SRT Viper: Fahrbericht

— 16.07.2013

Das Zehnzylinder-Biest ist zurück

Chryslers Sportabteilung SRT bringt uns nach zwei Jahren Pause die Viper zurück. Wir haben die giftige Schlange zur Ausfahrt gebeten.



Das Wetter meint es gut mit uns. Tagelang nur Regen – Sommer in Deutschland. Doch plötzlich bahnen sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg aus dem wolkenverhangenen Himmel. Lassen Wassertropfen verführerisch auf der knallroten Alu-Carbon-Karosserie glitzern und den noch feuchten Asphalt dampfen. Wie ein strahlender Held steht sie da, die neue Viper. Und erst jetzt wird uns klar, wie schmerzlich wir sie vermisst haben. Unsentimentale Zahlenjongleure des Fiat-Konzerns hatten sie kurz nach der Übernahme von Dodge 2010 einfach ersatzlos aus dem Programm gestrichen.

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Video: SRT Viper

Die Schlange lebt

Seit ihrer Geburt 1992 war die Viper konsequent auf Krawall gebürstet und fegte Quengeleien über Spritverbrauch und ihre – freundlich formuliert – rustikale Inneneinrichtung mit einem Zehnzylinder-Donner aus den Sidepipes davon. In der Krise war einfach kein Platz mehr für sie. Doch jetzt ist die bissige Schlange wieder da. Und, hurra, sie ist wieder eine richtige Viper geworden. Vergessen wir den Besitzerwechsel und die Spekulationen über daraus resultierende italienische Zutaten. Die Chrysler-Sporttruppe SRT sitzt nach wie vor in Detroit und spricht breites Amerikanisch. Und genauso wenig, wie die Jungs beim Barbecue mit Tofu-Schnitzeln ankämen, darf etwas anderes als ihr hubraumgewaltiges V10-Monument unter die flache Carbon-Haube direkt hinter der Vorderachse. Downsizing? Nicht mit der Viper. Zehn Kolben teilen sich wie beim Vorgänger 8,4 Liter Hubraum. Ein echtes Stück Lowtech, das einen Big Block zum Small Block degradiert. Nur 20 Ventile, also zwei pro Zylinder, werden von einer zentralen Nockenwelle dirigiert. Turbolader? Kompressor? Fehlanzeige.

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Rauchzeichen: So sieht es aus, wenn 814 Nm Drehmoment über die Hinterräder herfallen.

Alles graue Theorie. Sobald du im engen Cockpit den Startknopf drückst, erwacht die Schlange. Wie ein herannahendes Gewitter bollert es aus den Sidepipes, nur wenige Zentimeter unter dem Allerwertesten des Fahrers. Der Zehnzylinder vibriert dich im Leerlauf durch. Verstanden, die Viper will fahren, nicht stehen. Die leichtgängige Kupplung ist Dutzende Newton entfernt von dem, was früher Pilotenwaden traktierte. Und auch das riesige Getriebe sperrt sich nicht mehr gegen Gangbefehle. Fast schon zu normal gelingt so das Anfahren. Bis du aufs Gaspedal drückst. Der Sound des V10 ist unverwechselbar, er gleicht einer herannahenden Büffelherde. Ein Grollen liegt in der Luft, das die feinen Haare auf dem Arm des Fahrers senkrecht stehen lässt. Wie gehabt rentiert sich frühes Schalten mehr als das Auspressen bis zum Ende. Das gewaltige Drehmomentmassiv richtet es in jeder, in wirklich jeder Situation. Die restlichen Wolken verziehen sich, die Straße trocknet ab. Zeit, um endlich ein bisschen mutiger zu werden. Wer es eilig hat, kann, assistiert von der Launch-Control, das Gummi der hinteren 355er-Reifen in den Asphalt brennen und nach knapp vier Sekunden Landstraßentempo erreichen.

Nur das Saufen, das haben sie der Viper immer noch nicht abgewöhnt. Unter 15 Litern geht nichts, 20 sind die Regel – und wer es richtig krachen lässt, saugt den 70-Liter-Tank auch schon mal nach 200 Kilometern leer. Es folgt ein wildes Kurvengeschlängel. Früher hätte die Viper ihren Fahrer hier aus heiterem Himmel in den Graben befördert, heute gibt sie sich fast schon lammfromm. Weniger untersteuernd als bisher lenkt die Viper ein, am Scheitelpunkt aufs Gas, einen leichten Drift parieren, und weiter geht es. Drift? Keine Angst, wer sich davor fürchtet, darf sich neuerdings unter den elektronischen Rettungsschirm begeben. Der lässt trotzdem ein bisschen Freiheit zu. Ganz sanft darf das Heck zum Kurvenausgang drängen, bevor es eingefangen wird.

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Verhältnismäßig alltagstauglich: In den Kofferraum passt das Gepäck für ein Wochenende zu zweit.

Überhaupt ist die Viper fast alltagstauglich geworden, zumindest für ihre Maßstäbe. Selbst große Fahrer müssen dank neuer Sitze und des ausgeformten Dachs nicht mehr mit eingezogenem Kopf Platz nehmen. Weiches Leder, fast edle Kunststoffe, der riesige Multimediabildschirm sowie moderne Instrumente inklusive digitalem Drehzahlmesser lassen die Viper zur Wohlfühloase mutieren und legen dann doch einen italienischen Einfluss nahe. Sogar praktisch ist die Viper geworden: In den Kofferraum passt das Gepäck für ein Wochenende zu zweit. Selbst der Komfort geht dank der um 50 Prozent steiferen Karosserie und der bekömmlicher abgestimmten Federung in Ordnung. Die adaptiven Bilstein-Dämpfer lassen sich justieren. Aber keine Angst – zur Sänfte wird die Viper zum Glück nicht. Lange Strecken jedenfalls haben ihren Schrecken verloren. Passt prima, denn der Himmel zieht sich zu, und der Regen ist zurück. Die Viper und ich machen uns auf die Reise, der Sonne hinterher.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Auch die neue Viper ist noch immer ganz anders als alle anderen Sportwagen. Herrlich unperfekt, will sie einfach nur Spaß machen. Auch wenn sie sanfter geworden ist, hat sie sich ihren Charakter erhalten. Welch ein Glück!

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