Sprit-Verbrauch: Herstellerangabe gegen Testverbrauch
— 12.06.2012
Die große Verbrauchs-Lüge
Unsere Autos verbrauchen deutlich mehr als die Hersteller versprechen. autobild.de zeigt, bei welchen Modellen zwischen Herstellerangabe und Testverbrauch Welten liegen – und bei wem die angegebenen Werte tatsächlich hinkommen.
Scheitern Sie auch regelmäßig bei dem Versuch, den vom Hersteller versprochenen Durchschnittsverbrauch Ihres Neuwagens zu erreichen? Zu Ihrer Ehrenrettung sei gesagt: Es liegt nicht an Ihren Fahrkünsten. Vielmehr sind die Verbrauchsangaben, mit denen Autobauer in ihren Hochglanzprospekten locken, fern jeglicher Realität. Das beweisen die Tests von AUTO BILD. Erst im Februar 2012 berichtete autobild.de über Modelle, deren Verbrauch im Test 50 Prozent und mehr über dem angegebenen Normverbrauch lag. Diese Liste können wir inzwischen fortsetzen. Die jüngsten Beispiele: Der
Renault Grand Scénic Energy dCi 110 soll laut Hersteller mit 4,1 Litern Diesel auf 100 Kilometer auskommen – im AUTO BILD-Test benötigte der Franzose jedoch 6,3 Liter (53 Prozent Mehrverbrauch). Ein
Fiat Panda 0,9 Twinair schluckte statt der angegebenen 4,2 Liter Super sogar 6,9 Liter, was einem Mehrverbrauch von 64 Prozent entspricht. Nur der
Opel Ampera hatte einen noch höheren Mehrverbrauch (333 Prozent) – für ein Fahrzeug mit Elektroantrieb steht dieser Wert jedoch auf einem anderen Blatt (siehe Erläuterung zum Verbrauch von Elektroautos weiter unten). Die krassesten Beispiele unrealistischer Verbrauchsangaben finden Sie oben in der Bildergalerie.
Fiat Panda 0.9 Twinair: Statt der angegebenen 4,2 Liter verbrauchte der Fiat im AUTO BILD-Test 6,9 Liter.
Nur bei wenigen Modellen waren die Abweichungen zwischen Herstellerangaben und Testverbrauch kleiner als fünf Prozent (siehe unsere Beispiele in der Bildergalerie). Doch wie kommen die großen Unterschiede zwischen angegebenem Normverbrauch und Testwert zustande? Autohersteller ermitteln den Verbrauch der Fahrzeuge nach einem standardisierten Messverfahren auf dem Rollenprüfstand. Etwa zwei Drittel der Zeit fahren die Autos dabei mit niedriger Geschwindigkeit (bis 50 km/h), das Maximaltempo (120 km/h) wird nur ganz kurz erreicht. Steigungen und Vollgasbeschleunigungen fehlen. Wirklichkeitsnahe Werte kommen so kaum zustande. AUTO BILD testet dagegen nicht auf dem Rollenprüfstand, sondern dort, wo wir alle täglich unterwegs sind: im realen Straßenverkehr. Jeder Testwagen absolviert dabei eine Vergleichsfahrt auf einem genau definierten Rundkurs. Dieser ist exakt 155 Kilometer lang und besteht aus Stadt- (40 Kilometer), Land- (61 Kilometer), und Autobahnabschnitten (54 Kilometer). Gefahren wird zügig, aber nicht sportlich. Tempolimits werden ausgenutzt, das heißt in der Stadt wird 50 km/h und über Land 100 km/h gefahren. Auf der Autobahn gilt 20 Kilometer Vollgas, die restlichen 34 Kilometer werden mit konstant 120 km/h gefahren.
Bei Plug-in-Hybriden (Benzin-Elektro-Autos, deren Akku an der Steckdose geladen werden kann) und bei Elektrofahrzeugen mit Reichweiten-Verlängerer wird der Verbrauch nach einer speziellen Richtlinie ermittelt. Diese trägt das Kürzel UN ECE R101 und basiert ...
... auf dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Anders als bei normalen Autos wird allerdings nicht der bei der Prüfstandsfahrt tatsächlich gemessene Verbrauch angegeben. Stattdessen werden die Autos zweimal über die Rolle geschickt – einmal mit voller ...
