Die Fans wünschen sich einen engen Kampf der drei Hersteller in der LMP1

Sportwagen-WM: Kampf in der LMP1

— 14.03.2016

Porsche stabil, Toyota schnell, Audi radikal

Harter Dreikampf um die WEC-Krone und den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans: So gehen die drei Hersteller in den Langstrecken-Wettbewerb 2016.

In gut zwei Wochen treffen die LMP1-Protagonisten der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) beim Prolog in Le Castellet erstmals im Jahr 2016 aufeinander. Die Karten werden zum Start in die Saison neu gemischt sein. Porsche hat sein Siegerfahrzeug vom Vorjahr weiterentwickelt, Audi und Toyota kommen mit ganz neuer Technik und teils radikalen Konzepten. Wer hat in diesem Dreikampf um WEC-Erfolge und den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans die besten Aussichten?

Die Fans wünschen sich einen Dreikampf in der LMP1

Aus den Lagern der Hersteller sind unterschiedliche Signale zu vernehmen. Porsche gibt sich angesichts des bewährten 919-Konzepts gelassen, bei Toyota ist man aufgrund der offenbar erfolgreichen Tests mit dem neuen TS050 angriffslustig und bei Audi hat man bezüglich der Zuverlässigkeit des neuen R18 noch einige Arbeit. Die Ingolstädter erweitern zur WEC-Saison 2016 ihr Hybridsystem auf sechs Megajoule, dabei setzt man erstmals auf Batterien als Speicher.

"Für neue Energiequellen oder radikale Ansätze ist es noch zu früh. Dafür bieten die Batteriesysteme noch zu viel Potenzial, die Entwicklung ist rasant. Außerdem bieten diese Systeme ganz einfach schon die notwendige Stabilität", erklärt Audi-Technikchef Jörg Zander im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Die genauen Details der Audi-LMP1-Technik dieses Jahrgangs werden erst im Rahmen der Testfahrten in Südfrankreich bekannt. Dort wird auch Toyota das neue Auto vorstellen.

Audi baut auf aerodynamische Effizienz

"Der neue R18 ist ein sehr radikales Auto. Es hat sich im Bereich Aerodynamik als stark erwiesen. Die Regeln verschaffen LMP1-Autos mit 8MJ-System und Benziner immer noch gewisse Vorteile, aber dennoch werden auch wir ein effizientes Auto haben", meint Andre Lotterer nach den ersten Tests gegenüber 'AUTOhebdo'. Der gebürtige Duisburger sieht allerdings noch viel Arbeit vor dem Saisonstart. "Wir müssen das Paket standfest hinbekommen."

Audi will 2016 in der WEC zurückschlagen

Aufgrund der aerodynamischen Stärken rechnet sich Lotterer gute Chancen vor allem in Le Mans aus, wo er gemeinsam mit Marcel Fässler und Benoit Treluyer bereits zweimal siegen konnte. Ein solcher Erfolg blieb Toyota bisher an der Sarthe stets verwehrt. Die Japaner lechzen nach einem Le-Mans-Sieg und greifen 2016 entsprechend an. Der TS050 hat einen neuen Turbo-Benziner verpasst bekommen, zudem wechselte man - ebenso wie Audi - auf Batteriespeicher.

In einem Punkt bleibt Toyota sich treu: Auch im neuen Auto arbeiten zwei Rückgewinnungs-Systeme an den Bremsen (KERS). Man verzichtet auf die Vorteile, die eine Abgasenergie-Rückgewinnung wie im Porsche 919 bietet. "Wenn man zwei Systeme einsetzen möchte, kann man dann auf Abgas und Bremse setzen, oder ober doch nur auf die Bremsen? Das ist die Frage aller Fragen, und wir beantworten sie mit 'zwei KERS'", sagt Toyota-Technikchef Pascal Vasselon in der 'Pitwalk'.

Toyota mit neuem Verbrenner und bewährtem KERS

"Unsere Simulationen sagen, dass diese Lösung die beste Leistungsdichte ergibt", erklärt der Franzose. Der Hintergrund: Bei der Rückgewinnung an der Bremse bekommt man die Energie quasi "umsonst" geliefert, während ein System am Abgasstrang immer zu leichten Leistungseinbußen im Bereich Verbrennungsmotor führt. Nach den ersten Tests mit dem TS050 sind viele positive Stimmen zu hören. Von Kampfansagen sieht man ab, nachdem man 2015 auf die Nase gefallen war. Beim Rennen in Spa habe man "sehr schnell, sehr schmerzhaft" gesehen, dass man zurückliege, so Vasselon rückblickend.

Auch bei Toyota hat man sich gut vorbereitet

Nach dem Rollout in Aragon im Januar absolvierte Toyota unter anderem einen weiteren Test in Le Castellet, bei dem man bereits auf hohe Laufleistungen kam. Audi hingegen hatte vor allem bei Testfahrten in Sebring reichlich Sorgen mit der Standfestigkeit. Bei Probefahrten in Bahrain Anfang Februar lief der neue R18 bereits stabiler. Audi und Toyota werden aufgrund des strammen Entwicklungsprogrammes jeweils nur ein neues Auto zum Prolog bringen, Porsche fährt dort mit zwei Fahrzeugen.

