Sitzprobe Mercedes E-Klasse

— 20.01.2009

So viel Klasse hat die neue E-Klasse

Mercedes-Benz macht reinen Tisch: Die neue Mercedes E-Klasse mit der Werksbezeichnung W 212 soll sicherer, hochwertiger, kurz besser sein als der nicht immer glückliche Vorgänger. AUTO BILD steigt ein.



Die wahre Währung der Welt heißt Vertrauen. Ohne Glaubwürdigkeit läuft nichts. Bei keiner Bank, in keiner Partnerschaft. Nicht in Detroit, nicht in Tokio, auch nicht in Stuttgart. Wer wüsste das besser als Mercedes? Qualitätsprobleme und Elektronik-Eskapaden der E-Klasse haben das Vertrauen in den Stern einer harten Probe ausgesetzt. Die Wunden sind geheilt, Narben bleiben dennoch zurück. Jetzt startet die neue E-Klasse. Und mit ihr erste Gerüchte. Angeblich 25 Prozent soll die Baureihe W 212 günstiger herzustellen sein als der Vorgänger. Wo wurde da gespart? An der Sicherheit jedenfalls nicht. Nie zuvor wurde ein Mercedes mit mehr Sicherheits-Technik ausgestattet. Also wo dann?

Die E-Klasse Limousine ist der klassische Mercedes schlechthin

Entwicklungsvorstand Thomas Weber sagt, Mercedes konnte bei den Produktionskosten im zweistelligen Prozentbereich einsparen. Wirklich nur da? Ein chinesisches Sprichwort sagt: Einmal sehen ist besser als hundertmal hören. Also haben wir uns mit Mercedes-Chefdesigner Gorden Wagener die neue E-Klasse ganz genau angeschaut. Die Aufgabe, eine neue E-Klasse zu formen, gehört sicherlich zu den schwersten überhaupt. "Die E-Klasse ist unser Markenkern", bestätigt Wagener, "unser Herz, unsere DNA." Gerade die Limousine. Sie muss vom Bauern bis zum Banker allen gefallen. Sie darf modern sein, aber nicht modernistisch, traditionell, aber nicht retro.

In Rufweite hinter der Mode: Eine E-Klasse darf niemals modisch sein

Ein Mercedes darf nie nach Tagesapplaus gieren, eine E-Klasse schon gar nicht. Tut der W 212 auch nicht, wenngleich seine scharfen Sicken, die konvexen und konkaven Formen möglicherweise nicht jedem gefallen werden. Die hinteren dicken Pobacken indes haben Geschichte. Wagener: "Sie sind eine Reminiszenz an den Ponton-Mercedes von 1953." Und der schrieb nicht nur Design-Geschichte. Während Freunde der Marke bei der neuen Interpretation des Vieraugen-Gesichts kaum fremdeln dürften, werden die weit ums Heck gezogenen Rückleuchten die Gemeinde vermutlich teilen. Erste Reaktionen: zu beliebig, verwechselbar, nicht Mercedes-like. Wagener verteidigt sein leuchtendes Ende: "So wirkt das Auto breiter, die Überhänge nicht so voluminös." Wir werden uns daran gewöhnen.

Top-cW-Wert: 0,25

Auf jeden Fall steckt in der Karosserie Spannung. Sie steigt von vorn nach hinten an. Wagener sagt, das ganze Auto sitze auf der Hinterachse. Das verleiht der E-Klasse durchaus Dynamik und verhilft ihr zu einem überragenden cW-Wert von 0,25. Keine Oberklasse-Limousine schlüpft derzeit besser durch den Wind. Mit 4,87 Metern wächst die E-Klasse in der Länge zwar nur um einen Zentimeter, dennoch reist man deutlich bequemer. Weil der Radstand um zwei Zentimeter auf 2,87 Meter wächst. Und der Einstieg dank des hohen Dachs leichter fällt. Hinten sitzt man fürstlich. Kopf- und Beinfreiheit sind üppig. Absolutes Chefgefühl. Wem das nicht reicht, ein Tipp: Für China plant Mercedes eine Langversion.

Die Basis heißt ab sofort E-Klasse – ohne Classic

An der Basis streichen die Stuttgarter dagegen zumindest den Namenszusatz. Classic war gestern, die Basisversion heißt jetzt nur noch E-Klasse. Darüber rangieren wie gewohnt Elegance und Avantgarde. Den Elegance, den wir zur ersten Sitzprobe gewählt haben, erkennt der Kenner an dem Kühlergrill mit vier Lamellen, an den zwei runden Strahlern mit Tagfahr- und Nebellicht oder innen am Wurzelholz und der indirekten Ambiente-Beleuchtung von Cockpit und Türverkleidungen. Diese stilvolle Kaminatmosphäre gibt es schon in der S-Klasse. Sehr nobel. Ebenso die feine Haut der Armaturentafel. Jedenfalls im teuren Vorzeigestück, in dem wir heute sitzen. Denn hier ist sie mit Leder bespannt, hat edle Nähte und kostet ordentlich extra.

