Sitztest Porsche Panamera 4S — 16.02.2009
Die neue Businessclass von Porsche
Volle Fahrt voraus: Der Panamera ist ein Porsche, wie es ihn noch nie gab. Gemeinsam mit Chefdesigner Michael Mauer hat AUTO BILD schon mal im sportlichen Viertürer Platz genommen.
Der Panamera soll SUV-Umsteiger und S-Klasse-Kunden begeistern
Doch nun soll die Zeit reif sein für die erste Businessclass aus Zuffenhausen. Und wer Porsche-Boss Wendelin Wiedeking kennt ("Ich bin nicht geizig, nur sparsam"), weiß, dass dieser Schritt kein wirtschaftlicher Amoklauf wird. 20.000 Panamera sollen ab September 2009 in Leipzig vom Band laufen. Und auch verkauft werden. Zu über 80 Prozent an Nicht-Porsche-Fahrer und an "Menschen, die aus Sozialdruck das Segment wechseln müssen". Übersetzt: Fahrer, die sich im dicken Super-SUV nicht mehr wohl fühlen, darunter sicher auch einige Cayenne-Absteiger. Porsche will also in vielen Teichen Kunden fischen. "Unsere Konkurrenten heißen S-Klasse, A8 und 7er, aber auch Aston Martin Rapide oder Maserati Quattroporte", erklärt Michael Mauer beim ersten Panamera-Schnuppertest unter freiem Himmel. Er hat sein Baby in der Lieblingsfarbe mitgebracht: Yachting Blue. Innenraum hellbeige, fast weiß. Das Schnellboot steht auf mächtigen 20-Zöllern, besohlt mit fetten 295er-Gummis. "So muss er aussehen", schnalzt Mauer ganz verzückt und impft mir gleich mal zum Mitschreiben die tragenden Panamera-Säulen ein.
Man kann sich nur schwer der Faszination des Panamera entziehen
Wir sprechen über die coupéhafte Silhouette, die entkoppelte Dachlinie, die typischen Kotflügel, die – natürlich – höher sitzen als die Haube. Und er verweist auf die sinnliche Wölbung der langen Schnauze, die zeigen soll, "wo das Herz des Autos sitzt". Spricht von Marken- und Produktidentität, dem eigenen Charakter des Autos, geprägt von den Scheinwerfern und, na klar, dem knackigen Lopez-Hintern, bei dem er sich ein wenig von den verschwenderischen Formen des Jaguar E-Type 2+2 hat verführen lassen. Ich stehe dabei und denke nur: Was für ein Tier! Nicht der Mauer, dieser Fast-Fünf-Meter-Schlitten natürlich. Ist der breit. Ist der fett. Ist der gut? Ja, mal ehrlich: Gefällt der mir eigentlich? Ist der schön oder nur ein unförmiger Elfer? Süßsaure Gurke oder Edelmarzipan? Er ist halt kein Elfer. Und diese Schere haben wir alle im Kopf. Okay: Man muss den Panamera nicht mögen, auch nicht elegant finden, aber es ist verdammt schwer, sich seiner Faszination zu entziehen. Er ist ein blechgewordenes Statement made in Germany. Punkt.Vor allem wenn sich der Muskelberg in Bewegung setzt. Ja, der Panamera muss fahren, röhren, seine ganze Potenz in den Asphalt fräsen. Dann ist da nur noch Dynamik. Porsche eben. Fahrdynamisch, sagen sie, soll er ganz nah am Elfer sein. Schwer zu glauben, bei einem Radstand, der deutlich länger ist als ein ganzer Smart. Immerhin sitzt der Fahrer fast in der Mitte des Autos – und gut ein paar Zentimeter tiefer als in einer Normalo-Limousine. Beim Einsteigen wird deutlich, dass hier für vieles Platz war, bloß nicht für Kompromisse. Vier Einzelsitze, alle sportlich ausgeformt, vorn typisches Porsche-Cockpit mit zentralem Drehzahlmesser, Zündschlüssel links, die Armaturen als höchsten Punkt. Die ansteigende Mittelkonsole macht sich bis in den Fond breit und erinnert an den Carrera GT. Obendrauf keine zentrale Bedieneinheit à la iDrive, sondern eine stattliche Sammlung von Knöpfen. Gut 20, oder mehr. "Porsche-Philosophie", sagt Mauer, "jede Funktion muss direkt anwählbar sein." Find ich gut. Vor allem die Motorsound-Taste. Sie steuert eine Klappe im Abgasstrang und verändert den Zündzeitpunkt. So brüllt das Raubtier mal böse und mal so richtig mies gelaunt. Eine herrliche Spielerei.
In Reihe zwei wundert man sich über das üppige Platzangebot
Damit ist dieser Porsche ein Solist in der Welt der erdgebundenen Businessclass. Der Schnellste sowieso. Über 300 rennt der Turbo. Wie scharf Porsche auf die Limousinen-Luxusliga zielt, zeigt letzlich der Preis. Der Basis-Panamera V6 mit 300 PS soll unter 75.000 Euro kosten. Damit unterbietet er klar den Elfer und auch deutlich die S-Klasse. Aber schlüpft ein klassischer Doppelreiher-Träger wirklich noch mal in ein Sportsakko?
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Tomas Hirschberger
Der Panamera läutet eine neue Zeitrechnung ein. Ist das noch ein Porsche? Na klar! Viel mehr als der übergewichtige Cayenne. Nicht jeder wird den Viertürer schön finden, dafür haben wir alle zu sehr die 911er-Schere im Kopf. Aber als sportliche Alternative zu all den Luxusschlitten wird der Panamera seinen Weg machen – und wohl auch allen gnadenlos um die Ohren fahren. Wir sind gespannt.
| Technische Daten Porsche Panamera* | |||
|---|---|---|---|
| Typ | Panamera S | Panamera 4S | Panamera Turbo |
| Motor | V8 | V8 | V8, Biturbo |
| Antrieb | Hinterrad | Allrad | Allrad |
| Leergewicht | 1770 kg | 1860 kg | 1970 kg |
| Hubraum | 4806 cm³ | 4806 cm³ | 4806 cm3 |
| kW (PS) bei 1/min | 294 (400)/6500 | 294 (400)/6500 | 368 (500)/6000 |
| Nm bei 1/min | 500 Nm/3500–5000 | 500 Nm/3500–5000 | 700–770 Nm/2250–4500 |
| 0–100 km/h | 5,6 (5,4) s | 5,0 s | 4,2 s |
| Vmax | 285 (283) km/h | 282 km/h | 303 km/h |
| Verbrauch (EU-Mix) | 12,5 l (10,8)/100 km | 11,1 l/100 km | 12,2 l/100 km |
| CO2-Emission | 293 (253) g/km | 260 g/km | 286 g/km |
| Preis | 94.575 Euro | 102.251 Euro | 135.154 Euro |
| * Panamera S, serienmäßig mit 6-Gang-Handschaltung; Panamera 4S und Turbo, serienmäßig mit 7-Gang-Doppel-Getriebe (PDK), Werte in Klammern für PDK-Getriebe | |||
































