Smart vision EQ fortwo: Vorstellung und Test

Smart vision EQ fortwo: Vorstellung und Test

Smart vision EQ fortwo: Test und Infos

— 04.11.2017

Car2Go der Zukunft

Mercedes zeigt mit der elektrisch betriebenen und autonom fahrenden Studie Smart vision EQ fortwo die Zukunft von Car2Go. AUTO BILD ist ihn gefahren.

Vorstellung: Autonomes Fahren soll massentauglich werden
Interieur: Mit Desinfektionsmittel und Tinder-Funktion
Fahren: Während der Fahrt die Augen zu mache
Das Prinzip: Ständig in Bewegung zu sein

Vorstellung: Autonomes Fahren soll massentauglich werden

Wie die Hardware fürs autonome Fahren aussehen könnte, zeigt Mercedes mit dem Smart vision EQ fortwo: eine elektrisch angetriebene Studie für Ende 2020, die über den Mobilitätsanbieter Car2go Autos mit dem autonomen Level 5 flächendeckend in die Großstädte bringen soll. Nach Mercedes Concept EQ, Future Truck 2025 und Vision Van ist das Smart-Konzept die vierte Studie im EQ-Portfolio.

Die schwarze Glaskugel soll laut Designern an eine Perle erinnern.

©Mercedes

Der Smart vision EQ fortwo ist mit seiner Länge von 2,70 Metern, einer Breite von 1,70 Metern und 1,50 Meter Höhe etwas kleiner als der aktuelle fortwo, wirkt durch seine Runde Glaskugel dennoch größer. Diese schwarze Glasperle wird eingefasst von einem weißen Schutzkörper, wie eine Handyhülle – ade, Tridionzelle! Mit dem autonomen Fahren sollen die Unfallzahlen ohnehin um bis zu 70 Prozent zurückgehen, weil die Roboter vorausschauend und regelkonform sowie stets konzentriert unterwegs sind. An der Stelle des Kühlergrills sitzt beim Smart vision EQ fortwo ein Black-Panel. LED-Displays nehmen die Plätze der Scheinwerfer und Heckleuchten ein. Die Displays ersetzen Handzeichen und weitere Gesten des Fahrers. So sollen sie beispielsweise Fußgängern signalisieren können: "Ich habe dich gesehen, du kannst über die Straße gehen". Im Innenraum dominieren Glasflächen und eine große Sitzbank, ein 24-Zoll-Bildschirm ersetzt das klassische Armaturenbrett. Die Bedienung erfolgt per Smartphone oder Sprachsteuerung.

Interieur: Mit Desinfektionsmittel und Tinder-Funktion

Der Blick in die Glaskugel offenbart einen großen Bildschirm ohne Touchfunktion.

©Mercedes

Die gewölbten Glastüren öffnen flügelartig nach hinten. Das erleichtert den Einstieg, spart in Parkbuchten Platz und verringert hoffentlich die Kollision mit Radfahrern und Fußgängern. Im Inneren der Kugel mag man kaum glauben, in einem Smart zu sein! Kugelform, Glasflächen, die große Sitzbank und der Wegfall von Antriebsstrang, Lenkrad und Pedalen sorgen für ein neues, luftiges Raumgefühl. Der 24-Zoll-Bildschirm, der das klassische Armaturenbrett ersetzt, ist kein Touchscreen. Sprachsteuerung und das Smartphone übernehmen die Bedienung. Ein Profil des Nutzers wird im Auto gespiegelt. Musik und Bilder lassen sich von Benutzerkonto abrufen. Auch Credits können gesammelt werden. Beispielsweise, wenn man jemanden auf seiner Route mitnimmt. Mögliche Begleitungen werden angezeigt, können akzeptiert oder abgelehnt werden. Ein wenig wie beim Datingportal Tinder. Für die Privatsphäre lässt sich eine Mittelarmlehne hochfahren, für die Intimsphäre kann das Glas abgedunkelt werden. Auf den Außenflächen der Türen lässt sich dann auch Werbung anzeigen oder eine Information zum Wetter.

Mobilitätsdienste der großen Autobauer

Jeder Nutzer von Carsharing kennt das Problem mit verdreckten Innenräumen. Auch dagegen will Smart künftig mehr unternehmen. Die mit Kunstleder bezogenen Sitzflächen und der Gummiboden sollen sich leicht und unkompliziert reinigen lassen.  Für noch mehr Hygiene sorgen Desinfektionsspender an den Seiten der Bank. Einen Kofferraum hat die Studie nicht. Kleinere Taschen passen auch in den Innenraum. Unter elastischen Flächen und Bändern unter und vor den Sitzen passen kleinere Gegenstände.

