Starke Polizei-Autos

— 15.08.2007

Die glücklichsten Polizisten der Welt

225 PS, fast 250 km/h Spitze. Französische Elitepolizisten jagen mit 63 Subaru Impreza WRX Verkehrssünder. Wenn sie Organe oder Serum transportieren, retten sie oft Leben. Dann zählt jede Sekunde.

Dreißig Minuten. Mehr hat Gendarm Jean-Luc Coursimault nicht. Eine Viper hat in Montbéliard (Frankreich) ein Mädchen gebissen, sofort wirkt das Schlangengift in ihrem kleinen Körper. Das rettende Serum gibt es nur in Besançon, einer 82 Kilometer entfernt liegenden Stadt. Ein Hubschrauber ist nicht verfügbar, helfen kann jetzt nur noch ein schnelles Auto: ein Subaru Impreza WRX, Höchstgeschwindigkeit 244 km/h. Wie ein Rennfahrer treibt Coursimault den 225 PS starken Allradler durch die engen Straßen der nordfranzösischen Stadt. Sein Ziel: der Plastikbeutel mit dem rettenden Gegengift. Während das Blaulicht des Polizei-Subaru über den Krankenhaus-Parkplatz zuckt, streckt Kollege Pascal Vitte den Arm aus dem Fenster, nimmt die lebensrettende Fracht entgegen. Dann rasen die schnellen Polizisten los, jagen ihren WRX durch enge Gassen in Richtung Autobahn. Endlich, auf gerader Strecke, können sie den Boxermotor richtig auswringen. Jede Minute zählt jetzt. Coursimault, der 49 Jahre alte Fahrer, hat vor Anspannung kleine Schweißperlen auf der Stirn. Sein Beifahrer Vitte ist ebenfalls hoch konzentriert. Der 42-Jährige macht den gleichen Job wie der Copilot eines Rallyeautos. Mit schnellen Kommandos warnt er den Mann am Steuer vor Lastwagen, Trödlern auf der linken Spur oder Gegenständen auf der Fahrbahn. "Bei diesem Tempo muss man permanent für andere mitdenken", sagt Vitte. Sein Nachname spricht sich wie das französische Wort vite aus, zu Deutsch: schnell. Das passt. Nach 25 Minuten erreichen Herr Schnell und sein Kollege die Klinik von Monteliard, eine Schwester reißt das Serum an sich, ruft "Merci!" und verschwindet in einem Krankenhausflur.

Die Kombination Allrad und hohe Spitze rettet oft Leben

225 PS, 244 km/h. Der französische Polizei-Impreza ist etwas schwächer als der Serien-WRX.

225 PS, 244 km/h. Der französische Polizei-Impreza ist etwas schwächer als der Serien-WRX.

Später erfahren die rasenden Polizisten: Es hat gereicht, das Mädchen überlebt. Fünf Minuten später hätte das Kind keine Chance gehabt. Coursimault und Vitte wissen: Bei solchen Einsätzen müssen sie jedes PS auf die Straße bringen. "Aber das ist nicht alles", sagt Vitte. "Am wichtigsten ist es, heil anzukommen." Oft eine schmale Gratwanderung. Als Frankreich die Vorgängermodelle Peugeot 306 S 16 und Renault Mégane Coupé vor etwa einem Jahr durch die 63 Subaru-Limousinen ersetzte, bekamen die 156 Fahrer ein spezielles Rennfahrer-Training mit auf den Weg. Regelmäßig frischt die zum Verteidigungsministerium gehörende Elite-Truppe ihre Kenntnisse auf. Fast alle Miglieder der Brigade Rapide d'Intervention (zu Deutsch: schnelle Eingreiftruppe) sind so schnell und sicher, dass sie mit Erfolgschancen an Rallyes teilnehmen könnten. Ein paar Tage nach dem Schlangenbiss eilen Coursimault und Vitte mit einem lungenkranken Kind nach Paris. In drei Stunden muss der Junge in einem Spezialkrankenhaus behandelt werden. Während der zweieinhalb Stunden Vollgas schluckt der Subaru 38 Liter auf hundert Kilometer, zwei Stopps an Zapfsäulen kosten wertvolle Zeit. "Der Tank des Wagens ist mit 60 Litern viel zu klein", sagt Coursimault. Auf der Rückfahrt ermittelt er das Durchschnittstempo auf dem Hinwegs: 163 km/h – Pariser Stadtverkehr und Tankpausen eingerechnet.

Die Beamten sind geschult wie Rennprofis

In Bulgarien vom Staat beschlagnahmt: Dieser Porsche 911 dient heute dazu, Politiker zu eskotieren.

In Bulgarien vom Staat beschlagnahmt: Dieser Porsche 911 dient heute dazu, Politiker zu eskotieren.

Der nächste Tag ist ruhige Routine, normaler Streifendienst. Hinter einer Maut-Station winken die Gendarmen den Lkw-Fahrer Christian Butazzoni auf den Seitenstreifen, kontrollieren Papiere und Feuerlöscher. Die Polizisten finden nichts, dafür aber Trucker Butazzoni Gefallen am knallblauen Impreza. Trotz Zeitdrucks will er wissen: Wie schnell sprintet der auf 100? Die Antwort beeindruckt ihn: "Nicht schlecht", sagt der Chauffeur und fährt davon. Auf einem Rastplatz kontrolliert die Subaru-Streife eine Familie in einem alten Citroën Xsara. Auf der Hutablage ein Baguette, typisch Frankreich. Spätestens jetzt ist klar: Irgendwie passt der Japaner hier nicht her. Und schon gar nicht zum Nationalbewusstsein mancher sanfter motorisierten Kollegen."Wer dienstlich Clio fahren muss, fragt schon mal neidisch nach, warum die schnellsten Polizeiautos des Landes nicht aus Frankreich kommen", sagt Coursimault und hat gleich die Antwort parat: "Allrad, hohe Spitze – das gibt es nicht aus französischer Produktion." Und oft rettet genau diese Kombination Leben.

Wo sind die deutschen Polizei-Porsche geblieben?

Am 10. August 2004 zerschellte der letzte aktive deutsche Polizei-Porsche an einem Stück Wild. Die Zuffenhausener reparierten den 993 zwar und stellten ihn ins Museum. Auf der Straße aber hatte der Elfer keine Chance mehr – zu groß war die Konkurrenz geräumiger und schneller Diesel geworden. In Nordrhein-Westfalen gab es früher eine Porsche-Staffel, auch die Polizei in Baden-Württemberg fuhr 356, 911 und 944. Der vielleicht letzte Porsche im Besitz der deutschen Polizei, ein 944 von 1982 (163 PS, Foto), eskortierte früher Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, heute fährt er nur noch zu Polizeischauen.

Autor: Claudius Maintz

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