Sponsoren drohen mit Rückzug

Starker Tobak für die Formel 1 Starker Tobak für die Formel 1

Sponsoren drohen mit Rückzug

— 26.07.2002

Starker Tobak für die Formel 1

Durch das Zigaretten-Werbeverbot drohen künftig Millionen-Verluste. Doch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hält dagegen.

Ausstieg der Tabakkonzerne schon 2006?

Deutschland-Flaggen, wohin das Auge blickt, rote Ferrari-Fahnen mit dem Konterfei von Michael Schumacher, auf die Zufahrtsstraßen gepinselte Glückwünsche, Transparente – Hockenheim rüstet sich für den Besuch des neuen Formel-1-Weltmeisters. Der Trubel um Schumacher kann die Anzeichen der Krise, die die Formel 1 erfasst hat wie ein bösartiges Geschwür, jedoch nicht überdecken. Sinkende Zuschauerzahlen, hoch verschuldete Teams, gerichtliche Auseinandersetzungen trüben vor dem Grand Prix von Deutschland (Sonntag, 28.7., 14 Uhr, RTL und Premiere live) die Stimmung im Fahrerlager.

Und es kann noch schlimmer kommen für die Branche, die von Kennern wie Schumachers Manager Willi Weber immer noch als "weltweit bestes Vermarktungsinstrument" gepriesen wird. Potente Tabaksponsoren, die den Vollgaszirkel mit ihren Finanzspritzen am Leben erhalten, drohen mit Rückzug. "Wenn das Tabakwerbeverbot in Kraft tritt, macht unser Engagement in der Art, wie wir es bisher betrieben haben, keinen Sinn mehr", sagt ein Manager vom US-Konzern Philip Morris, der die Marke Marlboro vertreibt. Mitarbeiter von Tabakhersteller West, der kürzlich vom britischen Imperial-Konzern übernommen wurde, wollen schon wissen, dass der Ausstieg ab 2006 beschlossen ist.

In gut vier Jahren soll die Ausnahmeregelung vom Tabakwerbeverbot, das gemäß einer EU-Richtlinie europaweit 1998 beschlossen wurde, in der Formel 1 aufgehoben werden. Heißt: Ab 2007 sind Zigarettenbanner tabu. Hohe Einbußen für die Spitzenteams wären die Folge. Insgesamt über 200 Millionen US-Dollar steuern Tabakkonzerne über ihre Marken Marboro, West, Benson & Hedges, Lucky Strike und Milde Seven bei. Bei den Spitzenteams von Ferrari und McLaren-Mercedes kommen Marlboro und West sogar für ein Fünftel des Budgets auf.

"Neue Geschäftspartner stehen Schlange"

In Frankreich und Großbritannien wurde bereits die Zigarettenwerbung von den Banden entlang der Strecke verbannt. Not macht erfinderisch. In Frankreich beispielsweise ließ Teamchef Eddie Jordan den Sponsorennamen Benson & Hedges kreativ abwandeln. Auf den Boliden und am Motorhomes prangt nun der Schriftzug "Be on edge". Aus Lucky Strike wurde Look alike, aus Mild Seven Blue Heaven. Ein neuer Slogan oder ein abgewandeltes Logo sollen künftig mit der Zigarettenmarke assoziiert werden. Allerdings: "Wenn wir den Kunstgriff brauchen, um uns ins Gedächtnis zu rufen, müssen die Teams Abstriche in Kauf nehmen", sagt der Tabak-Manager von Philip Morris.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone will von Verlusten nichts wissen, er glaubt an "die Gesetze des Marktes". "Dutzende von neuen Geschäftspartnern" würden Schlange stehen, sagt der Brite. Sie warteten nur darauf, für die Tabakkonzerne einzuspringen. Zudem hofft Ecclestone, dass ihm die Tabakunternehmen gewogen bleiben, die durch die Formel 1 in den vergangenen Boom-Jahren "ein weltweites Ansehen bekommen haben", wie Reemtsma-Vorstand Dieter Weng noch im Vorjahr über die Marke West jubelte.

Ob alternative Geldquellen tatsächlich reibungslos zu erschließen seien, bezweifeln Experten. "Das Sportsponsoring ist in der Krise", konstatierte kürzlich das US-Wirtschaftsmagazin Forbes. Da mache die Formel 1 keine Ausnahme. Ein Druckmittel hält Ecclestone in der Hand. Der Impressario kann mit der Streichung europäischer Rennen drohen. In Bahrain, Russland und China darf für Tabak unbegrenzt geworben werden.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.