Spritsparen à la USA

Neue Verbrauchsvorgaben in den USA Neue Verbrauchsvorgaben in den USA

Spritsparen à la USA

— 05.04.2006

Minimize me!

2011 senkt das US-Verkehrsministerium die gesetzlichen Grenzwerte für den Flottenverbrauch – schwere Zeiten für große SUV.

2011 müssen 9,8 Liter Flottendurst reichen

Steilvorlage für den Diesel: Das US-Verkehrsministerium (Department of Transport) hat am 29. März 2006 das Programm zum Durchschnittsverbrauch für die Autoindustrie (CAFE) neu festgesetzt: Ab 2011 muß der Flottenverbrauch jedes Herstellers, der auf dem US-Markt seine Fahrzeuge anbietet, im Schnitt unter 9,8 Liter pro 100 Kilometer liegen. Erstmals werden in das Programm auch SUV aufgenommen. "Das sind die ehrgeizigsten Vorgaben, seit wir das Programm vor 27 Jahren gestartet haben", sagt US-Verkehrsminister Norman Mineta.

Das Stichwort heißt "miles per gallon" – also Meilen pro Gallone. Zur Zeit liegt der erlaubte Flottenverbrauch bei 21,6 Meilen pro Gallone, das entspricht rund 10,9 Liter auf 100 Kilometer. Ab 2011 soll eine Gallone für 24 Meilen reichen, was einem Durchschnittsverbrauch von 9,8 Liter auf 100 Kilometer entspricht. "Wer unter diesem neuen Standard liegt, wird keine Genehmigung erhalten", heißt es im Department of Transport.

Harter Schlag für die US-Autohersteller, denn bisher verdienten GM und Ford gutes Geld mit großen SUV, den Lieblings-Straßenkreuzern vieler Amerikaner. "Die Autohersteller sind nun in der Pflicht, denn sie müssen rund 240.000 zusätzliche Fahrzeuge in ihre Berechnungen einkalkulieren", so Staatssekretär Norman Mineta.

Mercedes hat das Bluetec-As im Ärmel

Die Begründung des US-Ministeriums für die Verschärfung des Programms dürfte die Branche elektrisieren. "Im Hinblick auf die neuen, bereits eingeführten oder in Entwicklung befindlichen Technologien – Hybrid- und die letzte Generation von Dieselmotoren – halten wir diese Vorgaben für zumutbar." Ein Wink mit dem Zaunpfahl, denn DaimlerChrysler wird im Herbst 2006 die ersten Diesel-Modelle von Mercedes mit der neuen Bluetec-Technologie auf den US-Markt bringen.

Das Verfahren neutralisiert durch Beigabe von Harnstoff bei der Verbrennung umweltschädliche Schwefel- und Stickoxide (NOX) – damit erfüllt der Bluetec-Mercedes bisher unerreichte Umweltstandards. Die Markteinführung wird von einer großen Kampagne begleitet, denn es gilt mit einigen Vorurteilen aufzuräumen: "Viele Amerikaner halten Dieselfahrzeuge immer noch für plumpe, schwerfällige, stinkende Vehikel, einfach weil moderne Selbstzünder in den USA nicht bekannt sind. Das Diesel-Image dort muß erst wieder positiv aufgebaut werden", so eine Expertin von DaimlerChrysler.

"Selbstzünder sind wie geschaffen für die amerikanischen Fahrprofile, sie sind sparsam, laufruhig, haben ein hohes Drehmoment und große Reichweite", so die Pressesprecherin. "Die Faktenlage pro Diesel ist erdrückend." Den ersten Bluetec-Mercedes soll mit einer Verzögerung von einem halben Jahr später erstmals auch in Europa geben.

Porsche reagiert mit Hybridtechnologie

Der neue US-Grenzwert droht insbesondere für spritdurstige SUV in fünf Jahren ein anspruchvolles Hindernis zu werden. So ist zum Beispiel der Porsche Cayenne mit durchschnittlich 15,5 Litern auf 100 Kilometer in der kleinsten Motorisierung nicht eben bescheiden. Bei dem Sportwagenhersteller, der im Geschäftsjahr 2005 immerhin 38 Prozent seiner Autos auf dem US-Markt absetzte, ist aber noch keine klare Strategie gefaßt: "Die Auswirkungen veränderter Flottenverbrauchsbestimmungen in den USA ab dem Jahr 2011 können derzeit noch nicht exakt benannt werden", so ein Porsche-Sprecher.

Problematisch ist nach Ansicht von Experten die gleichzeitige Anforderung an eine Minderung von Emission wie auch Verbrauch. Wo Porsche technologisch ansetzen will: "Beispiele für die Zukunft sind unter anderem die Hybridtechnologie, die Benzindirekteinspritzung und weitere Fortschritte bei den Leichtbau-Konzepten." Der Endverbraucher werde in keinem Fall betroffen sein. "Die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs gehört seit vielen Jahren zu unseren obersten Fahrzeugentwicklungszielen", so Porsche. Ein Beispiel aus der Vergangenheit sei die Einführung der Ventilverstellung "VarioCam Plus", mit der der Kraftstoffverbrauch um rund sieben Prozent gesenkt werden konnte.

Die Kooperation mit Volkswagen beinhaltet auch die Entwicklung eines Hybridantriebs. Ein mit der neuen Technologie bestücktes Porsche-SUV dürfte den US-Vorgaben ein gutes Stück näher kommen. Wann es soweit sein wird, ist zwar noch ungewiß – doch der Panamera wird bereits auf Hybrid-Antrieb ausgelegt sein.

Autor: Roland Wildberg

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