Serienmäßig: Willkommen-zu-Hause-Gefühl

Eleganter Auftritt: Die Elegance-Linie ist beim E 500 serienmäßig und kostet sonst 1922 Euro Aufpreis.

Eleganter Auftritt: Die Elegance-Linie ist beim E 500 serienmäßig und kostet sonst 1922 Euro Aufpreis.

In der Basis sieht das anders aus. Da wirkt der Kunststoff zwar eindeutig hochwertiger als in der diesbezüglich kritisierten C-Klasse, scheint aber zumindest optisch noch ein Quäntchen entfernt von einem neuen Maßstab. Immerhin: Die Narbung ist laut Mercedes-Wagener grundlegend geändert worden, die Farbe nicht mehr stumpf. Der Rest der neuen E-Klasse ist Mercedes pur. Dieses typische Willkommen-zu-Hause-Gefühl. Alles ist da, wo man es vermutet. Jeder Schalter, jeder Hebel, so soll es sein. Die Armturen sind schön gezeichnet, ganz ähnlich wie bei der C-Klasse, der Bildschirm fürs Navigationssystem sitzt – anders als beim Vorgänger – oben im Cockpit, die Bedieneinheit für die Klimaregelung dafür weiter unten.

Fürstliches Platzangebot und bequeme Sitze

Fürstlicher Fond: Hier sitzt man in der zweiten Reihe echt erstklassig, große Türausschnitte erleichtern den Einstieg.

Fürstlicher Fond: Hier sitzt man in der zweiten Reihe echt erstklassig, große Türausschnitte erleichtern den Einstieg.

Am Ende noch ein kleines Leckerli aus der Pressemappe. Alle E-Klassen verfügen jetzt über "gefüllte Sitzpfeifen". Eine mehr oder weniger kreative Wortschöpfung, die nicht etwa exotische Rauchwaren beschreibt, sondern zusätzliche Schaumfüllungen für die Sitze. Wie sich das genau anfühlt, werden wir in ein paar Wochen wissen, wenn die ersten Testfahrten mit dem W 212 anstehen. Dass die E-Klasse dann beim Komfort besonders punkten wird, darauf vertrauen wir ganz einfach mal.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Tomas Hirschberger

Eine neue E-Klasse ist immer ein bedeutender Schritt. Denn er zeigt, wofür Mercedes steht und was die Marke kann. Sicherheit und Wohlfühlkomfort an Bord liegen auf dem gewohnt hohen Niveau der Stuttgarter, das Design beweist erfreuliche Eigenständigkeit – ob man es nun mag oder nicht. Die gefühlte Qualität des Innenraums ist okay, einen neuen Maßstab indes setzt sie nicht – zumindest nicht in der Basisversion, die nicht mehr Classic heißt, sondern schlicht E-Klasse.

"An nichts gespart": Interview mit Daimler-Chef Dieter Zetsche (55)

• Qualitätsprobleme der aktuellen E-Klasse haben am Image von Mercedes genagt. Wie wollen Sie das Vertrauen zurückgewinnen? Das haben wir mit dem aktuellen Modell bereits getan. Für die neue E-Klasse haben wir uns vorgenommen, diese Position vom Start weg zu halten oder sogar noch weiter auszubauen.

• Es gab massive Kritik an Innenraum-Materialien der C-Klasse. Wiederholt die E-Klasse diesen Fehler? Wird hier gespart, wenn ja, wo?
Die neue E-Klasse wird das sicherste und komfortabelste Automobil ihrer Klasse sein – hier wurde an nichts gespart.

• Was macht Sie an der neuen E-Klasse besonders stolz? Kein anderes Fahrzeug dieses Segments wartet mit so vielen Sicherheitssystemen auf. Nur in einem Punkt bietet die neue E-Klasse deutlich weniger:beim Verbrauch.

• Wann ziehen aktuelle Spritspar-Techniken wie Start-Stopp-Automatik, Hybrid oder E-Antrieb ein? Alle Vier- und Sechszylinder-Benziner arbeiten mit Direkteinspritzung und verbrauchen bis zu 23 Prozent weniger als ihre Vorgänger. Unser Eco-Start-Stopp ist beim E 250 CGI Direkteinspritzer mit Schaltgetriebe serienmäßig an Bord. Auch eine Hybridversion der E-Klasse haben wir in der Pipeline.

Mercedes-Benz E-Klasse (Typ W 212): PDF-Dossier auf 43 Seiten

Das Mercedes-Benz E-Klasse-Dossier enthält viele Versionen, Ausstattungen, Motoren und alle Erfahrungen und Testergebnisse, die wir mit dem Benz in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Jetzt als PDF downloaden.

Veröffentlicht:

28.12.2011

Preis:

2,99 €

Autor: Tomas Hirschberger

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