Sechs Vans gegen den Ford Galaxy

Sieben Vans im Vergleich Sieben Vans im Vergleich

Sieben Vans im Vergleich

— 07.07.2006

Wer packt's am besten?

Jedes Jahr der gleiche Stre: zuviel Gepck oder zu kleines Auto. Grand Voyager, Galaxy, Viano, Grandis, Grand Espace, Sharan und T5 im Vergleich.

Wer packt den riesigen Gepck-Berg?

"Papa, wann sind wir endlich da?" Tausendmal gehrt, tausendmal gesthnt. Bei kleinen Nrglern hilft die nchste CD von Bibi Blocksberg oder Tokio Hotel. Bei Sonnenbrand hilft eine Creme. Aber was hilft bei diesem Mount Everest an Urlaubsgepck? Koffer, Taschen, Kisten, Khlbox, Kinderrad, Blle, Helm, Decken, Tauchermaske und Alligator Felix wer packt das? Da hilft nur Platz. Viel Platz. Und deshalb ldt AUTO BILD zum groen Urlaubstest. Barbara (39), Stephan (39), Joshua (7) und Janin (3) packen fr uns sieben groe Vans und testen deren Vielseitigkeit. Was klappt wann, wo und wie nicht?

Eine ganz normale Familie. Stephan fhrt einen Passat Variant, der langsam berquillt, und schielt auf den Galaxy 2.0 TDCi. Ein frisches Gesicht, normale Klapptren und im langen Heck wahlweise sieben Sitze oder als Fnfsitzer mit 580 Liter Gepckraum. Ein modernes Raumtalent ist er geworden, der neue Ford. Vorn tiefe, feste Sitze wie im Pkw, dahinter whlen die Klner bei der Variabilitt den praktischen Mittelweg. Alle Sitze lassen sich verschieben, ruck, zuck umlegen, aber nicht ausbauen. Na und? Auch so erhlt man einen fast ebenen Ladeboden und maximal 2325 Liter Stauraum. Das Panoramadach (ab 765 Euro extra) mit den zerbrechlichen Ablagefchern heizt den Innenraum nur unntig auf, wir empfehlen statt dessen die Drei-Zonen-Klimaautomatik ab 1380 Euro, die den Fond separat khlt.

Modernster Konkurrent des Galaxy ist der Renault Grand Espace. Ein avantgardistisches Gewchshaus, das hinten eine neue Sitzmechanik bekommen hat. Fnf identische Einzelsitze flutschen auf langen Schienen in jede mgliche Position, nun endlich fllt deren Ausbau genauso leicht. Nur wohin damit? Man mu die 24-Kilo-Kltze rausschleppen und irgendwo lagern, gewinnt dafr bis zu 3050 Liter Gepckraum. Oder hinter der zweiten Reihe 750 Liter nur Fahrrad, Ball und Schwimmring unseres Gepckstapels bleiben drauen. Vorn thront Papa, umgeben von einer verglasten Kanzel, Anzeigen in der Mitte und jeder Menge rtselhaft verteilter Knpfe. Da gibt es immer wieder was zu entdecken Espace fahren ist irgendwie eine franzsische Glaubensfrage.

Von Hochdach-Kombi bis Kleintransporter

Die amerikanische Alternative heit Grand Voyager. Ein Van, so lang und luxuris und lssig wie das Land. Automatik, Audioanlage und jede Menge Cupholder sind selbstverstndlich, die beiden seitlichen Schiebetren ein Segen in jeder Parklcke. Nachteil: Die Kinder vermissen im Fond Seitenfenster zum ffnen. Zudem grassiert die alte, leidige Van-Krankheit. Der 5,10 Meter lange Voyager hat viel Platz (maximal 4550 Liter), aber nur kleine Pltzchen. Die hinteren Sthlchen reichen gerade fr Kinder, sie stehen zu flach am Boden. Nur auszuhalten, weil der Ami-Kreuzer mit seiner 2-2-3-Sitzordnung eine bequeme Luftigkeit bietet. Hinten pat alles hinein, bis auf Luftmatratze und den Alligator Felix. Das entspannt. Wie weit ist es bis Los Angeles?

Der Gegensatz heit Mitsubishi Grandis. 15 Zentimeter flacher, mehr Hochdach-Kombi als Van. Hinterm Steuer sitzt man fast sportlich. Im langen Heck zhlt Sitzkomfort mehr als Umbautalent. Die beiden dick gepolsterten, verschiebbaren Einzelsitze in Reihe zwei werden nur zusammengefaltet und hinter die Vordersitze geschoben. Reihe drei verschwindet mit einer allerdings genialen Mechanik im Boden. Fertig. Klar, da der Mitsubishi weniger Kofferraum (maximal 1545 Liter) hat als Stephans Passat.

Also doch VW Sharan? Der frhere Van-Bestseller spielt hier die Zwischengre. Kompakter und enger als der Ford Galaxy, variabler als der Mitsubishi. Joshua und Janin hocken im dreisitzigen Fond recht nahe am Fenster, also baut Papa Stephan den Fond flott zu zwei Einzelsitzen um. Breite Radksten schrnken den Gepckraum auf 710 Liter ein, das knnen moderne Vans besser.

