Spezialitäten aus Fernost

Suzuki Twin Hybrid Suzuki Twin Hybrid

Spezialitäten aus Fernost

— 24.09.2003

Japans Sushi-Autos

Fünf Gerichte, die uns Japan vorenthält, konnte AUTO BILD rund um Tokio verkosten. Raffiniertes vom Drei-Liter-Zwerg bis zum dicken Zwölfzylinder.

Suzuki Twin Hybrid: Smart lässt grüßen

Ehe wir's vergessen: Erst mal vielen Dank an die japanische Zeitschrift "Engine" und den Twin-Ring Motegi, die es uns ermöglichten, diese raren, leckeren, raffinierten Autos zu probieren. Denn aus welchen marketing- oder finanzstrategischen Gründen auch immer: Sie sind bei uns nicht zu haben. Was bei einigen dieser Modelle durchaus schade ist. Sie zeigen, welche Leckereien noch in Japan stecken.

Fangen wir mit einem ultrasparsamen Mikromobil an: einer Kreuzung aus rund gelutschtem Smart, 3-Liter-Lupo und Elektrokarren. Den Suzuki Twin Hybrid könnte man auch für ein Wägelchen halten, das von einem Kinderkarussell geplumpst ist. Seine grobfugige Karosserie besteht aus Kunststoff, denn der ist leicht. Hier geht es schließlich ums Sparen.

Wie der Öko-Lupo bleibt auch er knapp unter drei Liter Verbrauch. Nur das Konzept ist ganz anders. Statt vier Sitzen gibt es wie beim Smart nur zwei, statt eines supersparsamen Diesels einen winzigen 660-Kubik-Benziner plus einen Elektroantrieb.

Komfort bescheiden, Leistung auch

Damit ist er ein Hybridfahrzeug, bei dem der Benzinmotor zwar immer läuft, aber nicht immer zum Antrieb benutzt wird. Bei zarter Beschleunigung oder beim Dahinrollen fährt man elektrisch, und der Motor lädt nur die Batterie.

Das Ganze ist elektronisch gesteuert, sodass man kaum etwas davon merkt. Die Fahrleistungen sind naturgemäß bescheiden, der Komfort auch. Auf große Fahrt will man damit wirklich nicht gehen, er ist halt – anders als der Lupo – als reines Stadt- und Einkaufsfahrzeug konzipiert.

Technische Daten Suzuki Twin Hybrid • Dreizylinder-Reihenmotor • Hubraum 658 cm3 • Leistung 32 kW (44 PS) bei 5500/min • maximales Drehmoment 57 Newtonmeter bei 3500/min • plus Elektromotor mit 5 kW (6,8 PS) und 32 Nm • Frontantrieb • Viergangautomatik • zwei Sitze • Länge x Breite x Höhe 2735 x 1475 x1450 mm • Leergewicht 700 kg • japanischer Normverbrauch 2,95 l/100 km • Preis ab 1,29 Millionen Yen (ca. 10.000 Euro)

Cube: Bauklötzchen mit Micra-Motor

Ein Leckerbissen mit ganz anderer Geschmacksrichtung ist der Nissan Cube in der griffigen Form eines Bauklötzchens. Unter der charaktervollen Schachtelkarosserie steckt der uns bekannte Liebling aller Frauen, der Micra.

Drinnen ist der Cube dank der aufrechten Sitzposition und der vertikalen Wände äußerst geräumig und licht. Dazu gibt es jede Menge kluger Details von massiven Kleiderhaken über Sitztaschen, Verzurrösen, Thermoskannenfach bis zum Tütenhalter. Nicht so praktisch ist die eindrucksvolle asymmetrische Hecktür. Die lässt sich wie ein Panzerschrank aufschwenken, was man verwünscht, wenn man eng vor einem anderen Fahrzeug parkt.

Der tapfere Micra-Motor ist erstaunlich leise und der sich automatisch zuschaltende Hinterradantrieb im Winter hilfreich, wenn auch etwas primitiv. An der Hinterachse gibt es einen kleinen Elektromotor, der im Fall von vorderem Schlupf ein bisschen Kraft an die Hinterräder spendet.

