Benzinbohrer, Spritklau

Spritklau: Diebe bohren Pkw-Tanks an

— 18.01.2012

Vorsicht, Benzinbohrer!

Die Polizei kämpft gegen eine neue und besonders dreiste Form des Spritklaus. Die Diebe bohren Tanks an und zapfen den Sprit ab. Das ist brandgefährlich - und oft bleiben Betroffene auf den Kosten sitzen.

Rauchend steht Inge Beckmann aus Drochtersen (Niedersachsen) auf ihrem Balkon. Ihr Lebensgefährte ist früh aufgestanden, es ist halb fünf morgens. Plötzlich ein Rascheln vom nahe gelegenen Parkplatz. Jemand läuft weg. Inge Beckman sieht ein paar Minuten später nach und bemerkt, dass der ganze Parkplatz nach Benzin stinkt. Unbekannte haben den Tank ihres elf Jahre alten Opel Astra Caravan aufgebohrt, 15 Liter Benzin abgelassen. Weil die 56-Jährige nur eine Teilkaskoversicherung hat, wird sie auf 600 Euro Schaden sitzen bleiben. Ebenso wie ihr Sohn Tim, dessen Vectra in der gleichen Nacht angezapft wurde. Tausend Euro Reparaturkosten muss er aus eigener Tasche bezahlen. Die Beckmanns sind nicht die einzigen Opfer. In Olpe (Nordrhein-Westfalen) griffen Diebe auf einem Sammelplatz für Fahrgemeinschaften zum Bohrer, ließen 40 Liter Super mitgehen. Unbekannte entwendeten in Reinbek (Schleswig-Holstein) 315 Liter Diesel aus sieben Lkw. In Stuttgart, Wolfsburg, Magdeburg und anderen Städten gab es ähnliche Vorfälle. Im Polizeipräsidium Schwaben Süd/ West verfünffachte sich die Zahl der aufgebrochenen und angebohrten Tanks seit 2003 von 25 auf 132 pro Jahr. In Sachsen-Anhalt schlugen die Diebe in einem halben Jahr rund 50-mal zu.

Lesen Sie auch: Wer zahlt bei Vandalismus?

"Das Anbohren ist bei uns ein relativ neues Phänomen", so Rainer Bohmbach, Sprecher der Polizei Stade (Niedersachsen). "Das Absaugen aus Lkw, Maschinen und Baufahrzeugen ist dagegen länger bekannt, hat aber mit steigenden Spritpreisen zugenommen." Das Hantieren mit dem Bohrer ist extrem gefährlich. Als Benzindiebe 2007 in Lemgo einen Toyota Auris anbohrten, fing der Wagen Feuer, brannte aus. Drei weitere Toyota und das Autohaus wurden beschädigt. Schaden: rund 125.000 Euro. Brandgefahr auch vor einigen Wochen in Stade. Beim Anbohren ließen die Täter so viel Sprit auf den Boden eines Parkhauses laufen, dass laut Polizei eine Zigarette für ein riesiges Feuer gereicht hätte. "Benzin ergibt mit Luft schnell ein gefährliches Gemisch", so Arnulf Thiemel vom ADAC. Entstünden beim Anbohren des Tanks Funken, könne alles in die Luft fliegen. Nicht immer greifen Diebe zum Bohrer. Einige sprechen Lkw-Fahrer auf Autobahnraststätten gezielt an, um gegen ein Trinkgeld etwas abzapfen zu dürfen, so Jürgen Kurzer. "Das ist für manche Fahrer ein richtiger Zusatzverdienst", weiß der Geschäftsführer eines Dienstleistungs-Unternehmens für Lkw zu berichten.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.