Skoda Yeti gegen VW Tiguan

Skoda Yeti gegen VW Tiguan

— 31.07.2009

Das Bruder-Duell

Skoda erobert neues Gelände. Mit dem Yeti machen die Tschechen jetzt auch Bestseller VW Tiguan das Leben schwer. Wie schwer, das zeigt der Vergleich der beiden – mit 2.0 TDI mit Allrad-Antrieb.

Reinhold Messner will ihn gesehen haben. Zweifler ätzen, der Bergsteiger habe unter Sauerstoffmangel halluziniert. Doch jetzt hat das ewige Hickhack um den Yeti ein Ende: Ja, er lebt. Er kommt aus Böhmen. Sein Vorname lautet Skoda. Und er ist sogar käuflich. Für nur 17.990 Euro! Das ist der Kampfpreis für den 105-PS-Yeti mit Frontantrieb. Für die Kohle gibt's nicht mal einen gleich starken Golf mit drei Türen. Doch die Sache hat gleich mehrere Haken: Erstens kommt das günstige Einstiegsmodell erst nächstes Jahr. Zweitens kostet die hier getestete 4x4-Version mit 140-PS-Dieselmotor fast 10.000 Euro mehr. Auf seinem Preisschild stehen 27.850 Euro – echte Schnäppchen sehen anders aus. Oder doch nicht? Man kann die Sache auch anders sehen. Dann, wenn der Neuling neben dem SUV-Marktführer steht. Der heißt Tiguan, kommt von Konzernmutter VW und kostet mit identischem Motor, Allradsystem, DCC sowie 18-Zoll-Rädern rund 4300 Euro mehr als der Skoda. Warum also noch den Volkswagen kaufen?

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Der Yeti wirkt kantiger und etwas rustikaler als der Tiguan, aber nicht schroff.

Eine sehr berechtigte Frage. Der Yeti wirkt kantiger und etwas rustikaler als der Tiguan, aber nicht schroff. Der Typ verzichtet auf Premium-Effekte und modische Details. Er wirkt dadurch nicht weniger glaubhaft. Eine ehrliche Haut eben. Nur seine 225er-Reifen scheinen in den großen, mit kräftigen Wülsten modellierten Radkästen verloren zu gehen. Und das, obwohl der Testwagen bereits mit 17-Zöllern kam. Die gibt's ab 260 Euro extra. Wie wird da der Yeti erst mit den serienmäßigen 16-Zoll-Rädern aussehen? Dabei ist der Skoda fast sieben Zentimeter kürzer als der VW. Das sowie sein erheblich kleinerer Wendekreis helfen beim Einparken. Klasse, wie er durch enge Straßen kurvt – ein talentiertes Großstadt-Auto. Trotz der kompakten Karosserie bietet er innen ähnlich viel Platz wie der VW. Dank gerader Fensterflächen, schmalerer D-Säule und feingliedrigerer Cockpitgestaltung wirkt der Yeti zudem luftiger und punktet mit besserer Rundumsicht.

Im Gelände liegen die beiden Konkurrenten auf demselben Niveau

Offroad: Abseits befestigter Straßen zeigen Tiguan und Yeti ähnliche Talente.

Aber: 470 statt 405 Liter Volumen sprechen für den glattflächigen Tiguan-Kofferraum. Allerdings nur, solange die Rückbank nicht umgeklappt wird. Außerdem lassen sich beim Yeti alle drei Rücksitze einzeln ausbauen und schaffen so Platz für bis zu 1760 Liter – ein klares Plus an Variabilität und Transportkapazität für den Skoda. Im Fond sind seine Sitze dafür eine Nuance knapper geschnitten. Außerdem lassen sich die Seitenfenster – wie im VW möglich – nicht komplett absenken. Nur ein kleiner Schönheitsfehler. Denn der Qualitätseindruck ist so solide, dass der Skoda fast das begehrte VW-Niveau erreicht. In der Sicherheitsausstattung ist das Ost-SUV sogar besser – und bietet neben Front-, Seiten- und Kopfairbags zusätzlich einen Luftsack für die Knie. Durch seine kantige Erscheinung vermittelt er aus jedem Blickwinkel den entschlosseneren Eindruck. Robust wie ein Panzerknacker steht er da.

Der softer gezeichnete VW wirkt im Vergleich fast verstohlen und mädchenhaft zart. Na ja, das ist natürlich alles Geschmackssache – aber der Tiguan sieht nun wirklich nicht so aus, als könne er dem Skoda in den Himalaja folgen. Von dort kommt der Yeti ja angeblich. Aber bleiben wir fair: Extremes Gelände mag der Typ aus dem Osten dennoch genauso wenig wie der VW. Beide Autos sind respektable Bergziegen. Das ist mehr, als nötig ist. Tiguan und Yeti bieten viel mehr Offroad-Fähigkeiten, als der normale SUV-Kunde jemals in Anspruch nehmen wird. Es bleibt das gute Gefühl, überall hinkommen zu können – theoretisch.

