Sicherheit in Vans

Sicherheit in Vans

— 11.07.2002

Geballte Ladung

Vans laden zum Laden ein. Und genau darin liegt das Risiko. Crashversuche der Dekra zeigten jetzt, wie aus Koffern, Kisten und Kartons lebensgefhrliche Geschosse werden.

Die Gefahr lauert in der dritten Reihe

Microvans, Minivans, Kompaktvans, Maxivans, egal welche Gre, egal welche Version, wir schtzen ihren Platz und ihre Variabilitt. Vans sind die Verwandlungsknstler der Gegenwart. Ob sie nun bis zu acht Personen zum Fuballspiel bringen, ob die Waschmaschine zur Oma oder Surfbrett und Fahrrder an den Urlaubsort transportiert werden mssen, der Kofferraum auf Rdern schluckt alle Alltagssorgen. Schon deshalb kennen die Zulassungszahlen seit Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. Fuhren 1998 bei uns rund eine halbe Million dieser Groraumlimousinen herum, stieg die Zahl bis heute auf ber 1,2 Millionen. Das sind rund drei Prozent am Gesamt-Pkw-Bestand.

Doch gerade die Variabilitt und das groe Ladevolumen bringen die Jumbos auch in die Kritik und lassen Unfallforschern bisweilen die Haare zu Berge stehen. Crashversuche der Dekra und der Schweizer Winterthur-Versicherung offenbarten Sicherheitsrisiken der Familientransporter, ber die sich die meisten im Alltag keine Gedanken machen. Dabei ging es nicht um die sonst bliche Crashsicherheit auf den Vordersitzen, nicht um spezielle Van-Modelle, auch nicht um EuroNCAP, Airbags oder Gurtstraffer. In diesen Punkten wurde in den vergangenen Jahren so viel getan, dass Vans mittlerweile nahezu auf Pkw-Niveau fahren. Zumindest was die Sicherheit angeht. Ein anderer Aspekt indes entlarvt die schwache Seite der Raumwunder. Und genau um diese ging es in den Chrashversuchen: Was passiert eigentlich, wenn hinten was passiert?

Wie gefhrlich kann ungesicherte Ladung werden? Wie verhalten sich Schiebetren beim Seitencrash? Und: Was knnen die Hersteller verbessern? Gerade jetzt zur Urlaubszeit fahren die Vans wieder voll gestopft bis unters Dach ber die Autobahnen. Wehe, Vans da kracht. Denn diese Kombination ist kritisch. Eigentlich, so warnen Unfallexperten, gehren nur Personen in die geschtzte Fahrgastzelle, Ladung sollte mglichst auerhalb untergebracht sein. In einer normalen Limousine mit Kofferraum ist dies kein Problem. Doch wie, bitte schn, soll das in einem Van funktionieren? Hier teilen sich Mensch und Gepck zwangslufig einen Raum. Manchmal mit fatalen Folgen.

Heckaufprall mit vollbeladenem Van

"Am besten beim Ikea-Einkauf die Kinder zu Hause lassen", meint Jrg Ahlgrimm, Unfallexperte bei der Dekra. Die im Heck gestapelten Regalbretter knnten besonders beim Aufprall von hinten zur tdlichen Waffe werden, zumindest wenn Kids in der dritten Reihe sitzen.

Erster Versuch: Ein Pkw fhrt mit etwa 50 km/h hinten in einen stehenden Van, der mit typischen Regalkartons beladen ist. Die Knautschzone, ohnehin nicht lnger als ein Aktenkoffer breit, ist dann gleich null. Der harte Holzpacken gibt die Aufprallenergie des Hintermanns ungedmpft nach vorn weiter. Die Kpfe der hier sitzenden Personen knicken trotz Nackensttze bermig nach hinten, die Rckenlehne hat keine Chance nachzugeben, da der Gepckblock starr dagegen hlt. Das kann tdlich enden. Ahlgrimm empfiehlt fr solche Transporte einen speziellen Kastenwagen oder aber die Bretter flach auf dem Boden, wenn ntig, auch im mittleren Furaum zu verteilen.