Technische Daten Nissan Cube • Vierzylinder-Reihenmotor vorn quer • Hubraum 1386 cm3 • Leistung 71 kW(97 PS) bei 5600/min • maximales Drehmoment 136 Newtonmeter bei 3200/ min • Front- oder wahlweise Allradantrieb (per Elektromotor hinten) • Viergang- oder CVT-Automatik • fünf Sitze • Länge x Breite x Höhe: 3730 x 1670 x 1650 mm • Leergewicht 1070 kg • japanischer Normverbrauch 6,1 l/100 km • Preis ab 1,2 Millionen Yen (ca. 9230 Euro)

Toyota Will Cypha setzt aufs G-Book

In die gleiche Kompakt-Klasse wie der Cube gehört der Toyota Will Cypha. Wahrscheinlich verhindert der unaussprechliche Name den Export dieses Autos nach Europa. Dabei steht "Cy" für Cyber und "pha" für Phaeton. Die Delikatessen sind sein futuristisches Styling mit Panzerspähwagen-artigen Scheiben, vertikalen Scheinwerfern und einer Vielzahl kreisrunder Elemente im Innenraum sowie sein G-Book.

Das ist das, an dem alle Entwicklungsbüros der Welt arbeiten: der Vernetzung des Autos per Internet mit der Informationswelt zum Wohle des Kun..., nein, der Industrie natürlich. So erfährt man über den Bildschirm zum Beispiel die aktuellen Sonderangebote bei McDonald's.

Prima. Eigentlich sollte man bei Hunger neutrale Informationen über das gesamte kulinarische Angebot der Umgebung erwarten. Aber natürlich sind in dem System nur diejenigen Etablissements aufgelistet, die dafür bezahlen. Und das sind die, die andauernd über bessere Marketingkonzepte und mehr Profit nachdenken, anstatt anständig zu kochen.

Navigationssystem lotst in den Pazifik

Im G-Book, für dessen Nutzung man natürlich auch extra bezahlen muss, sind nur die Kommerzbetriebe verzeichnet, die im G-Book-System mit machen. Wie Toyota selbst. Der reichste Autohersteller der Welt stellte den Autotestern für die paar Stunden Fahrt nicht mal den Zugang über das System ins Netz zur Verfügung.

Da kam dann Schadenfreude auf, als das integrierte Navigationssystem in der Mitte von Tokio die Orientierung verlor und anzeigte, dass man nun geradewegs in den Pazifik strebe, Kurs San Francisco. Dabei soll Toyota doch so superzuverlässig sein. Aber immerhin kann man über das G-Book auch E-Mails verschicken und empfangen. In den Tokioter Staus hat man auch Muße dazu.

Technische Daten Toyota Will Cypha • Vierzylinder-Reihenmotor • Hubraum 1298 cm3 • Leistung 64 kW (87 PS) bei 6000/min • maximales Drehmoment 121 Newtonmeter bei 4400/min • Front- oder wahlweise Allradantrieb (mit 1,5-Liter-Motor und 105 PS) • stufenlose CVT-Automatik • fünf Sitze • Länge x Breite x Höhe: 3695 x 1675 x 1535 mm • Leergewicht 990 kg • japanischer Normverbrauch 5,6 l/100 km • Preis 1,26 Millionen Yen (ca. 9700 Euro)

Honda Mobilio auf Jazz-Plattform

Kommen wir zu einem nützlicheren Auto, dessen Design Honda selbst als Reminiszenz an europäische Straßenbahnen begreift. Wir würden eher sagen, der Honda Mobilio ist eine Lehrstunde in Raum-Management. Er hat fast die Idealform eines Containers, und man fragt sich, wohin sich eigentlich die ganze Technik verkrümelt hat, die man üblicherweise in einem Auto braucht.

