Bilder: SLK 55 AMG und C 63 AMG B.S.

SLK 55 AMG/C 63 AMG B.S.: Fahrbericht

— 02.01.2012

So fühlt sich pure AMG-Power an

Ausfahrt in Laguna Seca: AUTO BILD SPORTSCARS war mit dem C 63 AMG Black Series und dem SLX 55 AMG auf der Rennstrecke. Fazit: Nur fliegen ist schöner.

Darf ein Benz kompromisslos sportlich sein? Nein. Nicht mal wenn AMG draufsteht? Im Zweifel: jein. Dafür müssen sie ihm in Affalterbach schon den Zusatz Black Series in den automobilen DNA-Strang stempeln. Doch der Reihe nach: Vom Heimatmarkt abgesehen, sind die USA für AMG noch immer der wichtigste Absatzmarkt. Solvente Chinesen entdecken das Selberfahren gerade erst für sich, und in Russland … Na, sind Sie schon mal mit einem Sportfahrwerk über russische Landstraßen gerappelt? Da trifft es sich gut, dass sich der Pacific Coast Highway als Kulisse nicht übel macht und in Laguna Seca eine der faszinierendsten Rennstrecken der Welt liegt, wenn selbst in Le Castellet mieses Wetter herrscht.

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Perfekter Cruiser: Der SLK 55 AMG gefällt mit Leistung und Gänsehaut-V8-Sound.

Für die Anfahrt zur Strecke ist der neue SLK 55 AMG ein astreiner Wegbegleiter, auch wenn er auf kalifornischen Highways seine 422 PS nur ansatzweise demonstrieren darf. Diese kommen aus dem 5,5-Liter-V8, der auch – unter irreführender Bezeichnung – im E 63 AMG sein Unwesen treibt. Im stärksten SLK darf er ohne Biturbo-Bevormundung bis an den Begrenzer drehen – und das macht nicht nur akustisch richtig Laune. Ein beherztes Zucken im rechten Fuß, und die klappengesteuerten AMG-Sporttöpfe lassen ein derart herrliches Brüllen auf die Landschaft los, dass es einem jedes Nackenhaar einzeln aufstellt – und das trotz Airscarf-Bedampfung. Neben dem Sounderlebnis haben die AMG-Techniker dem Roadster einen grünen Touch mitgegeben, denn trotz V8 kommt er auf einen Normverbrauch von 8,4 Litern. Und dies ist nicht mal unrealistisch: Auf der Testfahrt mit Stadt-, Highway- und Überlandanteilen zeigte der Bordcomputer im Schnitt 28 Meilen pro Gallone an – exakt die prophezeiten 8,4 Liter.

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Kompromisslos: Das C 63 AMG Coupé Black Series ist eine waschechte Fahrmaschine.

Verantwortlich dafür ist eine Zylinderabschaltung, die im Teillastbereich zwischen 800 und 3600 Touren die Töpfe zwei, drei, fünf und acht stilllegt. So wird Sprit gespart, während auch im Eco4-Modus noch immer 230 Newtonmeter zum Cruisen einladen. Kurios: Die Zylinderabschaltung ist bei geöffnetem Dach bis Tempo 60 zwangsdeaktiviert – voller V8-Genuss geht eben über alles. Apropos Genuss: Auf der Traditionsstrecke in Laguna Seca angekommen, erwartet uns ein Höllenritt der besonderen Art. Ehrfürchtig klemmen wir uns hinter das abgeflachte Volant des C 63 AMG Coupé Black Series und werfen den 6,2-Liter-V8 an. Der Hochdrehzahl-Sauger stibitzt soundtechnisch jedem US-Muscle-Car die Butter vom Brot, nur dass er nicht nur untenrum Spaß macht. Über 5000 Touren geht die Luzie richtig ab, und die vollen 517 PS liegen erst kurz vor der 7000er-Marke an. Also begeben wir uns dorthin, wo und wofür der Black Series geschaffen wurde. Nach einer Kennenlernrunde biegen wir auf die Zielgerade ein, die in Laguna Seca eigentlich eine lang gezogene Links ist, an deren Ende eine blinde Kuppe wartet: "Bleib voll drauf, oder nimm sie mit Halbgas, aber um Himmels Willen: nicht lupfen!", warnt der Instruktor via Funk.

