Turbo-Vergleich Superb 1.8 gegen Passat 5V

Skoda Superb 1.8 T Skoda Superb 1.8 T

Skoda Superb 1.8 T gegen VW Passat 5V Turbo

— 19.03.2002

Baut Skoda den besseren Passat?

Das riecht nach Ärger. Der neue Passat-Bruder Superb ist nicht nur größer und besser ausgestattet, sondern auch preiswerter.

Platz satt beim Skoda

Das große L am Heck vom Siebener-BMW oder von der Mercedes S-Klasse signalisiert: Hier fährt Luxus vor. Die Lang-Version für Musiker, Monarchen und Menschen mit Moneten. So einen Nobel-Lulatsch gibt es jetzt auch im bürgerlichen Lager. Der heißt Skoda Superb und ist der tschechische Bruder des VW Passat. Im Vergleich zu dem hat der Superb zehn Zentimeter mehr Radstand und zehn Zentimeter mehr Gesamtlänge. Davon ist auf den ersten Blick kaum etwas zu erkennen. Wer nicht direkt von vorn oder hinten schaut, könnte beide glatt verwechseln. Die gleichen Linien, die gleiche Silhouette. Nur die hinteren Türen des Skoda sind ein Stück länger.

Das macht neugierig - und lässt mich zielstrebig zunächst mal hinten einsteigen. Donnerwetter, ist das ein Palast. Wer hier aneckt, muss schon Basketball-Profi sein. Ich jedenfalls (1,80 Meter) fühle mich hier hinten wie Graf Koks. Kann meine Beine ausstrecken, übereinander schlagen und habe kaum eine Chance, meine Knie in die Sitzlehne des Vordermanns zu drücken. Der Superb besitzt mehr Beinfreiheit als eine Mercedes S-Klasse in der Normalversion.

Es ist aber nicht nur das Platzangebot, das den Superb zu einem bemerkenswerten Auto macht. Die Tschechen haben die gleichen Qualitäts-Standards zu erfüllen wie ihre Kollegen in Wolfsburg. Und sie tun es. Anmutung, Materialauswahl, Verarbeitung: Das ist alles vom Feinsten - und kein bisschen schlechter als beim Passat.

Passat mit mehr Temperament

Manches gefällt sogar besser. So die Platzierung des Schalters für die Warnblinkanlage zwischen den Luftaustritten über der Mittelkonsole. Da findet ihn auch der Beifahrer. Im Passat versteckt sich dieser Schalter hinter dem Handy-Halter. Schöner finde ich auch die brünierten Randstreifen um die Frischluftausströmer, die diffuse Innenraumbeleuchtung nach Audi-Art oder die Skalierung der Instrumente. Am meisten stört mich im Passat die blaue Instrumenten-Beleuchtung bei Dunkelheit. So ein Disco-Effekt passt eher zu einem Sportwagen als zu einer gestandenen Familien-Limousine.

Den Schuss Sportlichkeit, den sich auch Familienväter ab und zu wünschen, erfüllt der Vierzylinder-Turbomotor. Für diesen Vergleich haben wir beide Limousinen mit dem gleichen 150-PS-Motor gewählt. Dazu besitzen beide identische Getriebe sowie Achsübersetzungen. Das war es aber auch schon an Gemeinsamkeiten. Denn im Passat entwickelt der Fünfventilmotor spürbar mehr Temperament. Er reagiert spontaner aufs Gas, dreht williger hoch, verhilft dem VW zu flotteren Fahrleistungen.

Irgendwie erinnert der Passat an einen Jung-Manager, der schon Nadelstreifen trägt, aber aus purer Lebensfreude manchmal noch über Zäune springt. Ganz anders der Superb. Der Nadelstreifenanzug zeigt längst Wirkung. Der gleiche Motor benimmt sich hier weniger dynamisch, tritt langsamer an, wirkt irgendwie gesetzter. Ein Phänomen, das sich mit dem Gewichtsunterschied (der Skoda wiegt 50 Kilo mehr) allein nicht erklären lässt; ist es heute doch so einfach, mit Hilfe der Elektronik den Charakter eines Motors zu verändern.

Alles eine Frage der Dynamik

Das forsche Auftreten eines Jungdynamikers zeigt der Passat auch im Fahrverhalten. Wegen der leichtgängigen Lenkung schießt man schon mal übers Ziel hinaus. Man lenkt stärker ein als nötig, muss deshalb korrigieren. Der sicheren Straßenlage schadet es nicht. Der Handlichkeit auch nicht.

Wegen des längeren Radstandes ist der Skoda nicht ganz so agil im Fahrverhalten. Dafür ist seine Lenkung straffer und damit direkter ausgelegt. Straff hat Skoda auch die Federung abgestimmt. Zu straff. Bei Querfugen, Gullydeckeln, kurzen Wellen bietet der Passat mehr Fahrkomfort. Völlig unnötig, dass Skoda in diesem Punkt hinterherfährt. Oder sollte das etwa Absicht sein?

Scheinbar im Vorteil scheint VW auch beim Preis zu sein. Mit Comfortline-Ausstattung kostet der Passat 25.225 Euro. Skoda verlangt für die Comfort-Version des Superb 26.690 Euro. Doch Comfortline heißt nicht gleichzeitig Comfort. Dem Passat fehlen 16-Zoll-Aluräder, Bordcomputer, Nebelleuchten, Radio, dritte Kopfstütze und dritter Dreipunktgurt im Fond sowie die Automatik für die Klimaanlage. All diese Dinge besitzt der Superb von Haus aus. Mit gleicher Ausstattung kostet der Passat plötzlich 28.142 Euro - 1452 Euro mehr als die tschechische Kingsize-Variante. So ist der Skoda auf den zweiten Blick das preiswertere Auto. Das größere ohnehin. Bei Motor und Fahrkomfort hapert es aber noch. Und deshalb baut Skoda eben nicht den besseren Passat. Noch nicht.

Fazit und Zeugnis

Fazit Gerade mal fünf Punkte hinter dem Passat: Skoda kann wirklich stolz sein auf den Superb. Er ist ein gelungenes Auto, das Maßstäbe in puncto Platzangebot setzt. Unverständlich allerdings, dass die Fahrwerkabstimmung so straff und damit zu sportlich geriet. Und auch bei der Preisgestaltung können wir nicht ganz folgen. Aber vielleicht möchte VW seine schöne Tochter ja bewusst auf Distanz halten...

Technische Daten und Ausstattung

Identische Motoren, gleiche Übersetzungen, trotzdem unterschiedliche Fahrleistungen.

Preise und Kosten

Die Zeiten ändern sich: Der VW Passat kostet 1465 Euro weniger als der Skoda Superb. Die bietet allerdings die bessere Serienausstattung.

Punktetabelle

Sie setzen andere Prioritäten? Lassen Sie die Wertungen weg, die Ihnen unwichtig erscheinen. Und ermitteln Sie so Ihren Sieger.

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