Das Geheimnis liegt in der Plattform. Denn die teilt er sich mit dem auch bei uns angebotenen Raumwunder Jazz. Das heißt ultrakompakter Quermotor vorn, Tank unter den Vordersitzen, Mini-Hinterachse, kleine Räder. Schön kann man die Möbel klappen, schieben, raus- und reinbauen, wie man will.

Sieben Sitze fasst der Viermeterkasten, wobei die letzte Bank nicht mal eine Strafbank ist. Da können selbst Erwachsene noch menschenwürdig unterkommen. Schiebetüren und eine riesige Heckklappe erleichtern das Beladen beziehungsweise Umklappen der Bestuhlung. Ein stufenloses CVT-Getriebe in Verbindung mit einem unaufgeregten 1,5-Liter-Motor macht das Fahren leicht, die gewaltigen Fenster sorgen für exzellenten Überblick.

Eine Schönheit ist der Mobilio sicher nicht, was auch der Grund sein mag, dass er nicht zu uns geliefert wird. Aber er ist eine neue Definition von Praktischsein. Sparsam soll er darüber hinaus auch noch sein. Honda gibt 5,5 Liter auf 100 km an. Entsprechend sagen die Ingenieure durch die Blume, dass der Mobilio kein Auto für Lifestyle-orientierte Leute sei, sondern eher ein braves Werkzeug für Menschen, denen es nur um Nutzwert geht und denen Image und Status piepegal sind.

Technische Daten Honda Mobilio • Vierzylinder-Reihenmotor • Hubraum 1496 cm3 • Leistung 66 Kilowatt (90 PS) bei 5600/min • maximales Drehmoment 131 Newtonmeter bei 2700/min • Front- oder Allradantrieb • stufenlose CVT-Automatik • sieben Sitze • Länge x Breite x Höhe: 4055 x 1685 x 1725 mm • Leergewicht 1280 Kilogramm • japanischer Normverbrauch 5,5 Liter/100 km • Preis 1,629 Millionen Yen (ca. 12.500 Euro)

Toyota Century: Japans luxuriösestes Auto

Das kann man von dem letzten Kandidaten nicht behaupten. Seine Existenz verdankt er altem Prestigedenken. Der Toyota Century ist die rollende Machtdemonstration – auf japanische Art. Seine Karosserie stammt aus dem Jahr 1967, sie wurde beim bislang ersten Facelift 1997 nur leicht modifiziert, die Technik jedoch ist up to date.

Unter der altmodisch kantigen Haube säuselt ein veritabler Hightech-V12 mit offiziell 280 PS, inoffiziell spricht man von gut 300. Diese japanische S-Klasse ist die reine Sänfte. Das Unruhigste ist der Massagesitz im Fond. Vom Motor ist fast nichts zu hören, die Luftfederung filtert alles weg, wobei es auch schon mal schaukelt wie bei einer Kap-Hoorn-Kreuzfahrt.

Doch der Luxus ist absolut. Im Fond befindet sich die Präsidentenspielwiese. Dutzende von Knöpfchen, um die Sitze zu verstellen, die Beine nach vorn durch den Beifahrersitz zu strecken, für Video, Hi-Fi, TV, CD, DVD, Klimaanlage. Der Century ist das luxuriöseste Auto Japans, und natürlich ist er ein reiner Chauffeurwagen.

Nachteile: Straßenlage. Welche Straßenlage? Er schlingert wie ein betrunkener Seemann über die Bodenwellen. Und dann das Design ... Man muss wirklich von vorgestern sein, um dieses chrombeladene Auto attraktiv zu finden. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht nur beim Essen nicht streiten.

Technische Daten Toyota Century V12 • V12-Zylinder • Hubraum 4996 cm3 • Leistung 206+ Kilowatt (280 PS) bei 5200/min • maximales Drehmoment 480 Newtonmeter bei 4000/min • Hinterradantrieb • Viergang-Wandlerautomatik • vier Sitze • Länge x Breite x Höhe: 5270 x 1890 x 1475 mm • Leergewicht 2000 Kilogramm • japanischer Normverbrauch • 13,9 l/100 km • Preis 9,25 Millionen Yen (ca. 71.000 Euro)

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.