Steuer-Ärger mit EU-Importen

Steuer-Ärger mit Re-Importen

Steuer-Ärger mit EU-Importen

— 08.03.2002

Einer ist reiner

Wer im europäischen Ausland ein Auto kauft, muss mit einer schlechteren Schadstoff- einstufung rechnen. Das Umschlüsseln ist Glückssache - mal klappt es, mal nicht.

Andere Länder - andere Katalysatoren?

Die günstigen Autoangebote in Europa locken immer noch: Im Vergleich mit deutschen Preisen lassen sich schnell ein paar tausend Mark sparen. Der kleine Haken beim Re-Import: Sogar Typen mit identischer Motorisierung können verschiedene Schadstoffklassen haben. Meist schlechtere und damit einen höheren Steuersatz bei deutscher Zulassung.

Darüber ärgert sich Thomas Roth. Sein aus Holland importierter Golf IV war zwar 2000 Mark billiger als ein bei uns angebotener, hat aber nur Schadstoffnorm Euro 2 statt D3. Kein Problem, dachte der Kfz-Mechaniker, ein deutsches Auto wird sich auf die deutsche Schadstoffnorm umschlüsseln lassen. Zuerst versuchte er es beim TÜV - vergeblich. Nach den dortigen Unterlagen war nicht mehr als Euro 2 drin. Roth gab nicht auf und schrieb an VW. Doch die Wolfsburger zeigten dem Spar-Käufer die kalte Schulter: "Die für den ausländischen Markt gefertigten Modelle erfüllen nur die gesetzlichen Anforderungen des Bestimmungslandes." Bedeutet, Gölfe für Holland werden nur auf Euro 2 getrimmt. "Für Inland-Modelle mit D3 werden zahlreiche Bauteile abgewandelt. Hierzu zählen insbesondere Katalysator und Motorsteuergerät sowie eine neue Motorgeneration", sagt VW.

Das mag glauben, wer will. Roth aber nicht: Nach seiner Recherche haben die Motor-Steuergeräte identische Ersatzteilnummern, unterscheiden sich nur durch einen Vorkat. Seiner Ansicht nach wird bei einigen Typen nur die Software geändert, die Hardware ist gleich. "Muss ein großer Hersteller so verbraucherunfreundlich sein?", fragt der VW-Kunde.

Umschlüsseln - gewußt wie und wo

Denn jetzt bleibt ihm nur noch die teuerste aller Umschlüsselungsmaßnahmen - die Einzelabgasuntersuchung bei einer technischen Prüfstelle könnte nachweisen, dass Roths Golf sauber genug ist für D3. Doch das kostet zwischen 1000 und 2000 Mark. Zu teuer für den möglichen Steuervorteil bei D3. Das Umschlüsseln ist in jedem Fall Sache der Zulassungsstelle, die einen neuen Brief mit der besseren Schlüsselnummer ausstellt. Dafür braucht sie normalerweise eine Bescheinigung vom Hersteller. Der bestätigt, dass dieses reimportierte Fahrzeug die besseren deutschen Abgasnormen erfüllt.

Klingt leicht, ist aber schwer. Denn bisher wurde diese Herstellerbescheinigung selten erteilt. Das alte Lied von anderer Technik im europäischen Ausland. Oder nur eine Frage der Kundenfreundlichkeit? Seat: "Unterlagen aus anderen Märkten und EG-Binnenländern können nur mit viel Aufwand besorgt werden."

Doch es geht auch ohne Hersteller. Wenn bei TÜV, DEKRA oder GTÜ die Herstellerdaten vorliegen, kann auch ein Prüfingenieur die Bescheinigung für die Zulassungsstelle ausstellen. Dabei helfen Profis wie Auto-Euro-Import in 22851 Norderstedt, Segeberger Ch. 188, die das Umschlüsseln als Service anbieten. Chef Michael Schwarten: "Etwa jeder zweite Import-Pkw kann besser eingestuft werden. Wir vergleichen Fahrzeugdaten, gehen zum TÜV und lassen den Brief umschreiben." Das kostet rund 100 Mark. Genauso arbeitet die Firma Speer-Consulting (Tel. 06221- 26481), die europaweit tätig ist. Dort können Interessenten schon vor dem Kauf checken lassen, welche Einstufung in Deutschland möglich ist. Erforderlich ist die Kopie des ausländischen Fahrzeugbriefes, teilweise reicht die Fahrgestellnummer.

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