Na dann: Gib ihm. Ein leichtes Zucken durchfährt den Hinterwagen als der Black Series auf die darauf folgende Andretti Hairpin zufliegt. Kurz korrigieren, das war’s. Herrlich neutral und einfach beherrschbar. In den folgenden Rechtskurven zeigt sich, was die Techniker mit dem einstellbaren Gewindefahrwerk geleistet haben: Eine breitere Spur – 40 mm vorn und 79 hinten – sorgt für exorbitanten Grip an der Vorderachse, und geänderte Stabis begrenzen die Seitenneigung auf ein Minimum. Untersteuern kennt das Coupé kaum, und sollte doch einmal der Grip einbrechen, genügt ein kurzer Gasstoß, und das sich sanft eindrehende Hinterteil korrigiert das Malheur. Eine nach innen hängende Links später geht es auf die Mutkurve des Kurses zu: Der fast blinde Linksknick geht durch eine Kompression in die wichtige Bergaufgerade Richtung Corkscrew über. Wer hier kein Vertrauen ins Auto hat, lässt bittere Zehntel liegen. Also: kurz und scharf anbremsen, durch die Senke, früh ans Gas und hoffen, dass man die Streckenbreite richtig kalkuliert hat, um das unruhige Heck wieder einzufangen.

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Anfahrt auf die Schlüsselstelle: "Corkscrew" verlangt dem Mut des Fahrers alles ab.

Ist das geschafft, geht es mit Vollgas die Rahal-Straight hin auf und schnurstracks in Richtung Himmel, denn recht viel mehr außer Blau ist nicht zu erkennen. Man kann nur erahnen, dass hinter dieser fiesen Rechtskuppe die wohl spektakulärste Kurvenkombination des Motorsports lauert. Beim Anbremsen voll in die gelochte Hochleistungs- Bremsanlage mit Sechskolbensätteln gehen und hoffen, dass man die wild schlingernde Fuhre irgendwie halbwegs auf Linie in die herannahende Schlucht geworfen bekommt. Diese Schlucht nennt sich Corkscrew – also Korkenzieher – und trägt ihren Namen völlig zu Recht. Der Über-Benz fällt quasi nach links in ein Loch, den rechten Randstein der folgenden Kurve sieht man erst, wenn es eigentlich schon zu spät für etwaige Korrekturen ist, und die brachialen 620 Newtonmeter schleudern einen schneller wieder in Richtung Kurve neun, als man "heilige Sch…" denken kann.

Weiter geht es durch zwei schnelle Kehren, in denen der Black Series im Optimalfall gar nicht, aber wenn, dann neutral über alle viere in Richtung Kurvenausgang giert, bevor es auf die Zielkurve zugeht. Nach der engen Links genießen wir ein letztes Mal den beeindruckenden Vorwärtsdrang, bevor es wieder auf die Ziel(un)gerade geht. So enden die wohl atemberaubendsten 3,6 Kilometer, die man zu dieser Jahreszeit zurücklegen kann.
Fahrzeugdaten* C 63 AMG Coupé B. S. SLK 55 AMG
Motor V8 V8
Einbaulage vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 6208 cm³ 5461 cm³
kW (PS) bei 1/min 380 (517)/6800 310 (422)/6800
Literleistung 83 PS/l 77 PS/l
Nm bei 1/min 620/5200 540/4500
Antriebsart Hinterrad Hinterrad
Getriebe 7-Stufen-Automatik 7-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 390 mm/innenbel./gel. 360 mm/innenbel./gel.
Bremsen hinten 360 mm/innenbel./gel. 330 mm/innenbel./gel.
Radgröße vorn – hinten 9 x 19 – 9,5 x 19 8 x 18 – 9 x 18
Reifengröße vorn – hinten 255/35 R 19 – 285/30 R 19 235/40 R 18 – 255/35 R 18
Reifentyp Continental Sport Contact 5 Continental Sport Contact 5
Länge/Breite/Höhe 4764/1997/1388 mm 4146/1817/1300 mm
Radstand 2765 mm 2430 mm
Leergewicht/Zuladung 1635/380 kg 1535/375 kg
Leistungsgewicht 3,2 kg/PS 3,6 kg/PS
Tankvolumen 66 l 70 l
ECE-Normverbrauch Ø auf 100 km 12,2 l Super Plus 8,4 l Super Plus
0–100 km/h 4,2 s 4,6 s
Vmax 300 km/h (abgeregelt) 250 km/h (abgeregelt)
Serienfahrzeug ohne Extras 115.430 Euro 72.590 Euro
*Herstellerangaben

Autor:

Alexander Bernt

Fazit

Während der SLK 55 AMG mit souveräner Power und Sparkünsten beeindruckt, mimt das Black-Series-Coupé die optimierte Allzweckwaffe für die Rennstrecke. Seine Seele mag zwar rabenschwarz sein, das Grinsen nach dem Aussteigen überstrahlt jedoch alles.

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