Schützenpanzer Puma

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SPZ Puma: Bundeswehr übernimmt neuen Schützenpanzer

— 08.06.2015

Puma tritt seinen Dienst an

Mit vierjähriger Verspätung ist der Puma in der Truppe angekommen. Der Marder-Nachfolger leistet 1088 PS und ist damit stärkster Schützenpanzer der Welt.

Er ist der modernste Schützenpanzer der Welt – und das hat seinen Preis. Mit über 4,3 Milliarden Euro sind die Baukosten doppelt so hoch wie 1998 geplant, berichtet DIE WELT. Beim Stückpreis, geschätzte sieben Millionen, soll es laut Rheinmetall aber bleiben, hieß es bei der offiziellen Übergabe an die Bundeswehr Ende Juni. In den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt 350 Puma-Panzer für die Truppe gebaut werden. Die Bundeswehr erhält jedoch noch kein voll einsatzfähiges Fahrzeug. "Dennoch sind wir jetzt immerhin in der Lage, unsere Besatzungen an diesem einzigartigen Schützenpanzer auszubilden", sagte Generalleutnant Rainer Korff bei der Schlüsselübergabe.
Groß, schwer oder gepanzert: Schwermetall bei autobild.de

Probleme in der Testphase

Neun Soldaten passen in den Bauch des Puma. Irgendwann sollen Panzer auch unbemannt fahren – Zukunftsmusik.

©Bundeswehr/Dorow

Der Puma aus dem Joint Venture Projekt System & Management GmbH (PSM; Rheinmetall Defence und Krauss-Maffei Wegmann) löst mit vierjähriger Verzögerung den Marder ab, der rund 40 Jahre lang gebaut wurde. Bei den ersten Versuchen gab es immer wieder Probleme. Wie DIE WELT berichtet, zeigten Tests des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), dass die ersten 20 Puma-Modelle aus der Vorserie bei Geschwindigkeiten über 50 km/h nicht mehr zuverlässig bremsen können. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit des Pumas liegt bei Tempo 70. Das Problem sei laut BAAINBw bereits im Teststand für die Motoren aufgefallen. Schuld war die verschleißfreie Zusatzbremse, dem sogenannte Retarder des Herstellers Voith. Das hätte dazu geführt, dass die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h statt der vorgesehenen 70 km/h begrenzt wurde. Die 20 bereits gelieferten Modelle mussten umgebaut werden. Nicht das einzige Manko: Der Puma bekommt vorerst nicht die Waffenanlage namens MELLS. Das "Mehrrollenfähige Leichte Lenkflugkörper-System" dient dazu, Raketen abzufeuern. Eine wichtige Waffe zur Bekämpfung stark gepanzerter Ziele.

Bundeswehr schickte Puma in die Wüste

Mit dem 1088 PS starken, sieben Millionen Euro teuren Puma holt sich die Bundeswehr den Bugatti Veyron unter den Schützenpanzern ins Haus.

©Bundeswehr/Dorow

Zur finalen Testphase schickte die Bundeswehr 2013 den stärksten Schützenpanzer der Welt in die Wüste. Nach der Kälteerprobung in Norwegen 2012 ging es von August bis Ende Oktober 2013 zur Heißklimaerprobung in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort musste sich der Puma bei Schieß- und Fahrerprobung unter Wüstenbedingungen beweisen. Zusätzlich wurden die Temperaturverläufe im Fahrzeuginneren im Vergleich zu den Außentemperaturen gemessen. Laut Verteidigungsministerium zeigten sich noch während der Erprobung Probleme bei der Elektronik und Software sowie der "Sichtmöglichkeit" für den Fahrer bei Tag wie bei Nacht. Positiv sei die hohe Wendigkeit und "das stimmige Turmkonzept" aufgefallen, hieß es in den Prüfberichten.

Im Vergleich wirkt der Vorgänger Marder dick und plump

Die ersten Fahrzeuge übergaben vor Kurzem die Hersteller Rheinmetall und Kraus-Maffei Wegmann (KMW) an die Bundeswehr.

