Sportwagen mit Lenkradschaltung

Sportwagen mit Lenkradschaltung Sportwagen mit Lenkradschaltung

Sportwagen mit Lenkradschaltung

— 21.02.2002

Schöner schalten

Warum zum Knüppel greifen? Das Lenkrad liegt doch so nah. Gangwechsel per Wippe - Alfa Romeo, Ferrari, BMW und Toyota zeigen, wie es geht.

Schalten wie Rennfahrer

Der Fortschritt kommt manchmal nur langsam in die Gänge. Über 100 Jahre klackte das Autogetriebe wie zu Urvaters Zeiten. Die Synchronisation hielt Einzug, der eine oder andere Zusatz-Gang, das war es schon. Es blieb beim Schalthebel, die Kupplung verlangt immer noch Feingefühl, und Fahrschüler hoppeln bei falscher Bedienung wie Kaninchen - ein Graus für Mensch und Technik. Mit Automatik klappt das alles schon ohne großen Schluckauf, doch die Technik versenkt nach wie vor Leistung sowie Sprit im Wandleröl.

Jetzt aber schalten immer mehr Hersteller um. Alfa Romeo, BMW, Ferrari und Toyota bieten nun Schaltautomaten mit Schaltwippen am Lenkrad an. Die Formel 1 für Feierabend-Schumis funktioniert nach folgendem Rezept: Man nehme ein Schaltgetriebe mit fünf oder sechs Gängen. Daran hängen die Techniker einen hydraulischen, vom Computer kontrollierten Automaten, der Gangwechsel und Kupplung erledigt.

Das gibt es zwar auch bei Mercedes (Sequentronic und Smart-Getriebe). Doch die Möglichkeit, den Gangwechsel am Lenkrad zu erledigen, haben nur Alfa 147 Selespeed, BMW M3 SMG II, Ferrari 360 Modena F1 und Toyota MR2 SMT. Wer gerade keine Lust hat, Gänge zu sortieren, kann das Schalten auch komplett ans Getriebe delegieren. Dann fahren die Sportler wie mit Automatik.

Ferrari und BMW

Ferrari stand (gemeinsam mit BMW) bei dieser Technik auf der Pole-Position und führte sie im 355 ein. Das System heißt nicht nur F1, die Italiener konnten wohl tatsächlich von Erfahrungen bei Rennen profitieren. Schumi schaltet schon länger so. Sein Getriebe ist zwar anders aufgebaut, aber das interessierte die Kunden des 355 F1 wenig. Sie konnten endlich Gänge sortieren wie ihr Idol. Keines der italienischen Rösser geht verloren wie in einer herkömmlichen Automatik, dazu gibt das System sogar selbsttätig Gas beim Runterschalten. Schont nicht nur die Gangräder, sondern klingt auch wie Sonntagnachmittag in Monza.

Kein Wunder, dass das System in überarbeiteter Form im 360 angeboten wird. Und es passt zum bisher schönsten und besten Ferrari der Neuzeit wie der Siegerkranz zum springenden Pferd. Das herkömmliche Schalt-Getriebe sieht mit seiner wunderschönen Kulisse zwar schnell aus, ist aber so störrisch, dass niemand so flott schalten kann, wie es jetzt die Wippen möglich machen. Wunderbar komfortabel und fast ohne Rucken. Ein Geheimnis des Weltmeisters bleibt allerdings, warum die Wippen sich nicht mitdrehen. So kann der Fahrer in engen Kurven nicht schalten. Trost: Ist erst die Antriebsschlupfregelung ausgeschaltet, erhöht sich das Schalttempo. Nur falls Coulthard im Rückspiegel lauert...

Weit mehr Spielmöglichkeiten bietet der M3. Schalten an Lenkradwippen oder am Knüppel, fünf Programme für den Automatikmodus, sogar sechs im manuellen. So wählen Spielernaturen, ob sie nun etwas komfortabler schalten oder schneller. Das funktioniert viel besser als die erste SMG-Generation. Sowohl die Schaltrucke als auch die Akustik zeigen aber, was für Kräfte wirken. Immerhin arbeitet das SMG mit einem Systemdruck bis zu 85 Bar. Absoluter Höhepunkt: DSC (ESP) ausschalten und die sechste - schnellste Stufe - eingeben. Dann wirft SMG die Gänge in 0,08 Sekunden hinein. Zusammen mit dem Rennstartmodus und der Sportstellung fürs Gaspedal voll wettbewerbstauglich.

