Stellenabbau bei Mercedes-Benz

Stellenabbau bei Mercedes-Benz

— 29.09.2005

Stuttgarter Sparpläne

Bei Mercedes-Benz sollen 8500 Arbeitsplätze wegfallen: keine Kündigungen, sondern "freiwillig vereinbarte Ausscheidungen".

Der Mercedes-Speck muß weg

Der geplante Stellenabbau bei Mercedes-Benz hat die DaimlerChrysler-Aktien auf ein Dreijahreshoch getrieben. "Im Verlauf der nächsten zwölf Monate" sollen an den deutschen Standorten 8500 Arbeitsplätze durch freiwillige Vereinbarungen ausscheiden, kündigte der Vorstand an. Bislang war von 5000 gefährdeten Jobs die Rede gewesen.

Der Personalabbau sei notwendig, damit die Produktion am Standort Deutschland nachhaltig abgesichert werden könne. Durch die Entscheidung von Aufsichtsrat und Vorstand werden Belastungen in Höhe von 950 Millionen Euro entstehen. Der größere Anteil der Belastungen werde im vierten Quartal 2005 verbucht.

Der Aufwand soll den Angaben zufolge durch außerordentliche Erträge sowie durch Ergebnisverbesserungen im operativen Geschäft kompensiert werden. "Der Ergebnisausblick für den Konzern im Jahr 2005 bleibt deshalb unverändert", teilte DaimlerChrysler weiter mit. Danach geht der deutsch-amerikanische Automobilkonzern für das Gesamtjahr ohne die Belastungen aus der Neuausrichtung des Geschäftsmodells von Smart von einem leichten Anstieg des operativen Gewinns gegenüber dem Vorjahr (5,8 Milliarden Euro) aus.

"Das ist ein Baustein auf dem Weg zur Erholung von Mercedes", sagte der Automobilexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer in einer ersten Stellungnahme der Tageszeitung DIE WELT. Wichtig sei, daß eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit geschaffen werde. "Dazu gehört, daß man den Speck, der in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurde, wieder abschmelzen läßt."

Die IG Metall zeigte sich schockiert von dem Abbau in den Werken Sindelfingen und Bremen. "Wir sind entsetzt" sagte der erste Bevollmächtigte der IG Metall in Bremen, Dieter Reinken. Die Zahlen seien nicht akzeptabel und würden von den Arbeitnehmern nicht so einfach hingenommen. Im Sommer 2004 hatte DaimlerChrysler mit dem Betriebsrat einen Beschäftigungspakt bis 2012 abgeschlossen, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Der nun angekündigte Stellenabbau muß über Auflösungsverträge oder vorzeitigen Ruhestand erfolgen.

Kommentar: Hart, aber unvermeidlich

Von Marco Dalan Als Mercedes-Chef Dieter Zetsche noch an der Spitze von Chrysler stand, strich er in den USA 40.000 Stellen, drückte die Preise der Zulieferer, schloß Werke, erhöhte die Qualität und verbesserte die Produktpalette. Nun werden bei Mercedes-Benz 8500 Stellen abgebaut. Und doch liegt der Fall Mercedes anders als der Fall Chrysler.

Denn die Marke Mercedes-Benz ist intakt, die Modellpalette aussichtsreich, die Qualität verbessert sich. Bei der Produktivität allerdings liegt Mercedes hinter seinen Wettbewerbern. Im Vergleich zu BMW hat Mercedes 8000 Beschäftigte mehr, produziert mit der größeren Belegschaft aber rund 100.000 Autos weniger als die Münchner. Die Unternehmensberatung McKinsey hatte 2004 befunden, daß bei Mercedes 10.000 Arbeitsplätze ohne Abstriche bei Qualität und Produktion abgebaut werden könnten.

Und daran hat sich nichts geändert – ebensowenig wie an der Einstellung des Managements: Zetsche führt das fort, was sein Vorgänger Eckhard Cordes begonnen hat. Er trimmt Mercedes-Benz auf Rendite und erhöht die Produktivität – das funktioniert nicht ohne harte Schnitte beim Personal, die im Interesse der Marke unvermeidlich sind.

5000 Stellen, die wegfallen – das wäre viel gewesen. Aber nicht genug. Zetsche hat sich entschlossen, konsequent den Weg in Richtung höhere Produktivität zu gehen. Weil er muß.

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