Stadtflitzer im Vergleich

Vergleich Honda PS 125i/Smart fortwo/Citroën C1 Vergleich Honda PS 125i/Smart fortwo/Citroën C1

Stadtflitzer im Vergleich

— 09.08.2007

Knauser-König Smart

Wenn es um teuren Sprit geht, kann die Diät nicht radikal genug sein. Wir haben die Diesel-Sparmeister Citroën C1 und Smart mit einem Roller zusammengebracht, mit ganz erstaunlichen Ergebnissen.

Platz für zwei, ein winziges Motörchen mit Spatzendurst, dazu ein Dach über dem Kopf – so stellt der 2,70 Meter kurze Smart cdi das automobile Minimum dar. Darunter geht nichts. Jedenfalls nicht mit vier Rädern. Reduzierter ist man nur mit einem Roller motorisiert. Auch sparsamer? Das wollen wir genau wissen, probieren mit einem 125er-Motorroller von Honda, ob mehr Verzicht auch weniger Durst bedeutet. Ebenso spannend ist der Blick nach oben. Eine halbe Klasse oberhalb des Smart lockt der Citroën C1 mit dem genügsamen HDi-Diesel. Er übernimmt als 3,43 Meter kurzer Viersitzer in unserem Vergleich den Part des vollwertigen Kleinwagens. Damit stehen sich gegenüber: der neue Smart cdi mit 45 PS für 11.200 Euro, der 54 PS starke und 11.100 Euro teure Citroën C1 HDi 55 und Hondas Viertakt-Roller PS 125i. Als ungedrosselte 14-PS-Version kostet er nur 3070 Euro. Dieser niedrige Grundpreis, enorm geringe Versicherungskosten sowie die Tatsache, dass 125er-Zweiräder noch steuerbefreit sind, krönen den Roller bereits hier zum Kosten-König. Gegen 14 Cent pro Kilometer kommt kein Auto dieser Welt an.

Der Roller ist mit 135 Kilogramm Leergewicht ein Floh

Natürlich: Dem Roller fehlt eigentlich alles: ein Minimum an Sicherheit, Wetterschutz, Kofferraum, Fernreisequalitäten. Dinge eben, die ein richtiges Auto ausmachen. Aber das wollen wir hier gar nicht so genau betrachten. Uns interessiert vorrangig eine Zahl: Wie viel Liter auf 100 Kilometer braucht der Honda? Theoretisch hat der Roller einen klaren Vorteil. Er ist mit 135 Kilogramm Leergewicht ein Floh – da fallen Beschleunigungsvorgänge leicht. Was vor allem den Verbrauch in der Stadt in Grenzen hält. Aber: Der nur 14 PS starke Einzylinder hat in Verbindung mit seinem stufenlosen Getriebe jenseits von 50-km/h-Zonen schwer zu kämpfen. Auf Landstraßen und Autobahnen dreht der nur 100 km/h schnelle 125er am Limit, der Verbrauch steigt überproportional an. So unterbietet der Honda-Roller trotz vorsichtigster Fahrweise nicht den Gesamtverbrauch des Smart. Mit gut drei Litern im Durchschnitt liegt der Wert des Honda sogar über dem Verbrauch eines verhalten bewegten Smart.

Vorteil des Smart: Er ist mit Diesel zufrieden

Bescheidener Zwerg: Der 2,70 Meter kurze Smart macht einen Verbrauch von 2,9 Liter möglich.

Wobei Letzterer einen zusätzlichen Vorteil ins Spiel bringt. Er ist mit Diesel zufrieden, der Viertakt-Roller trinkt teures Superbenzin. Beim Smart hat es vor allem der Fahrer in der Hand, wie lange die 33-Liter-Tankfüllung reicht. Dank automatisiertem Getriebe mit fünf Gängen lässt sich das fortwo Coupé theoretisch stets in günstigen Drehzahlbereichen halten. Aber: Um dem 0,8-Liter-Dreizylinder auch nur einen Funken Leidenschaft zu entlocken, muss man herunterschalten, auf Turbodruck warten, dann Drehzahl und damit den Verbrauch erhöhen. Kein Wunder, dass beim cdi zwischen konzentriert angegangener Minimaltour und normaler Fahrt auf unserer Testrunde 0,6 Liter Verbrauchsunterschied liegen – immerhin fast 25 Prozent. Dennoch: Mit dem Minimalverbrauch von 2,9 Litern legt der Smart die Latte überraschend tief. Richtig glücklich wird mit dem Winzling aber nur derjenige, der sich auf das Smart-Getriebe einlässt. Und das braucht Geduld. Nach wie vor.

Trotz deutlich kürzerer Schaltpausen – immer noch nerven die trägen Reaktionen auf Kick-down-Befehle ebenso wie das Nicken beim Gangwechsel. Im Vergleich dazu wirkt der smarte Citroën fast wie eine schwere Limousine. Weil sein Vierzylinder stärker ist, sanfter läuft, satter durchzieht. Und weil er natürlich federt und abrollt wie ein richtiges Auto – und nicht hoppelt wie ein Hase. Sein kleiner Dieselmotor wirft zudem in die Waagschale, was gut und sparsam ist: ein Common-Rail-System, Mehrfacheinspritzung, einen spontan ansprechenden Turbolader. Ergebnis: 3,8 Liter. Das ist sensationell, da der viersitzige Citroën mit variablem Kofferraum fast doppelt so viel Auto bietet wie der Smart. Was allerdings gar nicht zu diesem Super-Wert passt, ist die schwache Bremse und vor allem der fehlende Rußfilter. Da ist der Smart besser, wenngleich nicht optimal, denn sein offenes Filtersystem fängt nicht alle Partikel ein.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Streng nach Euro und Cent betrachtet, geht in der Stadt nichts über einen Motorroller. Wer ohne Dach, ohne Komfort und ohne Sicherheit klarkommt – okay. Alle anderen Rechner werden mit dem supersparsamen Smart glücklich – wenn denn ein Zweisitzer reicht. Ein richtiges Auto gibt es bei Citroën. Es trinkt mehr, aber nicht viel mehr. Um es deutlich zu machen: Im Monat ist der C1 nur 28 Euro teurer.

Testtabellen und Bilanz unseres Vergleichs gibt es hier als kostenlosen Download.

Autor: Gerald Czajka

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