Mercedes Sprinter

Sprinter-Unfälle

— 04.06.2010

Brüssel zieht die Notbremse

3,5-Tonner verursachen unter den Nutzfahrzeugen die meisten Unfälle mit Verletzten. Die EU plant jetzt Tempo 120 für 3,5-Tonner. Angeblich, um die Umwelt zu schützen.

Bei knapp 170 km/h bleibt die Tachonadel des Peugeot Boxer 3.0 HDi stehen, dann schwenkt die Kamera auf die linke Autobahnspur. Das 3,5-Tonnen-Geschoss brettert an mehreren Pkw vorbei. Bei YouTube sind dieses und ähnliche Tachovideos zu sehen (siehe auch Video unten). Doch mit dieser PS-Protzerei dürfte es bald vorbei sein. Die Europäische Union (EU) plant, neue Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen zwangsweise mit Geschwindigkeitsbegrenzern auszustatten. Bei 120 km/h soll Schluss sein. Dem Europa-Abgeordneten Michael Cramer geht das noch nicht weit genug. "Ein Tempolimit von 100 km/h wäre ein sinnvoller Beitrag für Umwelt und Sicherheit", so der Grüne. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Polizistin Kirsten Lühmann hat in ihrer Dienstzeit viele "Sprinter-Unfälle" gesehen – und ist daher für ein Tempolimit von 120 km/h: "Viele Speditionen schaffen sich bewusst kleine Nutzfahrzeuge an, um schneller am Ziel zu sein und weniger Sozialvorschriften einhalten zu müssen."

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Doch Sicherheitsaspekte sollten bei den Beratungen in Brüssel und Straßburg eigentlich gar keine Rolle spielen. Ziel der EU ist es, den CO2-Ausstoß leichter Nutzfahrzeuge bis 2020 zu senken. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments fordert durchschnittlich 150 Gramm CO2 für neue Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Die Kommission (EU-Regierung) will 135, der grüne Abgeordnete Cramer nur 125 Gramm. Holger Krahmer von der FDP im EU-Parlament fordert eine ehrlichere Debatte: "Wir sollten jetzt nicht unter dem Deckmantel des Umweltschutzes eine Sicherheitsdiskussion führen."

Geringer Sicherheitsabstand: Crash-Test

Holger Krahmer, FDP im Europaparlament: "Wir brauchen kein Tempolimit."

Was jetzt geplant sei, führe nur zu einer Gängelung der Fahrer. "Ich traue es den Herstellern zu, die Motoren über Effizienzmaßnahmen umweltfreundlich zu machen", so Krahmer. "Tempolimits für leichte Nutzfahrzeuge sind nachweislich kein wirksames Instrument zur Steigerung der Verkehrssicherheit. Die Diskussion um ein Tempolimit lenkt ab von wirklich sinnvollen Problemlösungen zum Klimaschutz", argumentiert ein Daimler-Sprecher. Viele Hersteller regeln ihre bis zu 258 PS starken Transporter (Mercedes Sprinter 524) bei 160 km/h ab, einige Speditionen drosseln den Motor zusätzlich. Doch die Zahlen geben Anlass zur Sorge: 3,5-Tonner verursachen unter den Nutzfahrzeugen die meisten Unfälle mit Verletzten – im Jahr 2008 waren es 18.121. Im Vergleich zu 1995 ein Plus von 17 Prozent. Sagen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Thema, schreiben Sie uns einen Kommentar!

Autor: Claudius Maintz

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