Bei den modernen Vans klappt's leicht

"Jetzt ein Bully", sthnt Barbara mit Blick auf den Traum aller Kinderreichen: den VW Multivan. Ein kastiger Riese, der vor jedem Parkhaus Zweifel weckt: Passen seine 1,97 Meter Hhe ohne Kratzer da rein? Jedenfalls schluckt der Multivan klaglos unseren ganzen Kofferberg, wobei alle Insassen kniglich thronen. Nix Kindersthle, sondern breite, menschengerecht hohe Sitze, die selbst tausend Urlaubskilometer ertrglich gestalten. Nur: Von einem Van sollte VW nicht sprechen, wenn das Wort auch "flottes Umrumen" bedeuten soll. Denn der Ausbau aller Sitze ist ein verfluchter Kraftakt, der Fingerngel, Zeit und Nerven kostet. Wer damit mal 15 Minuten verbracht hat, tut es nie wieder. Schiebt nur die letzte Bank vor und geniet den Restplatz.

Kaum anders im Mercedes Viano 2.2 CDI Trend. Der ist mit seinen 4,99 Metern zehn Zentimeter lnger als der Multivan, dabei hnlich gerumig und hnlich kompliziert. Vier Einzelsitze im Fond knnten aus der Chefetage stammen. Ab Werk stehen sie in Konferenzstellung. Schner Teppich, schickes Dekor, Luftdsen hinten in diesem Auto holt das Grand Hotel wichtige Gste vom Flughafen ab. Aber wehe, Stephan will umbauen. Die Bedienungsanleitung lt die Hlle erahnen. "Drcken Sie Hebel B, ziehen an Griff A ..." Die Regale eines skandinavischen Mbelhauses sind leichter erbaut. Nein, das ist kein Van, sondern im Herzen ein Transporter, der hinterm Steuer Truckergefhle beschert. Das Lenkrad steht flach, der kurze Schalthebel wie ein Joystick im Cockpit.

Wie ein kleiner Laster benimmt sich der Viano. Der 2,2-Liter-Diesel brummt stndig durch den langen Kasten, das rumpelige Fahrwerk ist fhlbar fr schwere Lasten ausgelegt. Zudem sorgen Preise ab 35.612 Euro fr eine erhebliche Belastung des Familienetats. Zum sprichwrtlichen Apotheker-Preis kommt der Multivan fr 40.971 Euro. Der Fnfzylinder-TDI zieht krftiger und kultivierter als der Mercedes-Motor, doch vom langen Radstand des VW htten wir uns mehr Komfort versprochen. Stndig meldet die Federung Schlge und Ste, der Frontantrieb zerrt beim Beschleunigen in der Lenkung.

Nein, bei den Reisequalitten liegen "echte" Vans vorn. Schon Altmeister Sharan luft mit dem schwcheren 140-PS-TDI flotter und leiser als der Multivan, wenngleich sein Fahrwerk in die Jahre gekommen ist. Mit dem fast baugleichen Motor aus dem VW-Regal kommt der Mitsubishi erstaunlich gut klar und erreicht hohe Reiseschnitte. Da macht sich die kleinere Statur des Grandis bezahlt, der mit sparsamen 6,8 Liter Testverbrauch auch die Urlaubskasse schont.

Fazit und PDF-Download

Das Schnppchen im Vergleich kommt aus dem Dollar-Reich. Schon ab 30.990 Euro bietet der Chrysler sieben Sitze, Klimaanlage, vier Fensterheber und das patente Stow-'n'-go-System, das beide hinteren Sitzreihen im Boden versenkt. Das gute Preis-Platz-Verhltnis trstet ber schaukeliges Fahrverhalten (kein ESP), gefhllose Lenkung und mden 2,8-l-Diesel, dem eine Viergang-Automatik Kraft raubt, hinweg. Ein Riese zum Gleiten.

Ganz anders der Espace. Der Komfortmeister scheint ber Straen aller Art zu schweben. Dazu kommt der beste Diesel im Feld, ein traumhaft leiser und starker dCi. Wre nur nicht die gefhllose Lenkung, die aber eigentlich nicht strt, auer beim pltzlichen Ausweichmanver. Aber im Espace will man reisen, nicht rasen. Vielleicht Spa haben? Den trgt der Galaxy ins Blech geschrieben. Knackiges Fahrwerk, zielgenaue Lenkung und ein Diesel, der einfach nur da ist. Der Ford packt vielleicht nicht das ganze Gepck, dafr aber den Mann vorn: unseren Stephan.

Fazit von Joachim Staat und Dirk Branke: Groe Vans sterben aus, berflssig dank Zafira und Co? Von wegen! Der neue Galaxy beweist, da Siebensitzer fahraktiver werden, kostenbewut sind, Variabilitt und hohen Antriebskomfort bieten. Der Ford gewinnt berlegen vor dem komfortablen Renault, dem gnstigen Grandis und dem endlich gereiften Sharan. Der frhere Trendsetter Grand Voyager hinkt hinterher mangels Modellpflege. Multivan und Viano erfllen umfangreichere und teurere Wnsche. Ihr groer Punkteabstand zeigt: Raum ist nicht alles.
Den kompletten Test mit allen technischen Daten knnen Sie fr 1,00 Euro als PDF herunterladen.

Autoren: Dirk Branke, Joachim Staat, Andreas Borchmann

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