"Wir haben die Nummer 1 auf dem Auto - und diese Nummer wollen wir verteidigen. Das ist eine große Motivation für uns alle", so die klare Ansage von Weltmeister Brendon Hartley. "Audi war uns in den letzten Rennen des vergangenen Jahres schon sehr nahe. Die waren nicht leicht zu schlagen. Wir unterschätzen den Wettbewerb ganz sicher nicht. Toyota ist genau das zu Beginn von 2015 wahrscheinlich passiert. Seither arbeiten die unter hohem Druck daran, dass ihnen das nicht wieder passiert."

Gerüchte aus gegnerischen Lagern lassen Porsche kalt

"Wir haben bislang nie gemeinsam mit Toyota und Audi auf einer Strecke getestet. Es wird sich also frühestens beim Prolog in Le Castellet ein erstes Bild ergeben. Beide Mitbewerber kommen mit veränderten Konzepten und neuen Technologien. Einige Dinge werden bestimmt unserem bisherigen Konzept recht ähnlich sein. Ich bin sicher, dass es insgesamt noch enger wird und wir spannenden Wettbewerb vor uns haben", schätzt der Neuseeländer, der sich seinen 919 Hybrid weiterhin mit Timo Bernhard und Marl Webber teilen wird.

Die Japaner von Toyota haben das Schattendasein satt

"Wir hören natürlich die Gerüchte., Aber wenn man danach geht, dann würden wir auch nicht viel fahren", lacht Porsche-Teamchef Andreas Seidl angesichts der Meldungen aus den Lagern der Konkurrenz. "Wir hören von Toyota die Gerüchte, dass sie super Dauerläufe fahren. Aber ist das wirklich so? Auf solche Wasserstands-Meldungen geben wir nicht viel", stellt der Rennleiter der Werksmannschaft aus Weissach klar.

"Toyota hört sich sehr selbstsicher an, von Audi hört man andere Dinge. Aber das von außen zu betrachten, ist vielleicht unfair", meint Timo Bernhard. "Die 6-Stunden-Rennen können enger werden und gerade im Qualifying kann es sehr eng werden. Audi war letztes Jahr in Fuji schon richtig dicht dran. Ich denke nicht, dass wir wieder alle Poles holen werden", erklärt der Saarländer. "Von außen mögen der Audi und der Toyota sehr spektakulär aussehen, aber einen Beweis können nur die Resultate liefern", ergänzt Mark Webber.

Bei Porsche setzt man auf konsequente Weiterentwicklung der bestehenden Systeme. Aufbauend auf das Monocoque aus dem Vorjahr hat man "alle Elemente im Detail weiter verbessert", so Teamchef Seidl. Der große Vorteil der amtierenden Champions: Man weiß über Funktionsweisen und Potenziale der bestehenden Systeme viel mehr als die Gegner, die in diesem Jahr in vielen Bereichen absolutes Neuland betreten werden.

Standfestigkeit als Schlüssel für 2016er-Erfolge?

"Es ist nie leicht, ein brandneues Fahrzeug flott zu machen", berichtet Mark Webber aus seiner umfangreichen Motorsport-Erfahrung. "Wir haben eine ausgezeichnete Basis mit dem 919 und die bauen wir aus." Der Australier formuliert hohe Vorgaben für die Saison 2016: "Das Ziel ist, die Rennen zu kontrollieren. Immer im Wissen, wann man aufdrehen und wann zurückhalten kann. Es ist schön, wenn man Reserven im Auto hat."

Porsche geht als Titelverteidiger in die Saison

Auf Grundlage einer zu vermutenden Standfestigkeit des 919-Konzepts geht man im Lager von Porsche anders in die neue Saison als in den Vorjahren. "Potenziell ist es natürlich so, dass die Zuverlässigkeit ein wichtiger Faktor sein kann, wenn jemand mit brandneuen Lösungen antritt. Es spräche demnach für uns, dass wir unsere Technologie bereits zwei Jahre lang entwickeln konnten. Ob es aber tatsächlich zu einem entscheidenden Element der Saison wird, kann ich noch nicht einschätzen", sagt Brendon Hartley.

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass die anderen sehr standfeste Fahrzeuge bringen", mahnt der Youngster aus dem Weltmeister-Trio. "Die Haltbarkeit könnte ein Joker sein", meint Teamchef Seidl. "Wir wissen selbst ganz genau, wie schwierig es ist, solche Systeme zuverlässig zu bekommen. Die anderen sind aber auch Vollprofis, auch dort gibt es entsprechende Vorlaufzeiten in der Erprobung." Timo Bernhard ist sicher: " Ich glaube kaum, dass wir total 'off the pace' sein werden."

"Ich persönlich wünsche mir harte und packende Kämpfe. Das wollen die Fans, das wollen wir Fahrer und die Hersteller finden das sicher auch nicht schlecht", fasst Brendon Hartley seine Wünsche und Erwartungen für das neue WEC-Jahr zusammen. "Wir hatten schon 2015 tolle Duelle. Für dieses Jahr erwarte ich kaum weniger." Die Ansage von Andre Lotterer: "Es kann sein, dass wir es auf manchen Strecken nicht so leicht haben werden, aber in Le Mans sollten wir gut aufgestellt sein."

Fotos: Porsche / Audi / Toyota

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