Bei den Fahrleistungen unterscheiden sich die Kompakt-SUV wenig

Längsdynamisch kaum Unterscheide: VW Tiguan und Bruder Skoda Yeti.

Den entscheidenden Unterschied machen die alltäglichen Asphalt-Talente. Die werden schon beim Ampelstart spürbar. Während der Tiguan bei Vollgas leichten Vorderradschlupf zulässt, leitet die Haldex-Kupplung im Yeti die Antriebskraft zügiger an die Hinterachse. Geht's geradeaus, sind beide etwa gleich schnell. In beiden SUV sitzt der identische Common-Rail-Diesel mit 140 PS. Im Tiguan hat VW mehr Dämmmaterial verbaut, sodass er beim Beschleunigen leiser wirkt. Auch bei den Windgeräuschen wird der Yeti lauter. In Kurven fährt der Skoda dafür seinem teuren Konzernbruder um die Ohren. Lenkung und Fahrwerk sind deutlich dynamischer abgestimmt. Darum fühlt sich der Skoda handlicher an. So zackig, wie er einlenkt, kommt er sogar dem Chefdynamiker BMW X3 nah. Überraschung! Bei seiner rauen Schale konnte man eine so sportliche Ausrichtung nicht erwarten.

Da müht sich der Tiguan vergeblich. Bei flotter Fahrt ist er sperrig, schiebt über die Vorderräder, und der Fahrer kämpft mit kräftigen Lenkbewegungen um eine saubere Spur. Anders der Skoda: Dieser Yeti muss ein weibliches Tier sein. Bei Lastwechseln wackelt er trotz Serien-ESP kräftig mit dem Hintern, bleibt aber zum Glück grundsätzlich ein sicheres Auto. Ein derart ausgeprägter Übersteuer-Tick steht einem Sportwagen, für ein Familien- und Vielzweckauto wünschen wir uns einen strengeren Bremseingriff der Elektronik.

Der Skoda Yeti hat seinen Wolfsburger Bruder klar im Griff

Gefährliche Konkurrenz: Der Yeti hat den Tiguan im Griff.

Außerdem schmälert die direkte Yeti-Abstimmung den Abrollkomfort, sodass er Bodenwellen unangenehmer durchreicht als der mit adaptiven Dämpfern (1045 Euro) bestückte VW-Testwagen. Wie schon beim knochigen Superb haben sich offenbar erneut die Hardliner unter den Skoda-Entwicklern durchgesetzt. Trotz dieser Makel hat der Yeti seinen größeren Bruder jederzeit im Griff. Zu seinen wichtigsten Vorzügen zählt natürlich die günstigere Kostenbilanz. Nicht nur beim Neukauf sparen Skoda-Kunden, sondern auch beim Spritverbrauch. Da der Tscheche nämlich 174 Kilo leichter und sein sechster Gang länger übersetzt ist, verbraucht er einen Liter Diesel weniger pro 100 Kilometer. Das rechnet sich. Dazu kommen die besseren Alltagsqualitäten mit höherer Zuladung, mehr Variabilität und üppigerer Ausstattung. Das alles macht den Yeti zu einem gefährlichen Gegner für Toyota RAV 4, Honda CRV, Kia Sportage, Hyundai Tucson & Co. Und natürlich für seinen Halbbruder mit dem vornehmen Namen.

Weitere Details zum SUV-Duell finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Fazit

Das kennen wir ja schon: Wann immer ein Skoda gegen ein vergleichbares Modell von der Konzernmutter antritt, sieht der VW alt aus. Nun schlägt also auch der Yeti den Klassenprimus Tiguan. Will VW das wirklich? Aber ja! Dahinter steckt kühles Marketing-Kalkül. Trotz Niederlage wird der Image-Transporter Tiguan auch künftig Käufer finden, während die Clever-Marke Skoda mit Sparkommissaren flirtet. Toyota RAV 4- und Kia Sportage-Fahrer dürften beim Neuwagenkauf ein Auge auf den Yeti werfen. Jede Wette: Das Skoda-SUV wird in der Zulassungsstatistik 2009 zu den positiven Überraschungen zählen. Es trifft voll den Trend zum kompakten 4x4-Modell, folgt dann als 4x2-Version und ist – das zeigt dieser Test – ein richtig gutes Auto.

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