Sonderkonjunktur in Hamburg

Die Auto-Lust der Hanseaten

Sonderkonjunktur in Hamburg

— 20.07.2004

Die Auto-Lust der Hanseaten

Nirgendwo in Deutschland werden prozentual gesehen so viele Neuwagen zugelassen wie in Hamburg.

Der Trend geht zu mehr Komfort

Während sich der bundesdeutsche Automarkt über ein eher schwaches Halbjahresergebnis ärgert, freuen sich die Hamburger über stetigen Zuwachs. 60.382 Neuwagen wurden bis Ende Mai zugelassen, das sind 8706 mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. "Die Hamburger waren beim Neuwagenkauf schon immer mit an der deutschen Spitze", sagt Carsten Willms, Verkehrsexperte beim ADAC. Grund dafür sei der enge Markt, der die Preise niedrig hält. Das wiederum würde Käufer aus dem Umland anziehen.

Auch die Nähe zu den skandinavischen Ländern würde Hamburg einen klaren Standortvorteil einräumen. Einerseits sei die Anlieferung der in den nördlichen Staaten produzierten Pkw günstiger, andererseits würden potenzielle Käufer aus diesen Ländern am ehesten nach Hamburg kommen, um sich einen deutschen Wagen zu kaufen. Neu ist der Trend zu mehr Komfort. Waren vor Jahren noch Verbrauch und Leistung wichtig, so möchten die Hanseaten, laut Willms, nun mehr das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. "Heute gibt es kaum noch einen Neuwagen, der ohne Klimaanlage und Servolenkung zugelassen wird", so der Verkehrsexperte. Das bestätigen auch Hamburgs führende Autohäuser. Sie bemerken auch ein höheres Anspruchsdenken bei der Kundschaft.

"Leider sehen die Kunden nicht, dass mehr Komfort auch mehr kostet", so Alexander Tiedtke vom Autohaus Willy Tiedtke. So sei der neue Golf von der Ausstattung schon mit der Mercedes-Benz C-Klasse vergleichbar, dennoch wollen die Käufer immer noch den alten Golfpreis zahlen. "Da ist manchmal Überzeugungsarbeit gefragt und ein kreativer Umgang mit den Konditionen", erklärt Tiedtke. Die reichen von Sonderfinanzierungsangeboten bis hin zu Extraleistungen.

Nie waren die Autos so günstig

Ein Handel, der scheinbar funktioniert. Die Verkaufszahlen des neuen Golf liegen bei Tiedtke mit bisher rund 300 verkauften Autos nur knapp unter denen des Vorjahres. Denn neue Modelle mögen die Hamburger. "Wir verkaufen die Neuen immer am Besten", sagt Kurt Kröger, Firmenchef bei Opel Dello. Und das war in den vergangenen sechs Monaten der Meriva. Dennoch bleibt der Astra der Verkaufsschlager. Wenn auch mit leichten Verlusten. "Im Vergleich zum Vorjahr haben wir derzeit Einbußen von drei bis fünf Prozent", so Kröger. Doch er bleibt optimistisch. Schließlich kommen im September noch neue Modelle auf dem Markt. Damit werde das Autohaus im Neuwagensegment wieder die 9500-Grenze knacken, hofft er.

Auch die Mercedes-Benz-Niederlassung zeigt sich optimistisch. "Wir haben bisher bereits mehr als 2700 Kundenbestellungen. Da wesentliche Produktneuheiten, wie die neue A-Klasse und der CLS erst im zweiten Halbjahr auf den Markt kommen werden, rechnen wir damit, den Vorjahreswert locker zu erreichen", erläutert Niederlassungsleiter Gerhard Rötters. Jedes zweite von drei verkauften Fahrzeugen ist ein E- oder C-Klasse-Modell.

Für den Sommer versprechen sich alle Händler noch einen leichten Anstieg der Zahlen. Nicht zuletzt wegen der günstigen Konditionen. "Es war nie so günstig, ein Auto zu kaufen", meint Willms vom ADAC. Die Händler würden teilweise Rabatte von bis zu zehn Prozent gewähren. Und mehr verkaufte Autos bedeuten mehr Zulassungen und weiterhin einen Spitzenplatz im bundesdeutschen Neuzulassungs-Ranking. Doch der Teufel steckt im statistischen Detail: Nicht nur in Hamburg gekaufte Neuwagen werden hier gemeldet und beflügeln die Statistik - auch Europcar meldet einen Teil ihrer Mietwagen in Hamburg an.

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