Shell Eco-Marathon 2009 Urban Concept

— 12.05.2009

Ich bastel' mir ein Auto

Wenn Seifenkisten erwachsen werden: Seit 2003 gibt es beim Shell Eco-Marathon eine Kategorie für "richtige" Autos. In diesem Jahr fuhr eine kleine Sensation aus Schweden ganz vorn mit.
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Von Roland Wildberg Baldos ist klein, rot und ziemlich knuffig. Er hat gut ein PS Leistung und schafft bis zu 35 km/h. Die darf er beim Shell Eco-Marathon auch ausfahren. Das Mini-Auto startet in der Kategorie "Urban Concept". Sie ist die Steigerung des traditionellen Seifenkistenrennens, für das Shell seit Jahrzehnten die Hochschulen Europas erfolgreich versammelt. Tatsächlich bedeutet die zweite Kategorie eine neue Stufe, die zusätzliche Fertigkeit und Sorgfalt erfordert. Die Fahrzeuge müssen vier Räder, Beleuchtungseinrichtungen und andere Spezifikationen aufweisen, die für "echte" Autos vorgeschrieben sind. Auch der Kurs ist anspruchsvoller als bei den "Prototypen". Zusätzlich müssen Boxenstopps eingelegt werden. Ziel: Ein minimaler Spritverbrauch – und keine Geschwindigkeitsrekorde.
Baldos soll eine Straßenzulassung bekommen
Teamleiter Anders Hakansson zeigt den Mini-Motor von Baldos: Er hat 25 Kubik Hubraum und stammt aus einem Modellflugzeug.
Teamleiter Anders Hakansson zeigt den Mini-Motor von Baldos: Er hat 25 Kubik Hubraum und stammt aus einem Modellflugzeug.
"Und da geht noch mehr. Wir haben Baldos lediglich für den Wettbewerb optimiert", sagt Anders Hakansson. Der Industriedesigner ist Teamleiter der schwedischen Hochschulgruppe, die Baldos gebaut hat. Ihre Hochschule liegt hoch im Norden in Luleå. Dort hat man in den langen Winternächten viel Zeit zum Basteln. Ein interdisziplinäres Projekt aus Industriedesignern, Maschinenbauern, Elektroingenieuren und Computer-Spezialisten warf Motivation und Kompetenz zusammen. Das funktionierte so gut, dass man einen Entschluss fasste: Baldos soll eine Straßenzulassung bekommen. "Die haben wir im Prinzip auch schon, es fehlt lediglich eine Prüfung hinsichtlich des Beschleunigungsvermögens", sagt Hakansson. Das ist die erste Aufgabe, die in Luleå auf die 23 Studenten und fünf Ausbilder wartet. Wird man das Konzept anschließend einem Unternehmen anbieten oder selbst in die Branche der Fahrzeugbauer einsteigen? "Es ging uns mehr darum zu zeigen, dass ein sparsames Kleinstauto realisierbar ist", sagt der Ingenieursstudent Johannes Carlsson.
Der Motor stammt aus einem Modellflugzeug
In der Kategorie \
In der Kategorie "Urban Concept" starten alle Teilnehmer gleichzeitig – wie bei einem "richtigen" Autorennen.
Dabei bewiesen die Konstrukteure Findigkeit: Der nur 25 ccm große Motor stammt aus einem Modellflugzeug und wird mit Normalbenzin betrieben. Der Ventilator zur Kühlung stammt von einem tschechischen Modellflugzeugbauer, der nach Vorgaben der Hochschule fertigte. Das Miniauto ist mit sparsamen LED ausgerüstet, die Räder haben die Studenten ebenso wie die GfK-Karosse selbst entwickelt und gebaut. Dabei stand ihnen die Designsoftware eines großen Autoherstellers zur Verfügung. Baldos – das heißt übrigens "Eisscholle" auf lappländisch – ist bereits der zweite seiner Art. "Mit dem Vorgänger sind wir im vergangenen Jahr auf Demonstrationstour durch Europa gezogen und waren ehrlich gesagt geschockt von dem großen Interesse, auf das wir überall stießen", sagt Teamleiter Anders Hakansson. Auch auf dem Lausitzring war die Resonanz groß. Kein Wunder, bei einer zurückgelegen Distanz von rund 250 Kilometer pro Liter.
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