Sportec Scirocco SC 350

Sportec Scirocco SC 350

— 28.09.2009

Leistungssportler

Mit dem von Grund auf überarbeiteten Scirocco SC 350 bläst Tuner Sportec zum Sturm auf Focus RS oder Porsche Cayman. Das jähe Ende einer Tesfahrt verhindert den Umsturz.

Anfangs wollte kein Kollege eine Prognose wagen. Zu groß waren die Fragezeichen, die angesichts der Eckdaten im Raum standen: 350 Turbo-PS und Frontantrieb. Kann ein VW Scirocco diese Leistung überhaupt auf die Straße bringen? Oder mutiert er zu einer wild gewordenen Kompaktwagen-Bestie, die vor Kraft kaum laufen kann? Zumindest für seine Erbauer war der Fall klar: "Wir wissen, was unser Scirocco kann", entgegnete die Performance-Schmiede Sportec auf unsere Bedenken. Keine Zweifel bestehen am betriebenen Aufwand. Die Schweizer gingen nach dem Motto "lieber klotzen statt kleckern" an dieses Projekt heran und unterzogen den VW einer folgenschweren Kernsanierung. Herzstück der Leistungssteigerung ist ein eigens konstruierter Wastegate-Turbolader. Mit größerem Läufer, Verdichter sowie geändertem Verdichtergehäuse und strömungsoptimierten Kanälen schraubt er den Überdruck im Ansaugtrakt auf bis zu 1,35 Bar. Eine geänderte Motorsteuerung managt den gestiegenen Kraftstoffbedarf, während Sportluftfilter, eine Abgasanlage mit Edelstahlkatalysatoren und ein Ladeluftkühler im XXL-Format das Motorentuning abrunden.

Hochleistungsmotorenöl statt Ölkühler

Optisch hüllt der Tuner seinen Scirocco in einen gut sitzenden Trainingsanzug.

Trotz der höheren thermischen Belastungen verzichtet Sportec beim 350 SC auf einen zusätzlichen Ölkühler. Projektleiter Thomas Hofer gibt dennoch Entwarnung: "Wir tragen der gestiegenen Belastung dahingehend Rechnung, dass wir ausschließlich das bewährte Hochleistungsmotorenöl TWS 10W-60 nutzen. Im Vergleich zu serienmäßigen Leichtlaufölen hält dessen Schmierfilm deutlich höhere Temperaturen und Druckspannungen aus." Fahrwerksseitig gehen die Schweizer ebenfalls keine Kompromisse ein. So installieren sie neben einem Gewindefahrwerk samt neuer Stabilisatoren eine Differenzialsperre mit variabler Sperrwirkung und einen 20-Zoll-Radsatz mit extrem gripfreudigen Michelin-Reifen. Die vorderen Radhäuser bewohnt ab sofort eine 355-Millimeter-Sportbremsanlage. So viel zur Theorie. Ein erstes Anfühlen in der Praxis sorgt prompt für Überraschung. Denn im unteren Drehzahlbereich benimmt sich der getunte Viertöpfer erstaunlich handzahm, zieht dank des größeren Laders willig, aber keineswegs stürmisch aus Drehzahlniederungen. Erst ab 3000/min baut die Turbine spürbar mehr Druck auf als das Serienaggregat. Zur Höchstform läuft das Maschinchen ab 4000 Touren auf. Begleitet von markerschütterndem Laderpfeifen, zieht es willig und extrem kraftvoll bis an den roten Bereich. Der Lader setzt dabei stets homogen und gleichmäßig ein, was auf Dauer dem im Serienzustand belassenen Motorinnenleben und dem feingliedrig verzahnten DSG-Getriebe zugutekommt.

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Saftige 9006 Euro wandern für die 150-PS-Spritze ins schweizerische Höri.

Wenig Rücksicht auf Material und Besatzung nimmt hingegen das Fahrwerk. Die neue Feder-Dämpfer-Abstimmung legt den Scirocco staubtrocken auf den Asphalt. Wankbewegungen und starkes Eintauchen bei harten Bremsmanövern sind somit passé. Im Alltag setzt die kompromisslose Auslegung allerdings eine hohe Leidensfähigkeit voraus. Ein ausgeprägtes Leidenskapitel für die Sportreifen stellt hingegen der Standardsprint auf 100 km/h dar. Zwar verfügt der Scirocco mit DSG von Haus aus über eine Art Launch-Control, doch mit 350 PS vermag diese Regelinstanz wahrlich nicht hauszuhalten. Nachdem bei 3200 Touren der Kraftschluss anliegt, trampeln und radieren die vorderen Cup-Reifen fröhlich auf dem Asphalt herum. Weitere Versuche ohne Anfahrhilfe wirken wesentlich homogener, bringen allerdings keinen Zeitvorteil. So holt sich der Sportec trotz wild durchdrehender Räder mit 5,3 Sekunden den Titel "Schnellster Sprinter mit Vorderradantrieb". Ähnlich souverän bewältigt der Kompaktflitzer die Bremsprüfung. Die installierte Sportbremsanlage setzt das hohe Gripniveau der Sportreifen auch nach zehn Bremsungen effizient um. Zudem gefällt sie mit klarem Druckpunkt und sehr guter Dosierbarkeit. Inwieweit der Scirocco seine Pattex-Reifen querdynamisch nutzen kann, wollten wir auf der 3,7 Kilometer langen Sachsenring-Achterbahn herausfinden.

Ausgeblasener Funke

Schnellster Fronttriebler ist hier bislang der Ford Focus RS mit einer Rundenzeit von 1:45,00 Minuten. Schon nach wenigen Kurven wird klar, dass Sportecs Scirocco diese Zeit in Grund und Boden stampfen wird. Im oberen Drehzahlbereich spricht der Lader äußerst zackig an, wodurch fast der Eindruck entsteht, hier wäre ein Saugmotor am Werk. Wer beim DSG-Getriebe das S-Programm vorwählt, bekommt zudem stets die richtige Fahrstufe gereicht. Einzig das etwas übereifrige ESP neigt bisweilen zu unangebrachtem Tatendrang und bremst den Fahrer am Limit mit unharmonischen Eingriffen spürbar ein. Auch die Bremsanlage konnte keine überzeugende Leistung abliefern. Bereits nach zwei Runden wurde der Pedalweg länger, nach vier Runden bettelte sie schließlich qualmend um eine kühlende Auslaufrunde. Scheinbar hatte auch der Motor diesen Wunsch vernommen, denn kurz darauf blinkte die Motorwarnleuchte auf, und das Triebwerk lief kurz mit gefühlter Serienleistung. Was war geschehen? Thomas Hofer bezieht Stellung: "Die 350-PSAusbaustufe ist im Bereich des Kraftstoff-Füllstroms sehr heikel und verlangt einen penibel eingestellten Zündkerzenabstand. Im Vorfeld wurden beim Testfahrzeug zwei Zündkerzen gewechselt und anscheinend nicht optimal eingestellt. Daher war der Motor kurzzeitig in der Lage, den Zündfunken einfach auszublasen." Anschließend fügt er hinzu: "Wir wissen, was unser Scirocco kann."

Sportec SC 350
Motor R4, Turbo
Hubraum 1984 cm³
kW (PS) bei 1/min 257 (350)/5900
Nm bei 1/min 480/4200
Antriebsart Vorderrad
Getriebe 6-Gang-Doppelkupplung
Preis Testwagen 60.200 Euro

Autor: Manuel Iglisch

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