Sommerreifentest 205/55 R 16 V

Sommerreifentest Größe 205/55 R 16V Sommerreifentest Größe 205/55 R 16V

Sommerreifentest 205/55 R 16 V

— 23.03.2007

Der beste Reifen für den Sommer

Bremsen, Fahrverhalten und Handling: Welche Sommerreifen unter allen Umständen am besten greifen, das klärt dieser AUTO BILD-Test.

Für die Reifenhändler war der Winter 2006 ein gutes Geschäft. Nie zuvor gingen so viele Winterreifen über die Verkaufstresen. Grund: Nicht das Wetter, sondern die Pflicht, auf Eis und Schnee angemessen bereift unterwegs zu sein. Erst im Januar ging der Verkauf zurück.Aber nun müssen die Winterräder wieder runter und die Sommerreifen rauf. Am 21. März ist Frühlingsanfang. Wie? Keine Lust zum Wechseln? Sie fragen sich, ob nicht auch die Winterreifen für den Sommer reichen? Klare Antwort: Nein! Wer im Sommer auf Winterreifen fährt, verschenkt Sicherheit. Beim Bremsen zum Beispiel. Voll in die Eisen aus Tempo 100. Erst mit Winter-, dann mit Sommerreifen. Ergebnis: Erst nach 46 Metern steht der winterbereifte Testwagen, ein Audi A3 Sportback. Auf Sommerreifen braucht er sage und schreibe acht Meter weniger. Eigentlich sollte dieser Test alle Zweifel beseitigen. Acht Meter mehr Sicherheit. Acht Meter, zwischen denen im Ernstfall bei einer Notbremsung ein Totalschaden liegt – oder mehr.

Opfer seiner speziellen Konstruktion

Eitel Sonnenschein? Nicht alle Sommerreifen meistern die gestellten Anforderungen gleich gut.

 Warum das so ist? Der Winterreifen wird im Sommer Opfer seiner speziellen Konstruktion. Die geschmeidige Gummimischung mit bis zu 2000 feinen Einschnitten in den Profilblöcken, den sogenannten Lamellen, findet auf Schnee und Eis zwar sicher Bodenhaftung, doch beim Bremsen oder einem plötzlichen Ausweichmanöver ist ein besonders steifes Profil gefragt – auf trockener wie nasser Piste. Und genau diesen Vorteil bringt der Sommerreifen mit. So weit die Theorie. In der Praxis meistern nicht alle Sommerreifen die gestellten Anforderungen gleich gut. Unser Reifentest zeigt dies wieder eindrucksvoll. Zwölf verschiedene Modelle, alle in der Größe 205/55 R 16 V, rollten an. Von der Traditionsmarke über Reifen aus Japan und Korea bis zu hochpreisigen Premiumprodukten. Erstmals mit auf der Teststrecke: der Chengshan CSR 169 aus China.

Was in ihm steckt, ist von außen nicht erkennbar. Denn der Chengshan sieht aus wie alle Reifen. Keine eingravierten Glücksdrachen, keine chinesischen Schriftzeichen, einfach nur rund und schwarz. Moderne Reifen tragen ihre Talente im Verborgenen. Geheime Gummimischungen, ein ausgeklügeltes Profil. Die Industrie investiert Millionenbeträge in Forschung und Technik. Wir bezahlen diesen Aufwand beim Kauf der Reifen. Und genau hier keimen erste Zweifel: Der Chengshan ist um ein Drittel günstiger als seine Mitbewerber. Kann er da qualitativ überhaupt mithalten? Kann er nicht! Bei den Aquaplaningtests verliert der Chengshan den Anschluss ans Testfeld. Bereits bei knapp über 77 km/h schaufelt sein Profil nicht mehr genug Wasser unter den Laufflächen fort. Unser Audi A3 schwimmt auf, verliert den Kontakt zur Fahrbahn. Wie es besser geht, zeigt der neue Vredestein Sportrac 3. Bis 90 km/h spurt er unbeirrt durch die sieben Millimeter Wassertiefe auf der Testbahn.

Es kommt aber noch viel schlimmer. Bei starkem Regen sorgt das Aquaplaning in Kurven für eine weitere Gefahr. Sobald die Räder den Kontakt zur Fahrbahn verlieren, folgt der Wagen nicht mehr dem Lenkeinschlag – das Auto schiebt stur weiter geradeaus. Wieder ist es der von Giugiaro gestylte Vredestein mit seinem markanten Profil, der sicher auf Kurs bleibt. Und wieder verliert der chinesische Chengshan als erster Reifen im Testfeld den Kontakt zur Fahrbahn. Wirklich riskant wird es aber beim Bremsen. Reifen mit gutem Nässegrip, wie der PremiumContact von Continental, der brandneue Dunlop SP Sport Fastresponse und der Toyo Proxes CF 1 stehen bei einer Vollbremsung auf nassem Asphalt nach knapp fünfzig Metern. Auf den Reifen von Chengshan rauscht unser Test-Audi an dieser Marke mit einer Restgeschwindigkeit von 55 km/h vorbei, kommt erst nach fünf weiteren Wagenlängen zum Stehen. Der Chengshan ist damit bei Nässe aus dem Rennen, von Hightech und Fahrsicherheit keine Spur. Bei unseren Tests auf trockener Fahrbahn hingegen halten sich die Ausfälle in Grenzen. Verlängerte Bremswege oder ein nicht ganz zufriedenstellendes Fahrverhalten kostet die Nässespezialisten von Vredestein und Pirelli eine Platzierung im Spitzenfeld. Für eine leise Überraschung sorgt der auf Nässe so schlechte Chengshan CSR 169. Er flüstert, liefert in der Disziplin Vorbeifahrgeräusch die besten Werte ab.

Dem Reifen aus China geht die Luft aus

Fazit: Sicherheit kostet – der chinesische Chengshan bestätigt, dass billig nicht läuft.

Doch wie ist es um die Schnelllauffestigkeit der Testkandidaten bestellt? Hierfür müssen alle Reifen auf den Trommelprüfstand. Keine Überraschung: Die gesetzliche Prüfung nach ECE-Norm bestehen alle. Doch die halten wir für viel zu lasch, prüfen deshalb viel härter, simulieren den gnadenlosen Reifenalltag mit Bordsteinremplern, zu wenig Luftdruck oder auch zu hohen Lasten. Beruhigendes Ergebnis: Elf Testkandidaten überstehen selbst diese Marter ohne Beanstandungen. Dem Reifen aus China jedoch geht schon sehr bald die Luft aus. Und damit bestätigt der Chengshan erneut das Ergebnis aus früheren Reifentests, in denen die Billigangebote durchweg versagten. Sicherheit hat eben nach wie vor ihren Preis. Ganz besonders beim Reifen.

Fazit von Dierk Möller-Sonntag und Henning Klipp

Zuerst die gute Nachricht: Ein (fast) perfekter Reifen muss nicht der teuerste sein. Das beweist der Kumho Ecsta SPT. Zusammen mit den Premium-Produkten von Continental, Bridgestone und Dunlop, erhält er das Gütesiegel "vorbildlich". Die Kehrseite: Sicherheit kostet nach wie vor. Der chinesiche Chengshan bestätigt, dass billig nicht läuft. Im Test versagt er bei den Nässe-Prüfungen, weshalb wir vom Kauf dringend abraten.

Den kompletten Test mit allen Einzelwertungen und der großen Ergebnis-Übersciht können Sie hier bequem als PDF herunterladen.

Autoren: Dierk Möller-Sonntag, Henning Klipp

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