Sounddesign von Eberspächer — 01.12.2009

Nie wieder Lärm?

Der Autozulieferer Eberspächer kann Motorenlärm auf Knopfdruck verschwinden lassen. Mit dem Active-Sound-System lässt sich der Klang auch variieren und tunen. Der technische Trick heißt Antischall.

Stell Dir vor, Du gibst Gas – und niemand hört es... Der Automobilzulieferer Eberspächer hat es geschafft: Seine neue Technolgie "Active-Sound-System" lässt Motoren verstummen. Doch nicht nur Lärmschutz ist mit der Innovation möglich; die Eberspächer-Entwicklung lässt einen Elektromotor plötzlich sonor brummen und verwandelt eine müde, alte Dieselmaschine in einen leistungsgierigen V8-Benziner. Die Akustik kann auch auf Knopfdruck hin- und hergewechselt werden. Hintergrund ist eine Technik, die sich ohne Übertreibung als revolutionär bezeichnen lässt: Motorlärm kann damit um bis zu 20 Dezibel reduziert werden. Das könnte Frieden und Entspannung stiften – nicht nur im Fahrzeuginnern für die Insassen, sondern auch für Millionen von Menschen am Rand der Straße, die heute unter Verkehrlärm leiden, ja sogar krank werden. Die Technolgie steht laut Hersteller unmittelbar vor der Serienfertigung. Da die Hardware für ganze Hersteller-Plattformen genutzt werden kann, muss lediglich die Software an die jeweilige Motorisierung angepasst werden.

Eberspächer musste stabile Lautsprecher erst entwickeln

Verkehrslärm macht krank. Er könnte durch das Active-Sound-System von Eberspächer aber drastisch reduziert werden.

Möglich wird das "Active-Sound-System" durch Antischall, der von Lautsprechern in Richtung des Motorenlärms ausgestrahlt wird und dieselbe Frequenz wie das Abgasgeräusch hat. Schwingen die Schallwellen gegenphasig, heben sie sich einander auf, sodass die Schallemission des Motors nur noch in geringfügigem Maß in die Umwelt gelangen kann. Besonders schwierig war es, unter den extremen Bedingungen des laufenden Betriebs ein Antischall-System stabil genug zu bekommen. Die Lautsprecher sind direkt in den Endschalldämpfer der Auspuffanlage integriert und damit sowohl Witterung als auch der enormen Hitzenentwicklung des Auspuffs ausgesetzt. Auch Vibrationen, Erschütterungen und Schadstoffe belasten das Material. So widerstandsfähige Lautsprecher gab es bisher nicht, Eberspächer musste erst welche entwickeln. Wichtige Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit des Active-Sound-Systems ist darüber hinaus eine maßgeschneiderte elektronische Steuerung, die über spezifische Schnittstellen zum Motormanagement für das perfekte Timing und die richtige Stärke des Antischalls sorgt.

In Zukunft wird Sound modelliert werden wie Knetmasse

Die Auslöschung der Lärm-Schallwellen ist nur der erste Schritt. Man kann auch nur Teile des Motorsounds auslöschen (gegenphasig übereinanderlagern), andere Segmente verstärken (gleichphasig) und mit erwünschten Untertönen ausstaffieren. Bald werden sich Geräusche wie Knetgummi modellieren lassen. Ein weiterer Pluspunkt ist die kompakte Bauweise: Der neue Schalldämpfertyp hat ein bis zu 60 Prozent geringeres Volumen, benötigt entsprechend weniger Platz im Unterboden des Fahrzeugs und zumeist auch weniger Material. Zudem ist er ein Leichtgewicht, der Schalldämpfer wiegt bis zu 40 Prozent weniger als bisher marktübliche Systeme. Aber auch beim Abgasgegendruck ist das Gerät ganz vorn: Möglich ist Reduzierung um bis zu 150 Millibar. Das bedeutet vor allem bei Spitzenleistungen einen reduzierten Kraftstoffverbrauch und einen geringeren CO2-Ausstoß.

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Kommentare zum Artikel (7)

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willhaben
08.12.2009, 07:11Uhr

In einigen Militärhubschraubern gibt es das System schon seit Jahren und Honda hat es im Legend für den Innenraum verbaut.

meersdonk
07.12.2009, 10:50Uhr

...hat Lotus nicht kürzlich erst ein Lärmaggregat für das Toyota Hybrid Auto vorgestellt. Hybrids sollen so leise sein, dass ihre Annäherung von Radfahrern und Blinden nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Hansi
06.12.2009, 00:18Uhr

Klar, die Ausnutzung von Interferenzeffekten ist in der Theorie einfach, die Probleme in der Praxis sind umso gößer und ließen sich in der Vergangenheit auch selten zufriedenstellend regeln. Wenn's diesmal gelingt: Umso besser!

Patrick
05.12.2009, 14:17Uhr

Lauter Schlauberger und Miesmacher mal wieder hier. Kann man nicht einfach mal sagen: Tolle Sache und das auch noch made in Germany!

Respekt vor der Leistung!

Sid
04.12.2009, 21:19Uhr

Ganz richtig, linn!
Gehört zum Lehrstoff der Physik in der 6.Klasse.
Und wieder ein Argument mehr für die Unwissenheit und mangelnde Recherche-Qualität in der Autobild-Redaktion.

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