Spionage-Skandal in der Formel 1

Formel 1: Mercedes gegen Ferrari Formel 1: Mercedes gegen Ferrari

Spionage-Skandal in der Formel 1

— 05.07.2007

Ein Buch voller Geheimnisse

Ex-Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney soll 500 Seiten Geheim-Infos an McLaren-Mercedes verraten haben. Die FIA ermittelt.

Die Formel 1 – ein Kampf um Macht und Millionen. Intrigen und Sabotage inklusive. Drei Tage vor dem Rennen in Silverstone tobt der Spionage-Krieg auf Hochtouren! Seit gestern (4. Juli) ermittelt sogar der Weltverband FIA in dem Vorfall. Es sickern immer mehr pikante Details der Affäre um Ferrari und WM-Spitzenreiter McLaren-Mercedes durch. Jetzt ist klar: Ferraris Chef-Mechaniker Nigel Stepney (48) hat ein 500-Seiten-Dokument an seinen Freund Mike Coughlan (42), Chef-Designer bei den Silbernen, weitergegeben! Beide sind mittlerweile fristlos gefeuert!

Im Spionage-Paket befinden sich wertvolle Informationen zur Fahrzeugabstimmung, Rennstrategie, Entwicklungspläne für die Zukunft und Test-Ergebnisse. Der wegen einer Nicht-Beförderung gefrustete Stepney soll sogar Infos zur Teamstruktur und Zeichnungen des aktuellen Autos überspielt haben. Übergabe war Ende April. Einen Monat später startete Mercedes die Serie von drei Siegen in Folge. Premiere-Experte Marc Surer: "Das wirft einen großen Schatten auf die Siege von Mercedes. Auch wenn ich mir schwer vorstellen kann, dass solche Infos schnell verwertet werden können."

Nur wenige Daten sind verwendbar

Nigel Stepney (Mitte) ist Auslöser des Spionage-Skandals.

Theoretisch sind nämlich nur wenige Daten für Mercedes anwendbar. Vom Konzept her sind die zwei Autos total verschieden. So hat der Ferrari F2007 zum Beispiel einen 13 Zentimeter längeren Radstand. Auch die Gewichtsverteilung und die Balance sind so unterschiedlich, dass eine Übernahme schädlich wäre. Mercedes-Partner McLaren stellte gestern in einem kurzen Statement klar, "dass kein geistiges Eigentum von Ferrari zu anderen Mitgliedern des Teams durchgedrungen oder gar in die Autos eingeflossen ist". Und sagte der FIA Unterstützung bei hausinternen Ermittlungen zu. Der letzte Spionage-Fall der Königsklasse drang 2003 an die Öffentlichkeit. Jean Todt hatte drei Ex-Ferrari-Mitarbeiter angezeigt, weil sie Aerodynamik-Software mit zu Toyota genommen hatten. Diesmal zerrt Todt seinen Ex-Chefmechaniker Stepney vor Gericht. Dem Saboteur (er wollte in Monaco die eigenen Ferrari mit weißem Pulver manipulieren) droht jetzt sogar Gefängnis.

Das sagt Formel-1-Experte Hans-Joachim Stuck

Hans-Joachim Stuck: "Das ist schon Wahnsinn, unterstes Niveau."

Seit 33 Jahren arbeitet er in der Formel 1, war Berater und ist heute unter anderem Experte bei TV-Sender "Premiere": Hans-Joachim Stuck (56) im BILD-Interview zum Spionage-Skandal in der größten Rennserie der Welt.

BILD: Überrascht Sie der Fall Stepney? Stuck: Absolut. Mit einer solchen Aktion hätte ich heute nie mehr gerechnet. Das ist schon Wahnsinn, unterstes Niveau. Aber ganz grundsätzlich gilt: Die Spionage gehört zur Formel 1 wie Gasgeben und Bremsen.

In welcher Form? In jeder erdenklichen – nur eben äußerst selten auf diesem extrem hohen und dreisten Level. Aber dass Informationen verkauft werden oder Fotografen beauftragt werden, von diesem oder jenem Teil des Konkurrenten mal ein spezielles Foto zu schießen – das ist gang und gäbe.

Warum? Geld stinkt nicht, und in der Formel 1 schon gar nicht. Ich sag's mal drastisch: Wenn es um Kohle geht, wird in der Formel 1 jeder schnell zur Hure.

Wie wird mit Informationen gehandelt? Grundlage der Spionage ist die Tatsache, dass die halbe Formel 1 auf ein paar Quadratkilometern in England stationiert ist. Da arbeitet der eine Bruder bei Williams, der andere bei McLaren. Dessen Freundin bei Renault und ihr Ex-Liebhaber tüftelt am Honda – und abends im Pub treffen sich alle beim Bier!

Hat McLaren von den Ferrari-Infos profitiert? "Da lege ich mich fest: Nein! Wer Teamchef Ron Dennis kennt, der weiß, dass ihm Ehre wichtiger ist als alles andere. Bevor der Informationen von seinem größten Erzfeind annimmt, springt er lieber vom Dach seiner Super-Fabrik.

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