Zweiter Versuch: Ein typischer Kreuzungsunfall wird simuliert. Ein Pkw fhrt, wieder mit etwa Tempo 50, im Winkel von 90 Grad in die rechte Seite eines Vans, der 25 km/h schnell ist, trifft dessen Schiebetr. In der mittleren Reihe sitzen zwei Dummys, rechts neben ihnen steckt, der Lnge nach verstaut, ein Surfbrett. Die gemessenen Belastungen an Kopf, Brust und Becken ergeben zwar unkritische Werte, weil der Bereich zwischen Sitz und Tr ausreichend gro ist und die Schiebetr gute Stabilitt bietet. Doch besteht eine schwere Verletzungsgefahr durch umherfliegende Gegenstnde im Innenraum. Oft wird dieser Einstiegsbereich, so Ahlgrimm, gern fr zustzliches Sportgepck genutzt (z.B. Gasflaschen), die weitaus hheres Gefahrenpotenzial bieten als das relativ weiche Surfbrett.

Kritisch bleibt es auch nach dem Unfall. Die Schiebetr lsst sich nicht mehr ffnen. Hat der Van nur diese eine Schiebetr, sind Verletzte nur sehr schwer aus dem Autowrack zu bergen (zur Not durch Fenster oder Heckklappe). Bei dem vorgefhrten Crash regnet es, der getroffene Van bleibt daher auf seinen Rdern stehen. In einem Vorversuch der Dekra auf trockener Bahn brachte die Einschlagenergie des Pkw den Van (grere Haftreibung der Reifen) zum Kippen, was die Insassen zustzlich gefhrden wrde und somit der Rettungsweg auch ber die eventuell zweite Schiebetr versperrt sein knnte weil der Wagen eben drauf liegt.

Verheerend: Frontalcrash mit Waschmaschine

Dritter Versuch: Hier treffen zwei Vans, jeder 50 km/h schnell, mit halbseitiger berdeckung frontal aufeinander, der wohl schlimmste anzunehmende Unfall (berholmanver in den Gegenverkehr). In beiden sitzt nur der Fahrer, alle hinteren Sitze sind diesmal ausgebaut. Der Laderaum ist jeweils gleich bepackt mit typischem Umzugsgut: Khlschrank, Waschmaschine, Regalbretter und verschiedene Kleinteile. Einziger Unterschied: Im roten Fahrzeug ist die Ladung sorgfltig gesichert, die schwere Waschmaschine mit Spanngurten verzurrt. Im grnen Van ist alles lose hineingestellt worden. Wohin dies fhrt, msste jedem auch ohne Crash bewusst sein.

Das Sperrgut erschlgt fast den Fahrer, die Waschmaschine kippt und drckt mit dem bis zu 25fachen ihres Gewichts in die Rckenlehne des Vordersitzes, die diesem Druck natrlich nicht gewachsen ist. Vor dem Crash im Heck liegende Kleinteile finden sich im vorderen Furaum wieder. Im Laderaum herrscht das Chaos. Einen realen Unfall in dieser Konstellation htte der Fahrer nicht berlebt. Trotz Airbag und Gurt. Der Tod kam mit Macht von hinten. Im Van mit der gesicherten Ladung bleibt die Waschmaschine zwar in ihrer Befestigung, doch auch hier kommt es geballt von hinten. Die berlebenschancen sind aber hher, weil die Verteilung der Belastungen deutlich homogener ist.

Woran es im Van oft mangelt, sind erstens stabile Befestigungssen (meist nur dnne Drahtbgel). Manchmal fehlen sie auch ganz. Als Provisorium dienen dann hufig die Sitzaufnahmen im Boden. Auch billige Spanngurte aus dem Baumarkt helfen nur wenig, schwere Gegenstnde sicher im Zaum zuhalten. Sie sollten mindestens ber eine so genannte Ratsche zum Spannen verfgen. Und: Immer nur in Fahrtrichtung verzurren. Ein gutes Schutzpolster im Laderaum des Vans bilden die nach vorn umgeklappten Sitze der mittleren Reihe. Doch auch hier gilt: zustzlich die Ladung sichern.

Was knnen nun die Hersteller tun, um Insassen in der dritten Reihe besser zu schtzen? Dekra-Crash-Experte Jrg Ahlgrimm wnscht sich hrtere Hecks, die weniger verformen (Schwachpunkt ist die riesige Heckklappe). In diesem Fall msste der Vorderwagen des Unfallgegners die Hauptverformungsarbeit leisten. "Und", so Ahlgrimm, "steht ein Van-Kauf ins Haus, so sollte ein Modell mit mglichst viel hinterer Knautschzone genommen werden."

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung