Spritpreis-Debatte

Spritpreis-Debatte

— 25.06.2012

ADAC findet: "Das ist Straßenräuberei!"

Die Spritpreise an den Zapfsäulen sind seit den Rekordständen im Frühjahr 2012 deutlich gesunken – aber nicht genug, wirft der ADAC den Ölkonzernen vor. Das sei "Straßenräuberei". Die Konzerne halten dagegen.

(dpa) Eigentlich sind es gute Nachrichten für Millionen von Autofahrern zum Start der ersten Ferien-Reisewelle. Die Spritpreise an den Tankstellen sind seit den Rekorden im Frühjahr 2012 deutlich gesunken – das macht sich im Geldbeutel bemerkbar. Am Freitag (22. Juni 2012) lag laut Marktführer Aral der Preis für einen Liter Super E10 im Durchschnitt bei 1,53 Euro – und damit um rund 18 Cent billiger als zu Ostern. Die meistgetankte Sorte Super E5 war für 1,57 Euro zu haben, der Liter Diesel für 1,39 Euro. Dennoch warf der ADAC den Mineralölkonzernen erneut Abzocke vor – die Spritpreise seien deutlich zu hoch. Das Vorgehen der Mineralölkonzerne sei "unangemessen und dreist", schimpfte ADAC-Präsident Peter Meyer. Wie jedes Jahr zur Reisezeit würden die Ölmultis die Autofahrer ausnehmen, dies sei "Straßenräuberei". Denn seit dem Frühjahr seien die Rohölpreise deutlich gesunken, und zwar um rund ein Viertel auf aktuell etwa 90 Dollar für ein Barrel der Nordseesorte Brent.

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Klaus Picard, Mineralölwirtschaftsverband: "Autos fahren nicht mit Rohöl."

Der Autoclub kritisierte, die Ölkonzerne würden die Spielräume für Preissenkungen nicht voll ausnutzen. Die aktuellen Tankstellenpreise seien um mindestens vier Cent zu hoch. Der Verband kam in einer aktuellen Preisanalyse auf Durchschnittskosten von 1,54 Euro pro Liter Super E10 und 1,40 Euro für einen Liter Diesel. Klaus Picard kann die ADAC-Kritik nicht mehr hören. "Der ADAC geht davon aus, dass die Autos mit Rohöl fahren", wetterte der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes. Selbst wenn der Benzinpreis bei Null läge, würde der ADAC vermutlich noch ein Haar in der Suppe finden. Die Benzinpreis-Welt sei nicht so einfach wie sie der ADAC darstelle. Die Tankstellenpreise folgten den Beschaffungskosten für Benzin und dies seien Weltmarktpreise. Und mit Blick auf den Autoclub sagte Picard: "Der Weltmarkt interessiert sich herzlich wenig für deutsche Ferienzeiten."

Umfrage zu E10: Zwei Drittel gegen Biosprit

Die Großhandelspreise für Ölprodukte aber sind laut Verband vielfältigen Einflüssen unterworfen, von der Witterung über die Nachfrage des weltweit größten Verbrauchers USA, der Schwellenländer bis hin zu Kapazitäts-, Auslastungs- und Versorgungsthemen. Die Preise würden sich durch die üblichen Marktprozesse von Angebot und Nachfrage bilden. Ein weiterer Faktor ist der Euro-Wechselkurs. Wäre der Euro nicht so schwach wie derzeit, wären die Spritpreise billiger. Denn Öl muss in Dollar bezahlt werden – je mehr Dollar ein deutscher Ölhändler für einen Euro bekommt, desto billiger wird es für den Verbraucher. 2011 gab es noch 1,45 Dollar für einen Euro, im Juni 2012 sind es nur noch 1,25 Dollar. Dazu kommen die Steuern.

Im EU-Vergleich liege Deutschland bei den Spritpreisen – ohne Steuern – auf Rang 22, nur fünf Länder hätten günstigere Preise, sagte Detlef Brandenburg, Sprecher des Tankstellen-Marktführers Aral. Mit Steuern rangiere Deutschland auf Platz elf. "Für die Steuern können wir nichts". Am teuersten tanken die Autofahrer in der EU derzeit ausgerechnet in einem der beliebtesten Urlaubsländer – in Italien.

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