Toyota und Alfa

Der Toyota MR2 SMT erscheint ein bisschen wie der zweite Ferrari dieses Vergleichs: rot, zweisitzig und auch extrem sportlich. Nur eben zu einem Fünftel des Preises. Konsequent, dass der Toyota als Einziger auf den Automatikmodus verzichtet. Dafür versucht er die Bedienung durch je zwei Knöpfe für Hoch- und Runterschalten zu vereinfachen. An sich eine gute Idee, aber die Position der Schalter vor und hinter dem Lenkrad ist nicht ganz ideal. Dafür liegt immerhin der kleine Chromschalthebel perfekt zur Hand.

Der Toyota lässt sich am meisten Zeit beim Schalten, aber für den Normalverkehr muss es auch nicht schneller gehen. Wer auf die Zehntel nicht verzichten will, greift zur Normalversion, die in 8,1 statt 9,2 Sekunden auf 100 rennt. Ein letztes Mal kommt Ferrari beim Alfa 147 ins Spiel. Die schöne Konzerntochter lieferte im Prinzip die Technik für den 147 Selespeed. Der schaltet ebenso weich hoch wie der F1, der richtige Spaß kommt aber beim Zurückschalten: Keiner gibt so frech Zwischengas, der Gangwechsel ersetzt bei so einem wohlklingenden Vierzylinder locker das Radio.

Umso merkwürdiger, dass Selespeed schon 250 Umdrehungen vor dem roten Drehzahlbereich zwangsweise hochschaltet. Und der automatische, sehr komfortable City-Modus greift über 4000/min sehr ungern auf niedrigere Gänge zurück. Trotzdem passt die im Vergleich mit 2303 Mark billigste Lenkradschaltung bestens zum Fahrspaß-Auto 147.

Darum geht es hier doch schließlich: um Spaß am schöneren Schalten. Und da haben die Getriebe wirklich einen Zahn zugelegt.

Die Systeme im Vergleich

Ferrari 360 Modena F1 Beim Modena 360 F1 fährt ein gutes Stück Formel 1 mit. In 5,2 Sekunden geht's auf Tempo 100, Spitze 296. Beim Preis empfiehlt sich auch Schumis Gehaltsklasse: 245.500 Mark - das entspricht einem Aufpreis von 15.600 Mark gegenüber der herkömmlichen Schaltung. Die Schaltwippen drehen in Kurven nicht mit. Der Rückwärtsgang ist etwas umständlich einzulegen.

BMW M3 SMG II Der BMW M3 mit SMG (sequenzielles M-Getriebe) der zweiten Generation bietet alle Möglichkeiten, auch wettbewerbsmäßig zu fahren. Er beschleunigte schneller als ein normal geschaltetes Exemplar (0-100 in 5,2 statt 5,7 s, 0-200 in 18,7 statt 19,0 s). Es gibt so viele Programmiervarianten wie sonst nirgends. Doch die 5900 Mark Aufpreis lohnen sich nur für Fahrer mit sportlichen Ambitionen.

Toyota MR2 SMT 49.130 Mark sind nicht ganz wenig. Doch mit dem Aufpreis von 2503 Mark für den SMT (Sequential Manual Transmission) erhöht sich die ohnehin große Fahrfreude am MR2 noch mal ein Stück. Die besseren Fahrleistungen bietet allerdings das herkömmlich geschaltete Fahrzeug. Die vier Schaltknöpfe vor und hinter dem Lenkrad liegen nicht ganz perfekt zur Hand.

Alfa 147 2.0 Selespeed Distinctive Keiner schaltet mit so kernigen Zwischengasstößen zurück wie der Alfa. Wie bei den anderen Autos auch schont das vor allem Getriebe und Synchronisation. Sein System ist sehr komfortabel und mit 2503 Mark gleich günstig wie beim MR2. Die Schaltwippen des Alfa sind gummiert und deshalb besonders griffgünstig. Das System basiert auf Ferrari-Technik. Nachteil: Es schaltet hoch, ohne dass der Fahrer es will. Die Fahrleistungen sind noch angemessen (0-100 in 9,8 s, Spitze 208 km/h), der Schaltkomfort sehr hoch.

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