Steigende Autokosten

Darum ist alles Teuro Darum ist alles Teuro

Steigende Autokosten

— 13.01.2006

Darum ist alles Teuro

Der Euro geht ins fünfte Jahr. Fast alles ist teurer, kaum etwas billiger geworden. Eine Bilanz.

"Autokosten um 40 Prozent gestiegen"

Ein Sammler-Typ ist Jens Reincke eigentlich nicht. Das Horten von Briefmarken, Münzen und Kochrezepten ist ihm zuwider. Doch, halt: Bei Rechnungen, Belegen, Bons und Quittungen packt den Hamburger die Sammelwut. Jedes Stück Papier heftet er in einen seiner dicken Leitzordner. Hauptsache, es steht irgendein Betrag drauf.

Der 58jährige ist selbständiger Kurierfahrer und kann alles absetzen, was mit seinem Job zu tun hat. Jeder Cent seiner Autokosten ist lückenlos belegt. Das Ergebnis der Zettelwirtschaft: Seit der Euro-Umstellung im Januar 2002 ist für ihn vieles teurer und kaum etwas billiger geworden.

Der Euro ein Teuro? Für Reincke ja. Zum Beweis kramt der Omega-Fahrer zwei Quittungen hervor: 57 Liter Diesel haben 2001, im letzten D-Mark-Jahr, 91,14 Mark gekostet, in Euro sind das 46,60. Heute schlägt die gleiche Tankfüllung mit 61,56 Euro zu Buche – eine satte Steigerung von 32 Prozent! Beispiel zwei: Für eine Straßenkarte der Stadt Schleswig mußte Reincke 2001 acht Mark hinlegen. Jetzt sind 4,95 Euro fällig, knapp zehn Mark. Und der Vielfahrer schätzt: "Seit 2001 sind meine Kosten fürs Autofahren um 40 Prozent gestiegen, meine Einnahmen wegen der schlechten Wirtschaftslage aber um ein Fünftel gesunken."

Vor allem an der Zapfsäule wird's teuer

Der Euro geht 2006 ins fünfte Jahr. AUTO BILD wollte wissen: Ist Auto fahren seit der Währungsumstellung wirklich teurer geworden? Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden sind eindeutig: Die Autokosten sind seit 2001 um 9,7 Prozent gestiegen, die allgemeinen Lebenshaltungskosten im gleichen Zeitraum nur um 6,1 Prozent. Andererseits haben Rabattschlachten bei Neuwagen und Kfz-Versicherungen ein noch schlimmeres Preishoch verhindert.

Der ADAC hat bei 20 Autos nachgerechnet. Bei Werkstatt- und Betriebskosten sowie beim Wertverlust kam heraus: Nur ein einziges Fahrzeug ist im Vergleich zu 2001 billiger geworden (Mazda MX-5 1.6/ altes Modell), alle anderen Stichproben wurden bei 15.000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr teurer: Der Ford Galaxy 2.8 V6 um 1092 Euro, der New Beetle 1.6 um 576 Euro.

Preistreiber Nummer eins ist die Kraftfahrzeugsteuer. Sie kletterte in den vergangenen vier Jahren um 26,9 Prozent. Hauptgründe: ausgelaufene Vergünstigungen für umweltfreundliche Fahrzeuge und höhere Steuern für Altautos. Vor allem an der Zapfsäule mußten die Autofahrer tief in die Tasche greifen. In vier Euro-Jahren sind die Preise für alle Spritsorten um durchschnittlich 21 Prozent in die Höhe geschossen, allein die Diesel-Tarife spurteten um fast 30 Prozent nach oben.

Laut ADAC ist das vor allem die Schuld der Mineralöl-Multis. Das Argument: Die steuerliche Differenz zwischen Benzin und Diesel liegt bei 21 Cent pro Liter, der Unterschied an der Säule dagegen nur bei etwa 13 Cent. "Wo sind die fehlenden acht Cent geblieben? Zumindest einen Teil davon müßten die Mineralölkonzerne an ihre Kunden weitergeben", sagt Clubsprecher Jochen Oesterle. Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband kontert: "Die Ölbörsen waren sehr nervös, das hat die Beschaffung extrem verteuert."

Versicherungen so billig wie lange nicht

Auto Teile Unger im gutbürgerlichen Hamburg-Tonndorf. "Die Auftragsbücher der Filiale sind zwar voll, doch die Autofahrer sind sparsamer geworden", sagt Geschäftsführer Dirk Ladwig. "Früher konnten wir bei der Inspektion eine Glühlampe ohne Rücksprache einbauen. Heute wollen die Kunden auch beim Einbau von Kleinstteilen vorher um Erlaubnis gebeten werden."

In der gesamten Werkstatt-Branche haben die Preise für Reparaturen, Inspektionen und Wagenwäschen seit 2001 um fast neun Prozent angezogen, in diesem Jahr erwartet der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) gegenüber 2005 ein Preisplus von maximal 1,2 Prozent. "Der Grund sind steigende Löhne und hohe Rohstoffpreise, etwa für das Blei in den Batterien", sagt ZDK-Sprecher Helmut Blümer. Und Rabattschlachten könne sich seine Branche nicht leisten.

Ganz anders der Autohandel und das Versicherungsgewerbe. In beiden Branchen wurden die Autofahrer vor allem im Jahr 2005 mit Billigangeboten geködert. Das Ergebnis: Ein relativ moderates Preis-Plus bei Neuwagen (4,3 Prozent), und Versicherungen sind so billig wie lange nicht (minus 10,3 Prozent).

Auch die Vollkasko von Kurierfahrer Jens Reincke ist jetzt preiswerter, um etwa 220 Euro jährlich. Der Rest ist teurer geworden. Deshalb schiebt er Überstunden, frißt vor dem Abendbrot oft ein paar Dienst-Kilometer mehr. Reincke überlegt lange, wann er das letzte Mal im Urlaub gewesen ist: "Vielleicht vor zwölf Jahren. Oder waren es zehn?" Er weiß es nicht mehr.

Autor: Claudius Maintz

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