Spielzeugautos

— 26.02.2007

Der Schatz im Kinderzimmer

Auf Dachböden und in Kellern schlummern längst vergessene Spielzeugraritäten – manchmal von ungeheurem Wert.

Es waren einmal fünf verstaubte Schuhkartons, sie lagen tief unten im Keller der Familie Jellinghaus. Eines Tages stieg Maximilian, der Älteste, hinab ins Untergeschoss des Hauses in Lauf bei Nürnberg.

Vorsichtig trug er die schweren Kisten an die Wohnzimmeroberfläche, eine nach der anderen, und bettete sie auf den Teppich. Als der Junge den ersten Deckel abnahm, leuchtete es hellrot aus dem Karton. Ein Feuerwehrauto aus Blech, der Großvater hatte einst damit gespielt, als er in Maximilians Alter war. Trotzdem hat das Spielzeug der Marke Schuco nicht einen Kratzer, sogar die Drehleiter lässt sich nach all den Jahren noch spielend ausfahren. Der Enkel ahnte, dass er etwas Einzigartiges gefunden hatte. Doch sein Schatz brauchte einen Schätzer. Vater Eckhard hatte seinen Söhnen Maximilian (16) und Tobias (13) versprochen, dass sie den Erlös der gefundenen Spielzeugkisten behalten dürfen. Doch was sind fünf Kartons voller Modellautos bitte schön wert? Zwanzig, hundert oder tausend Euro?

Die Antwort suchen der Vater und seine Söhne an einem Sonntagmorgen in einem Mercedes-Autohaus in Eckental.
Mercedes 220 S Cabrio, Schuco-Rollfix, 50er-Jahre, bespielt, je nach Zustand 500 bis 1000 Euro.

Mercedes 220 S Cabrio, Schuco-Rollfix, 50er-Jahre, bespielt, je nach Zustand 500 bis 1000 Euro.

Immer, wenn in Nürnberg Spielwarenmesse ist, treffen sich hier gut 2000 Händler und Sammler zum Kaufen, Tauschen und Bestaunen ihrer Spielzeugmodelle. Die großen Autos auf dem überfüllten Parkplatz tragen manchmal sogar Nummernschilder aus Frankreich oder Österreich. Im Verkaufsraum haben die Neuwagen Platz gemacht für kleine alte Autos. Neugierige Japaner lassen ihre Videokameras wie Hubschrauber über den Tischen kreisen, ein Geschäftsmann aus Tokio sagt, dass er "only Porsche" sucht und sonst nichts. Es riecht nach Öl und Bockwurst. Wo werktags Ersatzteile über die Theke gereicht werden, blubbert heute eine Kaffeemaschine. Die Leute schieben sich an den Ständen vorbei, vorsichtig trägt Maximilian Jellinghaus seinen roten Leiterwagen durch die Hallen.

Er sucht seinen Experten zwischen all den Exponaten, von denen eines schöner als das andere ist: Ein Distler-Porsche von 1956 glänzt in einer Glasvitrine. Der Wagen hat drei Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang.
Blech-Motorrad, Tipp&Co, 50er-Jahre, 450 Euro.

Blech-Motorrad, Tipp&Co, 50er-Jahre, 450 Euro.

In das winzige Loch am Armaturenbrett passt ein mitgelieferter Zündschlüssel im Lederetui. Ein in die Jahre gekommener Jungentraum aus der Zeit des Wirtschaftswunders, 650 Euro soll der Blechbolide bringen – ohne Karton. Überhaupt, der Karton: "Wer den noch hat, erzielt oft 25 Pozent mehr", sagt Kai Seehase. Der 60-Jährige benötigt nur wenige Sekunden, um ein Spielzeugauto zu taxieren. Behutsam wiegt er einen grau-weißen Opel Blitz in seinen Händen. Siku, um 1960, komplett aus Plastik. "50 Euro", sagt Seehase, doch dann fällt ihm was auf: Eine Ecke der Plastikplane ist abgebrochen, das drückt den Preis auf "vielleicht 25 Euro, mehr ist nicht drin", sagt der Mann mit dem grauen Vollbart traurig. Der Spielzeugsfreund sammelt seit 55 Jahren Spielzeugautos. Werktags betreut er Behinderte, am Wochenende taucht er ab in die schöne heile Welt alten Spielzeugs. "Ein schöner Ausgleich", sagt Seehase, der im Jahr vielleicht 20 Modellautobörsen besucht.

Ihn kennt dort jeder, weil er sich auskennt. Auch mit den Schätzen, die auf Dachböden und Kellern schlummern. "Nur zehn bis 15 Prozent des alten Spielzeugs tauchen bei Sammlern oder auf solchen Börsen auf", sagt Seehase. Doch manchmal hat er Glück.
VW Käfer von Fritz Hörnlein, zum Aufziehen, über 50 Jahre alt, je nach Zustand von 800 bis 1000 Euro.

VW Käfer von Fritz Hörnlein, zum Aufziehen, über 50 Jahre alt, je nach Zustand von 800 bis 1000 Euro.

Markus Müller stellt ein 1:8-Modell eines Ferrari F 40 auf das Dach seines roten Golf. "Mein Vater hat ihn mir geschenkt, als ich noch ein kleiner Bub war", sagt sein Besitzer und holt den Pocher-Nachbau aus einer Umzugskiste. Zu Hause braucht der Student jetzt Platz – und auch ein wenig Geld. Schätzer Seehase ist interessiert. "Da stecken bestimmt 500 bis 800 Arbeitsstunden drin", sagt er. Am Ende bezahlt er 260 Euro für den roten Renner "mit den kleinen Schönheitsfehlern" und verstaut ihn behutsam wieder im Karton. Und es kommt noch eine Schatzkiste, die von Maximilian. Als Kai Seehase die Feuerwehr aus dem Schuhkarton auf 800 Euro schätzt, glänzen nicht nur Kinderaugen. "So viel – das hätte ich nie gedacht. Ich habe mit höchstens 100 Euro gerechnet", sagt Vater Eckhard. Es lohnt sich eben, sie zu heben: die Schätze aus den Kinderzimmern.

Autor: Claudius Maintz

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