Infinti Q50 ferngelenkt (Montage)

Spanische Hacker kontrollieren Auto-Steuersysteme

— 13.02.2014

Auto hacken für 15 Euro

Der Infiniti Q50 ist das erste Auto mit Elektrolenkung. Theoretisch wäre es damit möglich, dass Hacker per Funk das Steuer übernehmen. So zum Beispiel mit einem Mikrocomputer für 15 Euro, der von zwei Spaniern gebaut wurde.

(red/jb) Plötzlich rasen Sie in den Gegenver­kehr, knallen gegen einen Brückenpfeiler oder fahren im Ge­birge einen Abgrund hinunter. Sie können nichts dagegen tun, Lenkrad und Brem­sen reagieren nicht mehr. Gruselige Vor­stellung – und bald auch Realität? Zwei spanische Hacker wollen auf der im März 2014 stattfindenden Black-Hat-Hackerkonferenz in Singapur ein selbstentwickeltes Gerät vorstellen, das aus frei erhältlichen Elektro-Bauteilen im Wert von etwa 15 Euro besteht. Damit sollen moderne, computerbasiert gesteuerte Autos drahtlos angegriffen werden können. Das Foto dazu veröffentlichten sie bereits im vergangenen November beim Kurznachrichtendienst Twitter, weigerten sich aber seitdem, weitere Details vor der Sicherheitskonferenz preiszugeben. Assistenzsysteme sind auf dem Vor­marsch: Einpark-, Spurhalte- und Bremsassistenten sowie Abstandsradar können bei vielen Neuwagen mitbestellt werden, unterstützen den Fahrer beim Lenken und Bremsen. Aber dass die Maschine komplett die Kontrolle übernimmt, war bislang un­denkbar. Der Fahrer hatte das letzte Wort, weil eine Mechanik vorhanden war, die die Elektronik im Zweifel überstimmen konnte. Beim Infiniti Q50 ist das erstmals an­ders. Seine Lenkung funktioniert im Normalfall nicht mechanisch, sondern rein elektrisch ("steer-by-wire"). Wer das Lenksteuergerät hackt, den zu­ständigen Computer, könnte das Auto lenken, ohne dass sich dabei das Lenk­rad bewegt. Im Extremfall ließe sich die Lenkradbewe­gung sogar umge­kehrt umsetzen, al­so rechts lenken, links fahren. Dass das nicht völlig abwegig ist, zeigten kürzlich zwei Computerspezialisten in den USA. Von der Rückbank aus manipulierten sie einen Toyota Prius per Laptop, zapften Einpark- und Bremsassistenten an. Der Fahrer, ein Journalist, konnte bei dem Experi­ment zwar noch gegenlenken, die elektrohydraulische Bremse jedoch war tot, der Wagen landete im Graben.

Die Experten warnen vor Panikmache, aber auch vor Gefahren

Thomas Uhlemann von der IT-Sicherheitsfirma Eset erklärt, dass das Pferd vom falschen Ende her aufgezäumt werde. Für Hacker sei der Eingriff in das fahrende Auto nicht vorrangig von Bedeutung: "Interessanter als das Manipulieren von Funktionen wie Lenkung oder Bremsen ist sicherlich das Datensammeln, insbesondere, falls der Fahrzeugbesitzer sein Smartphone-Telefonbuch mit dem Multimedia- bzw. Infotainmentsystem des Autos synchronisiert hat." Hier können Telefongespräche mitgehört, SMS ausgelesen oder ein Bewegungsprofil erstellt werden, indem man auf die Daten des Navigationsgerätes zugreift. Und sobald die Hack-Software meldet, dass das Auto vom Haus des Fahzeugbesitzers wegfährt, starten die Gauner einen Einbruch. Im Fall der spanischen Hacker mit dem 15-Euro-Bauteil sei laut Uhlemann der manuelle Aufwand recht hoch: Zugang zum Fahrzeug und eventuell eine Hebebühne ist notwendig, um den Mikrocomputer an der richtigen Stelle zu verkabeln. Eine Befehlsübertragung ist darüber hinaus nur per Bluetooth möglich, die Maximalreichweite der Funktechnologie beträgt aber "nur" 100 Meter. Ein fahrendes Auto müsste, um es während der Fahrt zu manipulieren, also aktiv verfolgt werden.

Test: Assistenzsysteme

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Auch Marko Wolf vom Computersicher­heitsspezialisten Escrypt warnt vor Panikmache: "Ein Fahr­zeughack ist nicht so leicht zu realisie­ren wie der Hack eines PC, weil im Au­to mehr und stärkere Sicherheitsmaß­nahmen eingesetzt werden." Firewalls und Verschlüsse­lungschips sind hier meist Stan­dard. Zudem un­terscheiden sich die Steuergeräte der einzelnen Au­tos. Beruhigend: In der Fliegerei ist die elektronische Steuerung seit 25 Jahren üblich, ohne dass das zu nennens­werten Zwischenfällen führte. Trotzdem schaut die Autowelt in diesem März (25. bis 28. März 2014) gespannt nach Singapur.

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