Snickers "WildKarts" in Berlin

Reichstags-Sause auf der Kanzler-Linie Reichstags-Sause auf der Kanzler-Linie

Snickers "Wildkarts" in Berlin

— 12.10.2004

Reichstags-Sause auf der Kanzler-Linie

Kart fahren auf einer noch nicht eröffneten U-Bahn-Linie – das macht höllisch Spaß. Und reichlich Lärm. AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber war dabei.

Oben Touris, unten Teenies

Bässe hämmern, zwölf Motoren werden fast gleichzeitig gestartet, Kati hat die obere Hälfte ihres Rennanzugs um die Hüfte gewickelt, der Bauchnabel ist freigelegt. Max stülpt sich eine schwarze Stürmhaube über und lächelt unsicher, er macht das hier zum ersten Mal. Max hat Startnummer acht. Der DJ dreht unmerklich leiser, weil der Einpeitscher das nächste Rennen ankündigen will. Rein in den U-Bahn-Schacht, Spitzkehre, raus aus dem U-Bahn-Schacht, Kurvengeschlängel, Ziellinie und "Yeah!" – neue Bestzeit. Britney Spears singt vom Band, grelle Lichtblitze flackern auf, es ist zehn Uhr morgens. Und zwölf Meter über dieser ganzen Nummer: der Reichstag, das Bundeskanzleramt. Wer soll bei dem Krach eigentlich ordentlich regieren?

"Raserei unterm Reichstag", so nennt sich das Spektakel. Zum Glück ist Sonntag. Die Schlange vor dem symbolträchtigen Regierungsgebäude ist wie immer lang. Touristen stehen an, um die Kuppel hochzukraxeln und um einen Blick in den Plenarsaal zu werfen. Kaum einer nimmt wahr, daß es ein paar Schritte weiter links lautstark in den Untergrund geht. Runter in die im Rohbau befindliche U-Bahn-Station der "Kanzlerlinie", jener Verkehrsanbindung, mit der Schröder & Co irgendwann mal per Tageskarte zum Regieren fahren sollen. Doch an diesem Wochenende hat das hier unten mit Politik so gar nichts zu tun. Dafür mit PS und mit Party.

Der Hersteller eines weltbekannten Schokoriegels mit jeder Menge Erdnüsse hat die Kartbahn aufbauen lassen, deren 640 Meter lange Strecke zum Teil durch U-Bahn-Schächte, zum Teil über den zukünftigen Bahnsteig führt. Vollgas mit sieben PS. Das ganze gekleidet in grell-bunte Lichter, beschallt von Großraumdisco-Sound, garniert mit jungen Promis und ganz gewöhnlichen Berlinern. Willkommen bei den "WildKarts" – Eintritt frei.

Pleitegeier und Kanzlerzerstörer

"Die Location soll Feeling vermitteln", brüllt Silke Neumann von der PR-Agentur Haeberlein & Mauerer, die die Idee für die Veranstaltung hatte, gegen den Lärm an. Wer mitfahren will, der muß sich zunächst bei kleinen, lustigen Abenteuern bewähren, wie "Ride the Riegel", eine Rodeoreiten auf einem Riesen-Snickers. Schnell noch einen fetzigen Namen ausgedacht und schon startet das Dreierteam "Kanzlerzerstörer" gegen das Trio "Pleitegeier". Paßt alles irgendwie zum Regierungsviertel.

In der Rennpause werden Snickers gekaut und am VIP-Bändchen gespielt, das hier alle bekommen, die an diesem strahlend schönen Herbsttag in die Unterwelt abtauchen. Schade nur, daß auf den VIP-Bändern nur dann VIP draufsteht, wenn das Handgelenk auch einem VIP gehört. Sonst steht immerhin FAN drauf.

Kati Droste betritt die Bahn: Sie hat einen Knopf in der Nase und eine eigene Homepage, weil sie echte Rennfahrerin ist. Sie hat den letzten Lauf der Mini-Challenge gewonnen und bei der "Raserei unterm Reichstag" pilotiert sie einen Doppelsitzer-Kart. Für alle, die schon immer mal mit einem Rennprofi mitfahren wollten. Kati ist 19 und findet die Veranstaltung "echt cool". Natürlich ist sie schneller als die Normalos, sie fährt die Runde unter 50 Sekunden. Dafür, daß sie an diesem Wochenende das Renntaxi fährt, bekommt sie 350 Euro, "und vielleicht ein bißchen Presse".

Promis, Muckis, Musterknaben

Als sie ihre Runden gedreht hat, verschwindet sie im VIP-Bereich, einem schick hergerichteten Beton-Quadrat, das nur nach dreimaligem Vorzeigen der Zugangsberechtigung zu erreichen ist und in dem es Kürbiskern-Orangen-Suppe und "Hotdogs für umsonst" gibt. Überhaupt fehlt es an nichts: Security-Männer ganz in Schwarz, mit Knopf im Ohr und ernstem Blick, Cheerleader mit lustigen Puscheln und ein Merchandising-Stand, an dem braune T-Shirts für zehn Euro verkauft werden, auf denen "Fahren wie ein Kerpener, feiern wie ein Berliner" steht.

Dann wird es unruhig, irgendwo erscheinen TV-Sternchen, die am obligatorischen Promi-Rennen teilnehmen. Schauspieler Oliver Korittke ("Die Musterknaben"), eine Ex-No-Angel-Sängerin, die Bald-Ex-Bro'Sis-Sänger, Schauspielerin Jana Pallaske – vielleicht nicht A-Prominente, dafür gutgelaunt und mit Eifer dabei. Plötzlich kracht's gewaltig. War das Teil der Disco-Nummer vom DJ? Oder hat ein Mädchen die Rechts-Links-Schikane nicht richtig erwischt und sich überschlagen?

Letzteres. Ein kurzer Check, alles klar, die Musik dröhnt weiter, die Motoren klingen wie Preßlufthämmer, die sich ihren Weg unter die Stadt bohren. Dann sind die Karts wieder im U-Bahn-Schacht verschwunden. Langsam dröhnt der Schädel. Zeit, wieder aufzusteigen. Hoch in den milden Herbsttag. An die frische Berliner Luft.

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