StVO: Sprachliche Reform

Wolf Schneider

Sprachliche Reform der StVO

— 12.04.2013

Straßenverkehrsordnung entmannt

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) wurde mit Wirkung zum 1. April 2013 umgeschrieben. Heraus kam zwar geschlechtsneutrales, aber schlechtes Deutsch.

Wer die Vorfahrt zu beachten hat", heißt es in Paragraf 8 der neuen Straßenverkehrsordnung (StVO), "muss erkennen lassen, dass gewartet wird. Es darf nur weitergefahren werden, wenn übersehen werden kann, dass wer die Vorfahrt hat, weder gefährdet noch wesentlich behindert wird."  Alles klar? Nein? Na ja, immerhin ist der Text nun aber politisch korrekt! Bei der Umformulierung der Vorfahrtsregelung ist es den Verfassern im Verkehrsministerium nämlich gelungen, ganz ohne das Wörtchen "er" auszukommen. Das männliche Personalpronomen tummelte sich in der alten StVO hier noch zu viert.

Kauderwelsch in der StVO

Peter Ramsauer Kauderwelsch in der StVO Kauderwelsch in der StVO

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Aus Radfahrern werden Rad Führende: Die Formulierungen in der neuen StVO sind äußerst  gewöhnungsbedürftig.

Doch mit der maskulinen Sichtweise aufs Verkehrsgeschehen ist seit dem 1. April 2013 Schluss – und das ist kein Aprilscherz. Mit Inkrafttreten der überarbeiteten StVO spiegelt sich die Gleichbehandlung von Mann und Frau nun im Regelwerk für die Straße wider. So ist aus dem wohlbekannten, aber offensichtlich männlichen "Fußgänger" ein geschlechtsneutraler Jemand geworden, "der zu Fuß geht". Die guten alten "Radfahrer" sind in der neuen StVO nun "Rad Fahrende", und aus "Fahrzeugführern" haben die Verfasser "Fahrzeugführende" gemacht.

Mehr Infos: Die wichtigsten StVO-Änderungen 2013

Statt sich der sprachlichen Gleichstellung zu rühmen, verweist das Verkehrsministerium jedoch auf das sogenannte Handbuch der Rechtsförmlichkeit. Der 1991 verfasste Leitfaden für die Formulierung von Gesetzestexten empfiehlt unter anderem, mit "kreativen Umschreibungen" den Mann aus den Paragrafen zu verbannen. Die dabei entstehenden Wortungetüme kommen bei Sprachkritikern nicht gut an. "Die geschlechtsneutrale Umformulierung ist unnötig", sagt der Honorarprofessor für Linguistik, Wolf Schneider, "weil bei den 1,3 Millionen Einwohnern von München die Einwohnerinnen selbstverständlich auch heute immer dabei sind – und weil auf die Herstellung von Geschlechterneutralität 98 Prozent der Deutschen absolut nicht gewartet haben".

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"Um Verständlichkeit ist es der StVO noch nie gegangen", sagt der renommierte Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider.

Schneider hatte 2002 im Auftrag des Auto Clubs Europa (ACE) die StVO in verständliches Deutsch übersetzt. Verwirklicht wurde von den Empfehlungen des Journalisten bis heute nichts. Schneider findet, die StVO habe daher noch immer ganz andere sprachliche Probleme: "'Wechsellichtzeichen' und 'Begrenzungsleuchte' statt Ampel und Standlicht: Das ist bürgerfeindlicher, sprachverhunzender Bürokratenjargon." Offenbar haben die Verfasser der StVO das "Handbuch der Rechtsförmlichkeit" nur oberflächlich gelesen. Denn dort heißt es, die sprachliche Gleichbehandlung dürfe "nicht auf Kosten der Verständlichkeit oder der Klarheit gehen". Außerdem, so der Leitfaden, solle die gewählte Formulierung "nicht zu sehr vom allgemeinen Sprachgebrauch abweichen". Ziel verfehlt, meint AUTO BILD. Setzen, Sechs!

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Autor: Benjamin Gehrs

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