So lief das Qualifying in Bahrain

Qualifying in Bahrain

So lief das Qualifying in Bahrain

— 13.03.2006

K.o. nicht für alle o.k.

Der neue Modus der Qualifikation sorgte für jede Menge Diskussionen. Vor allem aber für mehr Unterhaltung. Denn soviel Spannung wie beim Saisonauftakt in Bahrain bot das Abschlußtraining der Formel 1 noch nie.

Alonso: "Mir hat's überhaupt nicht gefallen"

Der Weltmeister zürnte: "Mir hat's überhaupt nicht gefallen. In den ersten zwei Durchgängen hat man weder etwas zu verlieren noch zu gewinnen, im dritten zuviel Verkehr." So bewertet Fernando Alonso die neue Qualifikation der Formel 1, die erstmals seit 2002 nicht im Einzelzeitfahren ausgetragen wird. "Das war super", sagt Ex-Weltmeister Niki Lauda, "das beste Qualifikationsformat, das ich je gesehen habe." Und so war es tatsächlich, der neue Poker in drei Akten.

1. Runde: Samstag um 14 Uhr rollen die GP-Autos mit fast leeren Tanks auf die Strecke. Jetzt im ersten Quali-Drittel geht es ohne Rundenbegrenzung und frei von taktischen Fesseln um nichts als schnelle Zeiten. Nach zehn der ersten 15 Minuten fliegt Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes eiernd von der Strecke. Tempo: fast 200 km/h. Ein brechender Querlenker hinten rechts hat seinen Heckflügel abgeschlagen. Rote Flagge – Trainingsunterbrechung. Der Countdown ist angehalten. Räikkönen prügelt sein Dreirad gnadenlos zur Box zurück. Dort steht er als letzter mit einem extrem frustrierten Gesicht. Er dürfte, um weiterzumachen, zu diesem Zeitpunkt höchstens in Montoyas Einsatzwagen umsteigen. Dafür reichen die verbleibenden gut vier Minuten aber nicht.

In der Restzeit, die bei den übrigen 21 Fahrern für nur eine schnelle Runde reicht, fallen fünf weitere Kandidaten durch den Rost: Ralf Schumacher (Toyota), der sich dieses Jahr vorgenommen hat, an seiner "Qualifikationsschwäche" zu arbeiten. Er hat seine Bridgestone-Reifen angeblich nicht auf Temperatur gekriegt. Dazu die Midland- und Super-Aguri-Piloten.

2. Runde: Um 14.29 Uhr startet der zweite K.o.-Durchgang der 16 Besten aus Quali-Teil eins. Neuling Nico Rosberg (Williams) sorgt für Unterhaltung. Er dreht sich nach seiner schnellsten Runde. Die war aber zu langsam, weil er in der Anlaufrunde hinter dem blockierenden Jarno Trulli (Toyota) seine vorderen Bridgestone-Walzen nicht hart genug rannehmen konnte. Folge: Hitzemangel im Gummi, zuwenig Grip. Raus und damit Zwölfter. Fünf weitere Kandidaten fallen am Ende der zweiten Viertelstunde aus der Zeitenjagd: Jacques Villeneuve (BMW), David Coulthard (Red Bull), Trulli (Toyota) sowie Vitantonio Liuzzi und Scott Speed (beide Toro Rosso). Zwischenstand nach 30 Minuten mit wenig Sprit im Tank: Alonso (Renault), Juan Pablo Montoya (McLaren), Giancarlo Fisichella (Renault), Nick Heidfeld (BMW), Felipe Massa, Schumi (beide Ferrari) und Jason Button (Honda).

Schumi stellt letzten Senna-Rekord ein

3. Runde: Der dramatische Kampf um die ersten zehn Startplätze beginnt schon in der Pause. Bei Ferrari stehen beide Fahrer bereit, aber das Team wartet und wartet mit dem Tanken. Hintergrund: Es muß jetzt jeder mit genausoviel Benzin fahren, wieviel er sonntags auch beim Start drin haben will. Erst als alle anderen abgefertigt haben, legen die roten Strategen auf Basis der gegnerischen Tankzeiten die Schumi- und Massa-Spritmengen fest.

Um 14.48 Uhr zeigt die Ampel zum dritten Mal Grün: Die Stars boxen sich den Weg frei für eine Runde ohne Gegner vor der Nase. "Jetzt", hat Heidfeld vorher erklärt, "müssen wir soviel wie möglich fahren, damit wir hinterher soviel Sprit wie möglich nachtanken dürfen. Und zudem soviel verbrennen, daß wir für die letzte schnellste Runde ein leichtes Auto haben."

Dann alle nochmal rein für frische Reifen und raus bei Idealbedingungen: immer schnellere Strecke, ganz leichtes Auto, super haftende Gummis. Diesen Cocktail nutzt Schumi eiskalt zu seiner 65. Pole-Position. Nach zwölf Jahren hat er den letzten Rekord des großen Ayrton Senna eingestellt. Danach folgen Massa, Button und Alonso.

Schumi super happy und hochzufrieden: "Diese Qualifikation ist für alle spannender." Auf Senna und seinen nächsten Rekord angesprochen, gerät der sensible Rheinländer kurz aus der Fassung und sagt fast tonlos: "Ich bin stolz." Auch FIA-Präsident Max Mosley ist happy: "An diesem Format wird nun nichts mehr geändert. Außer daß die Zuschauer vor Ort stets die aktuellen Zeiten brauchen, um es zu verstehen.

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