Start-Stopp-Automatik

Start-Stopp-System: Pro und Kontra

— 06.07.2011

Wozu ein Start-Stopp-System?

Immer mehr Autofahrer schalten mal kurz ab: Start-Stopp-Systeme sorgen für Ruhe – bei manchen aber auch für Aggressionen. Sind die Pausenzeiten für den Motor angenehm oder lästig?

"Start-Stopp ist für mich ein Komfort-Terrorist",
findet Redakteur Tomas Hirschberger (48).

Ich mag es nicht, ich will es nicht, ich hasse es. Start-Stopp ist für mich das irrwitzigste Öko-Feigenblatt seit Erfindung der Umweltzone. Einfach nur ballaballa. Wie mich dieses Gewürge nervt. Da rollst du an die Ampel – rums, stirbt der Motor ab, um direkt wieder – ratazong – anzuspringen. Weil ja die Klimaanlage Saft braucht und all die anderen Stromfresser. Oder du zupfst kurz am Lenkrad – zack –, schon isser wieder da.

PDF-Download: Alle Fahrzeuge mit Start/Stopp-System

Redakteur Tomas Hirschberger.

Mit Glück passiert das sanft. Die meisten Patienten aber melden sich leider völlig ungehobelt zurück, nicht wenige mit rabiatem Querschlag, der dann durchs ganze Auto fegt. Die armen Menschen, die an Kreuzungen wohnen und sich das nun jeden Tag anhören müssen. Es ist eigentlich eine Farce. Da mühen sich Generationen hoch bezahlter Ingenieure ab, unseren Autos endlich gute Manieren beizubringen, und dann holt sich der grüne Zeitgeist solche Komfort-Terroristen an Bord. Vom technischen Aufwand mal ganz zu schweigen. Vor allem bei Automatikgetrieben. Und wofür das Ganze? Um ein paar mickrige Fingerhüte Sprit zu sparen. Kia zum Beispiel gibt für den neuen Picanto eine Ersparnis von rekordverdächtigen 0,1 Liter pro 100 Kilometer an. Der Aufpreis für Start-Stopp (im Paket) kostet 760 Euro. Da hat sich die kleine Spaßbremse schon nach nicht einmal einer halben Million Kilometern amortisiert. Stooopp, möchte man schreien – wollt ihr uns denn alle verar ...?

Redakteur Alexander Cohrs.

"An der Ampel will ich meine Ruhe haben!"
sagt Redakteur Alexander Cohrs (36).

Wenn es still ist, fällt mir der Lärm erst so richtig auf. Okay, das klingt widersprüchlich, ich muss es erklären. Eine typische Situation: Ich fahre ein Auto mit Start-Stopp- System, komme an die rote Ampel, der Motor geht aus – und ich bin überrascht, wie leise es plötzlich ist. Ich wundere mich dann immer darüber, dass ich mich so wundere, schließlich erlebe ich Start-Stopp nicht zum ersten Mal. Es zeigt aber: Lärm ist in unserem Alltag so normal geworden, dass ein Moment der Stille völlig überraschend kommt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ein toller Motor kann auch in meinen Ohren wie Musik klingen. Der Reihensechszylinder von BMW beispielsweise oder die Boxermotoren von Porsche. Aber da sprechen wir vom Klang beim Beschleunigen – und nicht von diesem monotonen Gebrabbel an der Ampel. Bewegung, Tempo, Leistung, ja, das ist Geräusch, da will ich etwas hören.

Ruhe fördert das Denkvermögen

Stillstand aber, der ist schon vom Wortsinn her mit Ruhe verbunden. Oder mal ganz einfach gefragt: Warum soll ich denn Lärm machen, wenn es in dem Moment nicht nötig ist? Ob ein Start-Stopp-System jetzt 0,5 Liter spart oder vielleicht nur 0,3 Liter, ist mir dabei gar nicht so wichtig. Nein, ich liebe diese Technik allein für den ampelphasenkurzen Moment der Besinnung, den sie mir schenkt. Davon abgesehen: Stille, sagen Pädagogen, fördert das Denkvermögen. Und mal ehrlich: Bei dem, was ich jeden Tag auf den Straßen erlebe, könnte einigen Autofahrern ein bisschen mehr davon ganz gut tun.

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