Sicherheitstechnik der Zukunft

Sicherheitstechnik der Zukunft

— 16.04.2006

Noch schneller, noch sicherer

Frühwarnsysteme und Schutzmaßnamen im Auto wachsen immer mehr zusammen. Schon bald zündet der Airbag bereits vor dem Crash.

Wenn's kracht, dann kracht's - und das ist gut so. Jedenfalls wenn der zweite Knall ein bis zwei Hundertstelsekunden nach dem ersten erfolgt. Denn das bedeutet, daß sich der Airbag rechtzeitig aufgeblasen hat, um die Fahrzeuginsassen beim Aufprall abzufangen. Doch: "Die Lautstärke bei der Aktivierung eines Airbags entspricht ungefähr einem Gewehrschuß", erläutert Hubert Paulus vom Technik-Zentrum des ADAC.

Um einen Überblick über vom Airbag verursachte Verletzungen zu gewinnen, hatte der ADAC gemeinsam mit dem Institut für Fahrzeugsicherheit (GDV) und der Bundesanstalt für Straßenwesen vor etwa vier Jahren in einer europaweiten Umfrage unter Autofahrern rund 700 Fallbeispiele gesammelt und analysiert. Dabei entpuppten sich Störungen des Gehörs als die häufigsten Verletzungen, die der Lebensretter seinen Schützlingen zufügt. "Zum Glück klingen sie meistens nach wenigen Tagen wieder ab", so Paulus.

"Wenn ein Beifahrer etwa lässig die Beine aufs Armaturenbrett legt, kann er vom Airbag durchaus durch die Heckscheibe geschleudert werden", warnt Karl-Friedrich Ziegahn. Der Physiker erforscht am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal bei Karlsruhe die optimale Zusammensetzung von Treibladungen für Airbags.

Die Entwicklung geht dabei gegenwärtig vor allem in Richtung von Treibladungen, die flexibel aktiviert werden können. Zudem sollten bei der Verbrennung keinesfalls giftige Gase entstehen. Hybridgasgeneratoren, bei denen das Füllgas aus einer Druckflasche kommt, sind eine Alternative. Aktuelle Forschungen beschäftigen sich damit, Wasserdampf als Füllgas zu erschließen.

Wichtigste Steuerungselement für den Airbag sind die Beschleunigungssensoren an Kardanwelle und Stoßstangen, die innerhalb von fünf Millisekunden nach dem Aufprall über die Auslösung entscheiden. Nach etwa zehn Millisekunden beginnt die Entfaltung des Airbags. Ein elektrischer Zündmechanismus bringt zunächst einen Initialzünder zur Explosion, der wiederum die eigentliche Treibladung zündet. Innerhalb von etwa 30 Millisekunden ist der Airbag aufgeblasen.

Ein neuartiger, von Siemens VDO Automotiv entwickelter Körperschallsensor reagiert noch schneller. CISS (Crash Impact Sound Sensor) erkennt Art und Schwere eines Unfalls an hochfrequenten Schwingungen der Karosserie und soll die Zeit zwischen Aufprall und Zündung des Airbags gegenüber heutigen Sensoren noch einmal halbieren. Anfang 2007 soll das neue System in Serie gehen.

Mit Hilfe von Radarsensoren ist es sogar möglich, einen unvermeidbaren Unfall bereits kurz vor dem Zusammenprall zu erkennen. "Die S-Klasse ist bereits mit solchen Systemen ausgestattet", sagt ADAC-Experte Paulus. Airbags werden darüber jedoch nicht gesteuert, sondern lediglich die Sicherheitsgurte gestrafft, die Sitze aufrecht gestellt oder Fenster und Schiebedach geschlossen. Das Schutzsystem wird gewissermaßen scharfgemacht.

Volkswagen arbeitet an einem neuartigen System zum Schutz vor seitlichen Zusammenstößen. Das Forschungsteam zeigte kürzlich, wie ein VW Phaeton innerhalb von drei Hundertstelsekunden seitlich um zehn Zentimeter angehoben werden kann, nachdem das Radar einen bevorstehenden Aufprall erkannt hat. Diese zehn Zentimeter bewirken, daß die Stoßstange nicht mehr auf die Tür, sondern auf den stabileren Bereich darunter trifft, was die Risiken für die Insassen deutlich mindert.

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