Fahren: Während der Fahrt die Augen zumachen

AUTO BILD-Mitarbeiter Timo Gohl ist den autonomen Smart in Japan gefahren. Seine Eindrücke: "Kaum ist die Tür zu und der Beckengurt eingeschnappt, beginnt sich das Auto ohne jedes Zutun zu bewegen, und ich fühle mich so hilflos wie in einer Geisterbahn. In weniger als zehn Jahren, hoffen die Entwickler, soll sich der Smart tatsächlich autonom durch den Stadtverkehr bewegen – und mit Radarscannern, Laseraugen und Car-to-Car-Kommunikation seinen Weg finden. Doch weil die Sensoren dafür gerade erst erprobt werden und noch so groß sind, dass sie eine V-Klasse füllen, ist unsere Fahrt nur eine Simulation wie bei einem Computerspiel. Na, immerhin ist der Elektroantrieb echt – aber der kommt mit seinen 60 kWh-Akkus für 155 Kilometer Reichweite und den 60 kW an der Hinterachse für 130 km/h Spitze ja auch 1:1 aus dem Smart ED.

In weniger als zehn Jahren soll sich der Smart tatsächlich autonom durch den Stadtverkehr bewegen.

Von Geisterhand, mit schlauen Sensoren oder dank der freundlichen Hilfe eines umsichtigen Entwicklers – eigentlich will ich gar nicht wissen, wer hier Regie führt und wie sich der Smart bewegt. Ich finde langsam Gefallen an der Zeitreise in der kleinen Knutschkugel: Während die anderen um mich herum nervös nach dem Verkehr schauen und sich Millimeter für Millimeter durch die Nacht kämpfen, kann ich während der Fahrt die Augen zumachen oder durchs Internet surfen. Und statt mich mit Händen und Füßen mit einem japanischen Taxifahrer zu verständigen, gebe ich meine Route einfach über das Smartphone ein, lasse mich vom Car2Go der Zukunft am Bordstein aufsammeln und am Ziel wieder absetzen, bevor die App gleich auch noch automatisch die Zahlung abwickelt.Und weil der Smart Vision EQ im Geist der neuen Mercedes-Politik "Case" geboren ist, fährt die Zeitkapsel nicht nur connected, autonom und elektrisch, sondern sie ist auch shared. Und zwar viel geteilter, als wir das heute von Car2Go kennen. Die Idee: den Robosmart nicht nach-, sondern miteinander nutzen. Schon nach ein paar Minuten ploppt auf dem Bildschirm das Foto von Yui auf, die im Manga-Kostüm durch die Nacht turnt und gerne ein Stück des Weges mit mir gemeinsam fahren möchte. Warum ich das alles weiß, obwohl ich keinen Brocken japanisch spreche und die Dame noch nie gesehen habe? Weil mich das Auto über meine möglichen Mitfahrer informiert, damit ich mir aussuchen kann, ob ich die Fahrt wirklich mit einem Mädchen wie Yui teilen will. Ob ich dafür gleich auch ihre Hobbys und ihre persönlichen Vorlieben kennen muss, weiß ich allerdings nicht. Wir sind ja schließlich nicht bei einer Dating-App, sondern nur bei der Mitfahrzentrale von morgen."

Das Prinzip: Ständig in Bewegung zu sein

Ende 2020 sollen die autonomen Smart über die Straßen rollen. Die Vorteile für die Kunden:1. Man muss nicht erst zu einem Parkplatz laufen, der Smart wird immer unterwegs sein und einen dort abholen, wo man ihn braucht.2. Das Reinigen, Warten und Laden übernimmt der Roboter.3. Durch die ständige Bewegung der Autos will Smart die Anzahl der Flottenfahrzeuge reduzieren und trotzdem mehr Menschen befördern. Das spart Geld, was auch der Kunde spüren soll. Möglich machen das clevere Algorithmen. Das dafür benötigte Nutzerverhalten studieren die Stuttgarter bereits fleißig bei Moovel, Mytaxi und Car2go. Und auch mit dem Taxi-Konkurrenten Uber kuscheln die Stuttgarter. Anfang 2017 unterzeichneten Daimler und Uber eine Absichtserklärung, dass "in den nächsten Jahren" selbstfahrende Mercedes-Modelle auf der Internetplattform von Uber angeboten werden sollen. Die Zukunft hat also längst begonnen.

Smart vision EQ fortwo: Vorstellung und Test

Robin Hornig

Fazit

Von allen Studien zum autonomen Fahren scheint der Smart vision EQ fortwo das durchdachteste Konzept zu sein. So kann autonomes Fahren massentauglich werden. Sicherlich kann keiner sagen, was in 15 Jahren wirklich sein wird, aber sämtliche Ideen zum Konzept sind logisch und keine Spielereien – auch wenn Smart zur Präsentation einen Teddy unter das Halteband schnallt.

Autoren: , Timo Gohler

Fotos: Mercedes

Stichworte:

Concept Car Studie car2go

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