... Batterie (Condition A), einmal mit leerer (Condition B). Bei der zweiten Runde müssen sie also mit maximaler Benziner-Unterstützung fahren. Hinterher wird über eine komplizierte Formel eine "gewichtete Kennzahl" für Spritverbrauch und CO2-Ausstoß ...
... errechnet. Als Gewichtungsfaktoren dienen dabei die (ebenfalls auf der Rolle ermittelte) elektrische Reichweite und eine angenommene Fahrstrecke von 25 Kilometern zwischen zwei Ladevorgängen. Liefert die Batterie Saft für exakt 25 Kilometer, ...
... werden beide Verbräuche gleich stark gewichtet. Der Spritverbrauch der Condition-A-Fahrt und jener der Condition-B-Runde werden also gemittelt. Besitzt das zu prüfende Fahrzeug eine größere Reichweite – beim Opel Ampera sind es 83, beim Toyota Prius Plug-in ...
... exakt 25 Kilometer –, wird der Condition-A-Verbrauch höher gewichtet. Gut für den Hersteller, denn seine Prospektwerte für Verbrauch und CO2 erscheinen so zwar in unrealistischem, aber in schönstmöglichem Licht.
Unter solchen Bedingungen ergeben sich dann ganz andere Werte als in den genormten Fahrzyklen auf dem Rollenprüfstand. Sind die Verbrauchsangaben der Hersteller dann Betrug? Rechtlich gesehen nein. Die Autobauer sind mit ihren Verbrauchsangaben auf der sicheren Seite – auch wenn die Werte mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben. Wie der Verbrauch ermittelt wird, hat der Gesetzgeber in einer Norm geregelt, an die sich alle Hersteller zu halten haben.
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Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Verbrauchsangaben
Veröffentlicht:
08.06.2012
Jan Kretzmann
Fazit
Willkommen in der Realität: Angaben zum Verbrauch sind eine sinnvolle Sache für den Kunden – aber nur, wenn sie der Wahrheit entsprechen. Und daran hapert es gewaltig. Über 50 Prozent Mehrverbrauch im Test, das ist für den Kunden ärgerlich. Also, her mit einer realistischen Verbrauchsnorm!
Kommentare zum Artikel (398)
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liebe autobild, machen sie doch mal einen echt realistischen test und testen sie wie 90% aller autofahrer jeden tag fahren und zwar 10-20 km morgens zur arbeit und abends wieder zurück und zwar stadtverkehr. dann werden nämlich ihre 4-7 liter-autos plötzlich realistische 10 liter autos. das ist alltag. mein qashai 2.0 als unter 8 liter-auto vom verkäufer angepriesen verbraucht im wahren leben locker 10-11 liter und dabei fahre ich nach der schaltvorgabe im fahrcomputer. bei ihrem test erreiche ich laut fahrcomputer auch locker die 7-8 liter marke - bei 120 km/h mit speedlimiter zeigt der computer 5 liter an, aber mal butter bei den fischen, zum parken geht man ins parkhaus und nicht auf die autobahn. will sagen nehmt doch mal ein 5 liter auto und fahrt damit mal eine woche durch die stadt.
noch natrage: meine kiste (dacia duster m. LPG -anlage )hatte ein mehrverbrauch gegenüber den werksangaben von 33-80% !!!!!
bei 33 % mehrverbrauch bin ich nur 2500 u/min gefahren und auf der autobahn 120 km/h!!! z.z. kloppe ich mich mit dem werk um eine freigabe für andere zündkerzen.. die werkseitig eingebauten champion kerzen kann man besser an einen weihnachtsbaum hängen aber auch da werden die nichts bringen.
alles nur große verarsche mit den verbrauchsangaben ab werk! das wir im labor hergestellt. für mich würde ein test je drei runden alter nürnburgring mit 100 / 120 / 130 eine halbwegs gute aussage treffen. weiter kommt dazu das die meisten meister von werkstätten einschl. der monteure nur auf habt euch doch lieb von den herstellern getrimmt sind. die wenigsten können noch richtig schrauben. sie verlassen sich auf "dumme" computer und selber denken fehlanzeige.. meiner werkstatt habe ich mehrfach erklärt das mein auto zu viel säuft.. fehlerauslese = 0 fehler-- nachdem ich die zündkerzen durchgemessen und selber getauscht habe pendelte sich der verbrauch auf annehmbare werte ein! (ich bin nur installateur- handwerksmeister und kein schrauber!!) aber kann schrauben und denken!!!
What is the condition of your Car and its final price.
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