Sommerreifen für den Golf

Sommerreifen-Test 195/65 R 15 H Sommerreifen-Test 195/65 R 15 H

Sommerreifen für den Golf

— 18.03.2002

Hier geht's rund

Die meistverkaufte Reifengröße in Deutschland hat eine Dimension: 195/65 R 15. Sie passt für den Golf und andere Volumenmodelle. Im Test: 13 Marken. Nur drei sind wirklich vorbildlich.

Gefordert: Grip in allen Situationen

Formel-1-Fahrer machen keine Kompromisse: Die Reifen ihrer Renner sind speziell auf den jeweiligen Rennkurs abgestimmt, auf die herrschenden Temperaturbedingungen sowieso. Erst diese optimale Gummimischung ermöglicht optimale Rundenzeiten. Wir Normalfahrer müssen bei den Sommerreifen mit Kompromissen leben; denn wer will schon vor jedem Regenschauer extra die (Werkstatt-)Box ansteuern?

Die Reifen unserer Autos müssen sich bei Sonne, Wind und Wetter auf jedem Straßenbelag bewähren, also Alleskönner sein. Und für den größtmöglichen Grip in jeder Situation braucht es eben Kompromisse. Die jedoch manchmal nicht ausgewogen erscheinen. So jedenfalls unsere Erfahrung beim großen Sommerreifen-Test in Uvalde/Texas (USA). Hier herrschen auch im Februar sommerliche Bedingungen mit Temperaturen von 68 Grad Fahrenheit (entspricht 20 Grad Celsius).

Auf dem größten Reifentestgelände der Welt nahe der mexikanischen Grenze suchten wir unter 13 Fabrikaten der Dimension 195/65 R 15 H nach dem besten Reifen für den VW Golf. Dabei war keine Spitzenleistung in nur einer der zehn Testdisziplinen gefragt: Prämiert wurde am Testende der Reifen mit den besten Allround-Eigenschaften auf nasser wie trockener Piste.

Michelin: Schwächen bei Nässe

Das hätte beispielsweise ein Michelin sein können. Die französischen Techniker kennen die besten Rezepte für optimale Haftung, schließlich versorgen sie nicht nur seit zwei Jahren die Williams-Racer, sondern mittlerweile über die Hälfte der Formel-1-Teams mit ihren Reifen. Bei ihrem Straßenreifen Energy XH1 für den Golf aber setzten sie andere Prioritäten: Er soll vor allem Sprit sparen. Und damit entstand ein Zielkonflikt; denn wer für geringen Spritverbrauch den Rollwiderstand mit speziellen Änderungen in der Gummimischung herabsetzt, muss bei anderen Eigenschaften Abstriche in Kauf nehmen.

So lässt sich mit dem XH1 bei einem Durchschnittsverbrauch von zehn Litern auf 100 Kilometer tatsächlich ein halber Liter einsparen. Doch der Preis ist hoch, denn dies geht zu Lasten der Nässehaftung. Konkret: Beim Nassbremsen aus Tempo 100 verlor der Spritsparreifen von Michelin knapp dreieinhalb Meter auf den besten Kandidaten. Und: Auf dem Nasshandlingkurs und bei der Kreisfahrt schob der Test-Golf auf den Michelin-Reifen hoffnungslos über die Vorderräder.

Auch bei Goodyear werden falsche Kompromisse gemacht. Unsere Aquaplaningtests, die das Aufschwimmen des Reifens bei starken Regenfällen simulieren, bestand der Eagle Ventura mit Bravour. Seine breiten Abflusskanäle im Profil sorgen für optimale Wasserverdrängung. Doch seine Stärke bei Aquaplaning ist seine Schwäche beim Bremsen; denn dabei wirkt sich die üppige Profilierung eher nachteilig aus.

