Skoda Fabia S2000: Tracktest

Skoda Fabia S2000: Tracktest

— 06.07.2010

Das drift sich gut

Den von Mark Wallenwein gefahrenen Skoda Fabia S2000 durften wir gleich im Anschluss an die Rallye Hessen auf einer noch abgesperrten Prüfung testen. Dabei überraschte der Tscheche vor allem mit seiner Leichtfüßigkeit.

Auf dreibeinigen Stahlböcken schwebt der Skoda Fabia S2000 von Mark Wallenwein über einer Plane im Service-Park. Zwei Mechaniker wechseln die Reifen. Ein Blick ins vordere linke Radhaus genügt, um mir klar darüber zu werden, welche Auswüchse der tschechische Kleinwagen als Rallye-Ableger angenommen hat. Die riesige Bremsscheibe mit 35 Zentimetern Durchmesser fällt sofort ins Auge. Beim Pizza-Bäcker um die Ecke gelten 32 Zentimeter ja schon als groß! "Wir fahren die gleichen Bremsen, die auch bei World Rallye Cars zum Einsatz kommen", erklärt mir der 23-jährige Wallenwein.

Nachrichten aus dem Rallyesport

Auf den Spuren der Rallye Hessen: Der Tracktest findet auf einer abgesperrten Wertungsprüfung nahe des Rallyezentrums Schlitz statt.

Dem jungen Stuttgarter, der in dieser Saison zum ersten Mal ein Gefährt dieses Kalibers in der Deutschen Rallye Meisterschaft (DRM) pilotiert, ist seine anhaltende Begeisterung in jedem Satz anzuhören. "Dadurch, dass unser Auto sogar noch weniger wiegt, müssten wir beim Bremsen besser sein", mutmaßt er mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. Während ich mich noch frage, wa­rum sich das armdicke Federbein im schrägen Winkel nach vorne neigt, hat der von der ADAC Stiftung Sport unterstützte Youngster gleich die Erklärung parat: "Das technische Reglement schreibt eine bestimmte Bodenfreiheit vor. Um dennoch möglichst lange Federwege zu ermöglichen, sind Dämpfer und Feder schräg gestellt worden."

Tracktestarchiv: Alle Tracktests von AUTO BILD MOTORSPORT

Erst der Lehrer, dann der Schüler: Rallye-Profi Wallenwein (l.) zeigt Redakteur Westerhoff wie man kontrolliert über den Schotter hetzt.

Wenig später biegt Wallenwein vom Zentrum der Hessen-Rallye, dem beschaulichen Örtchen Schlitz, hinter einer Pferdekoppel in einen Feldweg ein. Es ist Montag, der Tag nach dem Wettbewerb. Doch überall hängt noch rot-weißes Flatterband, stehen Helfer. "Das hier war eine unserer Wertungsprüfungen", deutet er. Ich presse meine Füße gegen die Metallkonsole im Beifahrer-Fußraum. Muss aufpassen, dass ich die Knöpfe für Wischer und Hupe dabei nicht berühre. Mark lässt es mächtig fliegen. Mir flößt das Respekt ein. Viel Respekt. Denn bisher bin ich in meinem Leben ausschließlich auf Rundstrecken gefahren.

Dann ist der ABMS-Autor dran

Mark schnallt sich los. "Jetzt bist du dran!" Drei Minuten später lasse ich mit viel Drehzahl die Kupplung kommen. Ruck-zuck dreht der Motor hoch. Im Sekundentakt ziehe ich am schwarzen Schalthebel. Mit einem giftigen Knall aus dem Auspuff springen die roten Ziffern auf dem großen Display um, zeigen mir den aktuell eingelegten Gang. Ein Griff rechts rüber zum Handbremshebel. Der ist gar nicht feststellbar. Gut so – denn er soll ja auch nur den Impuls zum Driften geben. In der Spitzkehre rutscht das Heck raus. Herumliegende Steine prasseln dumpf in den vorderen Radhäusern. Die Hinterreifen sind schon aufs Gras, Richtung Graben unterwegs.

Mit kontrollierten Gasstößen wird das Heck wieder eingefangen

Fingerspitzengefühl gefragt: Einmal kurz die Handbremse gezogen, schon kommt das Heck. Ein kräfter Gasstoß korrigiert den Pendler.

Sofort aufs Gas! Fast spielerisch zieht sich der Fabia mit allen vieren wieder gerade. Die maximal 270 PS des 2,0-Liter-Saugmotors und der Allradantrieb halten ihn stoisch auf dem schmalen Feldweg.
"So, das geht beim nächsten Mal auch mit der Hälfte von deinem Bremsweg", knistert Marks Stimme durch die Gegensprechanlage. Danke, mir reicht das. Wallenwein und Copilot Stefan Kopczyk brauchen ihren Fabia schließlich noch unversehrt, um die letzten beiden Läufe der Deutschen Rallye Meisterschaft in Angriff zu nehmen.

Technische Daten Skoda Fabia S2000
Motor Reihen-Vierzylinder
Einbaulage vorne quer
Hubraum 1996 cm3
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
PS bei U/min 270/8000
Literleistung 132,8 PS/Liter
Nm bei U/min 250/7250
Antriebsart Allrad
Getriebe 6-Gang sequenziell
Reifen vorn / hinten 225/40 R 18 (Asphalt)
Reifentyp BF Goodrich (Asph./Schotter)
Länge/Breite/Höhe 3972/1798/k. A. mm
Radstand 2486 mm
Leergewicht 1200 kg ohne Fahrer
Leistungsgewicht 4,8 kg/PS*
Tankvolumen 70 l
Kraftstoffsorte Super Plus (100 Oktan)
Messwerte Skoda Fabia S2000
Beschleunigung 0–100 km/h < 6 Sekunden
Beschleunigung 0–200 km/h entfällt
Bremsweg von 100–0 km/h k. A.
Höchstgeschwindigkeit 184 km/h
Fahrzeugpreis inkl. MwSt. auf Anfrage
Autor:

Martin Westerhoff

Fazit

Der Skoda Fabia S2000 ist giftig und gutmütig zugleich. Unerfahrene Piloten überrascht, wie präzise und fast spielerisch das Auto auf losem Untergrund zu bewegen ist. Noch mehr fasziniert allerdings, wo bei Profi Wallenwein die wahren Grenzen liegen.

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