Skoda Superb gegen Volvo S80 und Peugeot 607

Skoda Superb gegen Volvo S80 und Peugeot 607 Skoda Superb gegen Volvo S80 und Peugeot 607

Skoda Superb gegen Volvo S80 und Peugeot 607

— 04.07.2002

Mit dem Superb sollten Sie rechnen

Tscheche, Schwede und Franzose: alle mit dem Anspruch, Klassenbester zu sein. Doch nur einer dieser 200-PS-Luxuswagen kann es werden.

Wie schnell Skoda die Image-Kurve gekriegt hat, dürfte noch Generationen von Marketing-Experten beschäftigen. Parkten die Tschechen zu Vor-Wende-Zeiten imagemäßig noch irgendwo zwischen Lada und Lastwagen, genießen sie heute den Ruf des erfolgreichen Emporkömmlings. Durchaus legitim also, oberhalb des Octavia den noblen Superb zu platzieren. Die zweite automobile Amts-Anmaßung stellt der 2,8-Liter-V6 dar. Mit ihm kratzt Skoda frech an der prestigeträchtigen Dreilitergrenze. Ja, aber, werden Kenner nun einwenden, der Superb ist doch nur ein verlängerter VW Passat, dem der geflügelte Pfeil angeklebt wurde. Na und?

Skoda macht's wie Aldi

Stolzer Auftritt: Von Skoda Superb über Volvo S80 zu Peugeot 607 – von schlicht und konservativ bis hin zu modischem Frankreich-Design.

Aldi arbeitet schließlich nach dem gleichen Prinzip – und zwar mit großem Erfolg. Da steht auch nicht Yes-Torti drauf, obwohl die Leckerei drin ist. Qualität ist also schon mal garantiert. Beim Superb zudem auch Tiefstapelei. Mit einer Breite von 1,77 Metern ist er der Schmalste in diesem Trio. Optisch machen ihn die hohen Heckleuchten noch schlanker, sodass er von hinten trotz fetter 17-Zoll-Alus wie ein biederer Bora aussieht. Peugeot 607 und Volvo S80 stehen da schon stämmiger auf ihren 16-Zöllern. Peugeot übernimmt mit seinem markanten Löwengesicht und 1,8 Meter Breite den modischen Part in diesem Vergleich, Volvo gibt mit 1,83 Metern den mächtig unterkühlten Wikinger.

Ohne ESP kann es heikel werden

Alle drei Testwagen lassen sich von hochmodernen und rund 200 PS starken Sechszylindern ziehen, die zur größtmöglichen Schonung der Fahrer noch ein Automatikgetriebe besitzen. Wobei hier der Volvo auf- und wieder abfällt: Er hat als Einziger noch einen herrlich laufruhigen Reihensechszylinder, der dank seiner Drehfreude zum Handschalten reizt. Wer dann per serienmäßige Geartronic ins Geschehen eingreifen will, muss den griffigen Hebel aber etwas unlogisch um die Ecken zwängen. Die Konkurrenten machen das besser.

Also lassen wir die Hände am Lenkrad, genießen das Fahrgefühl in den 4,8 Meter langen Luxuslimousinen. Beim Temperament gewinnt erstaunlicherweise der Volvo. Obwohl mit 1635 Kilo Schwerster im Trio, liegt er in allen Beschleunigungswerten vorn. Erst auf langer freier Autobahn muss er seine mit 232 km/h genau sieben Sachen schnelleren Kollegen von dannen ziehen lassen. Wobei sich hier wieder mal eindrucksvoll zeigt, wie perfekt Autos heute verarbeitet sind. Die Motoren sind akustisch kaum noch präsent, die Fahrtwindgeräusche so gering, dass manche Insassen sich schon über das Säuseln der eingeschalteten Wischer beschweren.

So schnell steigen eben unsere Ansprüche, die man in dieser Preisklasse aber auch ruhig stellen darf. So verwöhnen die drei mit üppigen Platzverhältnissen auf allen vier Sesseln. Vom fünften sollten wir uns mal verabschieden. Der taugt – obwohl heute fast überall mit Dreipunktgurt und Kopfstütze versehen – wirklich nur auf Kurzstrecken. Auch sollten wir den Schalter der Antischleuderelektronik ESP nie berühren. Sonst werden die lammfrommen 607 und S80 zu giftigen Heckschleudern, sobald bei schneller Kurvenfahrt das Gaspedal gelupft oder die Bremse getreten wird.