Hankook: Bester beim Bremsen

Rennautos fahren deshalb bei trockener Witterung auf so genannten Slicks, Gummiwalzen ohne jede Profilrille. Der Goodyear Eagle Ventura hat hier seine Probleme. Unser Test-Golf kam erst sechseinhalb Meter später zum Stehen als der Meister in dieser Disziplin, der Hankook K406 aus Korea. Sechseinhalb Meter längerer Bremsweg bedeuten an einem Stauende eine Aufprallgeschwindigkeit von knapp 35 km/h. Da nützen die Spitzennoten beim Aquaplaning wenig:­ Goodyear hat beim Eagle Ventura einfach nicht die richtige Mischung gefunden.

Doch worauf es beim Alltagsreifen ankommt, ist Ausgewogenheit. Wie die zu erzielen ist, darüber zerbrechen sich Ingenieure und Chemiker seit Generationen die Köpfe. Ständig wird geforscht, entwickelt und getestet. Am Ende fließen ihre Verbesserungsvorschläge in die laufende Produktion ein. Für unseren Test werden daher nur "frische" Reifen aus der Winterproduktion 2001 zugelassen.

Und die bekommen es gleich mit unserem typischen deutschen Sommer zu tun: Regen, Regen, Regen. Tiefe Pfützen oder voll gelaufene Spurrillen brachten zwar keinen der Testreifen vorzeitig zum Aufschwimmen, doch beim Bremsen auf nasser Piste trennte sich die Spreu vom Weizen: Der beim Trockenbremsen so überlegene Hankook Optimo K406 kam bei Nässe erst knapp acht Meter hinter dem Brems-Ass von Conti zum Stehen. Auch der Carat Attiro von Fulda und der finnische Nokian NRH 2 brauchten eine zusätzliche Fahrzeuglänge bis zum Stillstand.

Conti: Optimale Seitenführung

Bei unserem letzten objektiven Nässetest, der Kreisfahrt auf Zeit, die uns Aufschluss über Gripniveau und Kurvenstabilität liefert, landeten erneut die Reifen von Michelin und Goodyear auf den hinteren Rängen. Und wir wurden aufmerksam auf den brandneuen P6 von Pirelli, der mit hauchdünnem Vorsprung vor Contis PremiumContact die Bestzeit vorlegte. Bei der abschließenden Kür, dem Tanz über den bewässerten Handlingparcours, machte wiederum der P6 eine ausgezeichnete Figur. Optimale Seitenführung und eine über- ragende Lenkpräzision ließen den Golf harmonisch über den nassen Asphalt driften. Traumnote Eins auch für den Conti, dem sein direktes Lenkverhalten die zweitschnellste Zeit auf dem Rundkurs bescherte.

Die schnellste Rundenzeit erreichte unser Golf auf dem Roadpro R610 von Toyo. Jedoch nur mit größerem fahrerischem Einsatz. Denn der bis dahin brave Test-Golf wurde mit dem R610 in Extremsituationen urplötzlich zum Übersteuerer und ließ das Heck heraushängen. Das bedeutete Punktabzug für den schnellen, aber giftigen Japaner und verhalf dem SP Sport 200E von Dunlop zu einem verdienten dritten Platz in der Handlingwertung bei Nässe.

Auf trockener Piste fährt der Pirelli die schnellste Rundenzeit. Doch auch der ER70 von Bridgestone und Hankooks K406 begeisterten mit guter Seitenführung und exakter Lenkung. Bei der Vollbremsung aus Tempo 100 standen Hankook und Continental nach 37,5 Metern. Doch schon zum Drittplatzierten, dem Pirelli P6, klafft eine Sicherheitslücke von über einem Meter. Weniger bremsstabil, dafür aber komfortabel und leise rollte der Test-Golf dagegen mit Reifen von Dunlop, Michelin, Pneumant und Semperit.

Auch wichtig, aber zum "Vorbildlich" von AUTO BILD gehört mehr: kurze Bremswege und sicheres Handling in allen Situationen. Das sähe ein Schumi sicher genauso.

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