Spritpreis-Abzocke: Ölkonzerne unter Aufsicht

— 02.05.2012

Staatliche Kontrolle kommt

Die Bundesregierung will die Explosion der Spritpreise stoppen. Sie stellt die Mineralölkonzerne unter staatliche Aufsicht. Preisveränderungen an den Tankstellen müssen künftig gemeldet werden.

Kurz vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen beschließt die Regierung die Einsetzung einer "Benzin-Polizei" – Union und FDP weisen den Vorwurf eines Wahlkampfmanövers aber zurück. Ein riesiges neues Meldesystem soll helfen, die mehrmals täglichen Preissprünge an Tankstellen stärker unter die Lupe zu nehmen. Die Politik schürt Hoffnung, dass so der Benzinpreis in den Griff zu bekommen sei. Die Mineralölbranche sieht das anders.

Was soll die Meldebehörde tun?

Das Bundeskabinett hat neben einer Überwachung der Strom- und Gasgeschäfte auch die Einrichtung einer "Markttransparenzstelle" für den Mineralölsektor beschlossen. Künftig sollen Monat für Monat Millionen Daten dorthin gemeldet werden – und zwar nicht einfach nur Preiserhöhungen. Auch Händler und Raffinerien müssen ihre Preise, zu denen sie Rohöl oder Kraftstoffe ein- und verkaufen, offenlegen. Zudem sollen alle gehandelten Mengen und deren Preise gemeldet werden. Die beim Bundeskartellamt angesiedelte Stelle soll so unbotmäßige Erhöhungen und Preisexzesse erkennen und ahnden können, erklärt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Kann das die Preissprünge eindämmen?

Wohl kaum, denn der Preis an der Tankstelle ist von der Politik kaum zu beeinflussen. Szenarien wie ein möglicher Angriff Israels auf den Iran und sinkende Förderquoten treiben den Ölpreis - das kann eine neue Behörde nicht beeinflussen. Die Gewinnmargen liegen nach Angaben der Ölbranche meist nur bei einem Cent pro Liter - allerdings verdient sie auch gut mit ihren Raffinerien. Weil die Marktführer den Großteil der Produktionskette unter ihrer Kontrolle haben, gibt es viele Möglichkeiten, Gewinne einzustreichen. Viele Tankstellen verdienen das meiste Geld inzwischen mit ihrem Shopgeschäft. Der Auto Club Europa sieht ein Wahlkampfmanöver, aber keine Initiative für mehr Verbraucherschutz und fairen Preiswettbewerb an Tankstellen.

Das Bundeskartellamt hatte 2011 eine dreijährige Marktanalyse abgeschlossen - und konnte zumindest keine illegalen Preisabsprachen nachweisen. Zudem ist fraglich, was bei einem Missbrauch passieren soll. Derzeit gehen die Wettbewerbshüter gegen mehrere Mineralölkonzerne vor, weil sie freien Tankstellen Kraftstoff teurer verkauft haben sollen als eigenen Tankstellen. Aber den Nachweis zu führen ist sehr schwierig, und oft geht es nur um Einzelfälle. Gleichwohl: So wird der Druck erhöht, nicht über Gebühr Preise zu erhöhen.

Die Benzinbranche spricht von einem "Bürokratiemonster" – zu Recht?

Es ist bisher unklar, wie viele Benzin-Kontrolleure in der neuen Behörde beschäftigt werden sollen. Nach Angaben aus der Branche müssten mehrere hundert Leute dort arbeiten, um die ganzen Daten verarbeiten zu können. Aus der ganzen Kette (Weltmarktnotierung für Rohöl, Einkauf, Transport, Raffinerien, Tankstellen) würden pro Tag Hunderttausende Daten einlaufen. Selbst freie Tankstellen, die die Regierung im Kampf gegen das Oligopol von BP/Aral, ExxonMobil, ConocoPhillips (Jet), Shell und Total stärken will, kritisieren die Meldebehörde als Planwirtschaft. Der Grünen-Energiepolitiker Hans-Josef Fell wirft der Regierung Blendwerk vor: "Statt endlich eine offensive Politik 'Weg vom Erdöl' anzugehen, erhöht die Bundesregierung mit einer neuen Behörde lediglich die Bürokratie." Was halten Sie von der Lösung? Stimmen Sie auf der rechten Seite ab.

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Veröffentlicht:

25.04.2012

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Kommentare zum Artikel (8)

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zinniel
11.06.2012, 12:33Uhr

Sehr interessant ist dass man die Heizölpreise wenn sie nach unten gehen nicht an den Kunden weitergibt! Man nutzt einfach aus, dass man heizen muss! Beim Autofahren kann man aufs Auto einige Tage verzichten,beim Heizöl eben nicht! Pellets sind mit den Preisen auch nach oben gegangen. Statistiken zeigen wer Pelletsheizungen hat,das wird ausgenutzt!
Die Kontrolle ist aufgefordert die niedrigen Preise weiterzugeben! Nicht nur wenn die Preise steigen!
putzmunter

STAHLIN
10.05.2012, 22:35Uhr

Also in Stuttgart ist schon die Polizei extremkontrolle da ^^

5 euro pro Liter
03.05.2012, 11:37Uhr

Angesichts der stetig steigenden Zahl an SUVs auf unseren Straßen sind die Benzin Preise wohl immer noch viel zu niedrig.

Die Diskussion ist vollkommen obsolet!

Humphrey
03.05.2012, 10:40Uhr

Wieso eine Aufsichtsbehörde für die Mineralölhersteller / Händler? Bei einem Steuersatz von ca. 70% auf 1,60 EUR bleibt denen nämlich gerade mal 48 Cent und die Kosten für Förderung, Raffinerie, Lagerung, Transport etc.
"Der Staat", in diesem Falle aber nicht die Bürger, die den Staat eigentlich bilden, bekommt die restlichen 1,12 EUR.
Ich bin KEIN Freund der Ölmultis, aber soviel Realitätssinn muss schon sein.
Und: Wer wird denn wohl diese neue Behörde bezahlen dürfen? 1 mal darf geraten werden.

Neuwahlen
02.05.2012, 16:52Uhr

Weg mit CDU und FDP!

Es gab kaum eine größere Dilettantenregierung als diese.

Das ist alles nur Wischiwaschi und kostet am Ende sogar noch mehr Geld als vorher!

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