Feine Extras fürs gewisse Etwas

Es scheint, als ob die Elektronik Konstruktionsschwächen verdecken muss. Der Skoda beispielsweise braucht sein ESP erst im äußersten Grenzbereich also fast nie. So gut ist sein Fahrwerk abgestimmt, seine Bremse übrigens auch. Kurzum: In dieser Dynamik-Wertung ist der Superb der Sicherste. Der Peugeot fällt leicht ab, weil es der Lenkung an Präzision fehlt, sich die Bremse schlecht dosieren lässt. Der Volvo verblüfft mit endlich verbesserter Lenkung, dafür ist sein Fahrwerk immer noch amerikanisch-schwammig ausgelegt.

Über Extras wie elektrische Helferlein oder gar Lederluxus (Ausnahme Skoda) redet in dieser Klasse keiner mehr – sie gehören einfach dazu. Wobei es schon verwundert, dass Skoda als Einziger auch für die Kopfairbags Aufpreis verlangt. Der nette Gag mit dem serienmäßigen Regenschirm in der hinteren linken Türverkleidung kann das nicht ausgleichen. Und das originelle "Footboard", bei dem der Chef im Fond die Füße durch die Lehne des Beifahrersitzes stecken kann, ist leider noch nicht lieferbar. Aber auch dass Volvo dem Fahrer einen Regensensor für den Wischer und dem Beifahrer eine elektrische Sitzverstellung vorenthält, kann nur als Rotstift-Rüpelei gelten. Zum Trost: Das Telefon gibt es ab Werk, bei Peugeot und Skoda kostet es Aufpreis.

Doch bleiben wir auf dem Teppich, genauer: auf der Kofferraummatte. Mit 460 bis 481 Liter Fassungsvermögen können die Rimowa-Räumlichkeiten nahezu gleich viel Gepäck aufnehmen. Beim Skoda lassen sie sich um einen knappen Skisack erweitern, Peugeot und Volvo bieten dank umklappbarer Rücksitzlehnen im Schwertransportfall fast schon Kombi-Qualitäten. Wobei der Volvo vernünftig klappt: Weil der dritte Mann sich aus Platzgründen meist hinter den Beifahrer hockt, sollte diese Seite bei uns stets die breitere und damit deutlich bequemere sein. Über die Peugeot-Aufteilung werden sich dagegen die Engländer freuen. Ganz kontinental-bodenständiger Frohsinn kommt letztlich beim Blick in die Preisliste auf. Rund 5000 Euro, für alte Mark-Merker also knapp 10.000 Mark, trennen den Superb von seinen beiden Konkurrenten. Der Erfolg scheint somit programmiert – was wiederum dem Image einen Schub verpasst.

Preise und Technische Daten

Die Test-Wagen lassen sich von rund 200 PS starken Sechszylindern ziehen und verfügen über Automatikgetriebe. Auch die Fahrleistungen sind fast identisch. Nicht aber die Preise: Der Skoda ist rund 5000 Euro günstiger als die Konkurrenten.

Wertung und Endergebnis

Wir orientiern uns am Maßstab. Heißt: Das jewils meistverkaufte Modell in Deutschland markiert in jedem Kapitel 100 Prozent. Für diesen Vergleich bedeutet das: Maß der Dinge ist der Volvo S80, der in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 1613 Käufer fand. Der Superb fährt mit 1320 Einheiten knapp dahinter, Peugeot kommt auf 812 Einheiten. In den jeweiligen Kapiteln zeigt sich prozentual, wie die Konkurrenten abschneiden.





Diether Rodatz, Testredakteur: "Mit diesem Ergebnis kann ich sehr gut leben. Da ist der sportliche Skoda, trotz des großen Fonds wird hier jeder Chef das Steuer selber in die Hand nehmen wollen. Dort ist der Volvo, wegen sanfter Abstimmung ein Auto zum Geradeausfahren auf guten Straßen. Der Peugeot ist im Trio der Ausgeglichenste. Noch eins sei betont: Es gibt keine schlechten Autos mehr. Es gibt den Preis, der sehr stark zählt. Es gibt das Image, das jeder für sich selbst abwägen muss. Und es gibt einen ganz simplen Grund: Wo ist der nächste Betrieb meiner Marke? Denn zum Kundendienst will kein Mensch meilenweit fahren."

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