer der Studenten. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, den Pumpen-Renner in Gang zu setzen, ziehen sie sich entmutigt in ihr Zelt im Fahrerlager zurück. "Morgen versuchen wir es noch einmal", sagt Teamleiter Mohammed Lafrem. Prinzip Hoffnung – dabeisein ist schon viel. So geht es auch anderen aus dem bunt gemischten Starterfeld: Teams aus China, Iran, Pakistan sind am Start, dazu die altbekannten Favoriten aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Doch der Zulauf aus Asien ist so groß, dass dort 2010 eine eigene Eco-Challenge ins Leben gerufen wird – Nummer drei nach USA und Europa. Bis zu der Ausrichtung einer WM kann es also nicht mehr lange dauern.

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Autor: Roland Wildberg

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