Shell gräbt den Tankwart wieder aus

Shell gräbt den Tankwart wieder aus

— 27.02.2006

Comeback eines Service-Fossils

Kampf um Marktanteile: Nach erfolgreicher Pilotphase holt Sprit-Multi Shell jetzt Dienstleistungskräfte an die Zapfsäule zurück.

Shell erweckt den guten alten Tankwart wieder zum Leben: Noch 2006 will der britisch-niederländische Konzern einige hundert Service-Mitarbeiter an die deutschen Tankstellen schicken. Sie werden dort das Tanken übernehmen, Scheiben putzen und bei Bedarf auch den Öl- und Wasserstand kontrollieren. Am Ende fragen sie den Kunden, ob er einen Euro Service-Gebühr dafür zahlen möchte. Er kann es tun – aber auch lassen. Der britisch-niederländische Konzern braucht das Geld auch nicht unbedingt. Denn für das Unternehmen ist dies ein wichtiger Teil der Strategie, in Deutschland endlich Nummer eins zu werden.

Marktführer Aral, eine Tochter der ebenfalls britisch-niederländischen BP, soll vom Thron gestoßen werden. Shell hat Deutschland als größtem Markt in Europa Vorfahrt vor allen anderen Ländern gegeben. Noch trennen Shell und Aral hier ein Prozentpunkt Marktanteil. 2008 soll das Überholmanöver gelungen sein. Shell spekuliert darauf, daß im deutschen Tankstellenmarkt italienische Verhältnisse einkehren werden. Dort beherrscht die ehemals staatliche Agip mit fast einem Drittel Marktanteil das Benzingeschäft – Preiskämpfe sind nahezu ausgeschlossen. Agip gibt den Preis vor, andere Anbieter folgen. Konkurrenz durch Supermarkttankstellen gibt es kaum. So ist Italien freilich ein Traumland für Spritverkäufer, sie erzielen hier doppelt so hohe Margen wie in Deutschland.

Daß Shell nun Tankwarte einstellt, bedeutet aber kein Beschäftigungswunder in der Branche. Zwar will der Konzern den Service "geographisch großflächig" einführen, bei weitem aber nicht überall. "Dort, wo es Sinn macht, werden wir es tun", sagt Firmen-Sprecher Matthias von Glischinski-Kurc. Und das bedeutet: am besten dort, wo eine Aral-Station nebenan liegt. Die Konkurrenz sieht das gelassen. Aral hatte Mitte der neunziger Jahre einen Test mit Tankwarten gemacht und schnell wieder eingestellt. Eine Neuauflage wird es auch nach dem Vorstoß von Shell nicht geben, heißt es deshalb bei Aral. Esso hält so etwas ohnehin für Geldverschwendung. Völlig unbeeindruckt reagiert Konkurrent Jet. Der Aldi unter den Tankstellenbetreibern hat es aufgrund der besonderen Marktsituation in Deutschland nicht nötig, die Strategie zu ändern: Jet verdient gut an der Sparsamkeit deutscher Autofahrer.

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