©Bundeswehr/Dorow

Dazu kommt die niedrige Silhouette mit glatter Außenfläche. Wie bei einem für das gegnerische Radar beinahe unsichtbaren Stealth-Jet verringern diese Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden. Im Vergleich dazu wirkt sein Vorgänger Marder dick und plump. Zukunftsweisend ist das zweistufige Schutzkonzept des Puma. In der Konfigurationsstufe A (Air-transportable) kann er mit einem Gewicht von 31,4 Tonnen im künftigen Airbus A400M auf weite Reisen gehen – das neue Transportflugzeug kann 32 Tonnen Ladung aufnehmen. Ein Vorteil gegenüber Kampfpanzer Leopard 2, der mit seinen mindestens 62 Tonnen nur in eine russische Antonov darf. Trotzdem soll der Puma bereits in der Basiskonfiguration durch neueste Panzer-Technologie gegen Minen und Handfeuerwaffen gewappnet sein. In der Stufe C (Combat) ist der Puma seitlich, am Heck und am Turm mit weiteren Schutzmodulen aufrüstbar. So kann der dann bis zu 43 Tonnen schwere Panzer auch in Hinterhalten bestehen, in denen er von allen Seiten beschossen wird.

Doppelt so kräftig wie der Vorgänger

Gepanzert oder schwer gepanzert, das ist hier die Frage: Der Puma setzt mit dem modularen Schutzkonzept neue Standards bei Schützenpanzern.

Um auf alle Situationen reagieren zu können, steht der Puma-Besatzung mit 800 kW (1088 PS) bei 3800 U/Min doppelt so viel Leistung zur Verfügung wie im Marder. Kein anderer Schützenpanzer der Welt kommt an die Power des Zehnzylinder-Diesels von MTU ran. Der MTU-Motor 10V 890 bietet ein maximales Drehmoment von 2400 Newtonmetern bei 3000 U/min. Motor und Getriebe liegen vorn rechts neben dem Fahrer. Beides ist parallel zur Fahrzeugachse eingebaut und direkt mit den beiden Antriebskränzen des Laufwerks verbunden. Zudem zeichnet sich der Puma-Sondermotor durch ein niedriges Leistungsgewicht und kompakte, platzsparende Bauweise aus. So sind etwa die üblicherweise außen angeschraubten Baugruppen wie Ölfilter, Ölkühler und Ladeluftrohre in das Motorgehäuse integriert. Die Common-Rail-Direkteinspritzung ermöglicht bei einem Hubvolumen von 1,1 Litern je Zylinder eine Zylinderleistung von 80 kW.

Vorteil Beschleunigung

In den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt 350 Puma-Panzer für die Truppe gebaut werden.

©Bundeswehr/Hannemann

Beim Puma wirken bis zu 34 PS auf jede Tonne und dürften für sehr gute Beschleunigungswerte sorgen. Vor allem im Vergleich zur internationalen Konkurrenz: Der amerikanische M2 Bradley kommt nur auf 20 PS pro Tonne. Wichtig: Beschleunigung ist für einen Panzer im Gefecht wichtiger als Höchstgeschwindigkeit. Das Puma-Triebwerk umfasst neben dem Motor auch ein automatisches 6-Gang-Lenkschaltgetriebe der Firma Renk mit elektrohydraulischer adaptiver Steuerung, das quer vor dem Motor eingebaut ist. Die Augsburger sind Weltmarktführer bei Getrieben für Kettenfahrzeuge wie Leopard 2, Merkava und Leclerc Tropicalisé.

Neues Innenraumkonzept

Für die Sicherheit der Soldaten sorgen neben der Panzerung eine Brandunterdrückungsanlage im Besatzungsraum sowie eine Feuerlöschanlage im Triebwerksraum. Fahrer, Kommandant, Richtschütze und sechs weitere Soldaten haben Platz im 1,20 Meter hohen Bauch des Puma. Dort sind sie von High-Tech umgeben. Auf Displays sind Lagekarten und wichtige Fahrzeuginfos abgebildet. Andere Monitore zeigen Bilder des um 360 Grad drehbaren Kommandantenperiskops, der Tageslichtkameras und der Nachtsichtgeräte. Ansonsten sorgen Winkelspiegel für die Sicht nach draußen. Das Kettenlaufwerk ist vom Rumpf entkoppelt, dadurch kann man sich im Inneren des Puma auch ohne Bordverständigungsanlage unterhalten.

Puma: Das ist der neue Schützenpanzer

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Autoren: Fabian Hoberg,

Fotos: Bundeswehr/Dorow, Bundeswehr/Hannemann

Stichworte:

Panzer

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