Steuerstreit um Geländewagen

Steuerstreit um Geländewagen

Steuerstreit um Geländewagen

— 27.04.2004

Jetzt kommt's dicke

Geländewagen sparen als "leichte Nutzfahrzeuge" kräftig Kfz-Steuer. Das wollen Verbraucherschützer jetzt ändern.

Politik gegen Spritschlucker und Stinker

Den Geländewagen auflasten, die Haushaltskasse entlasten. Ein ganz legaler Steuertrick. Den haben Umwelt- und Verbraucherschützer jetzt aber derart ins Gerede gebracht, dass schon seine Abschaffung im Gespräch ist. Der Streit geht um den Steuervorteil für Geländewagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 2,8 Tonnen. Als "leichte Nutzfahrzeuge" statt als Pkw zugelassen, werden sie nicht nach Hubraum, sondern nach Gewicht besteuert. Das bringt – je nach Modell – eine Steuerersparnis zwischen 300 und 550 Euro pro Jahr.

ACHTUNG! Die Rechtslage hat sich geändert, Auflasten ist nicht mehr so einfach möglich – siehe Steuer 2005!

Dadurch entgingen dem Staat nach einer Hochrechnung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) jährlich 200 Millionen Euro. Für DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch steht fest, dass die "Autohersteller diese Steuernische breit geklopft haben". Resch schert bei seiner Millionen-Rechnung alle 830.000 in Deutschland zugelassenen Offroader leichtfertig über einen Kamm. Tatsächlich sind nur etwa 170.000 als "leichte Nutzfahrzeuge" zugelassen. Die Abschaffung der in erster Linie für die Förderung von Handwerkern, Land- und Forstwirten gedachten 2,8-Tonnen-Grenze brächte somit nur zwischen 40 und maximal 50 Millionen mehr an Steuern.

Die Krokodilstränen der Deutschen Umwelthilfe werden also wohl weniger des Geldes wegen vergossen. In erster Linie geht es Resch um grüne Politik, um Politik gegen so genannte Spritschlucker und Stinker. Durch die 2,8-Tonnen-Gewichtsgrenze würden laut DUH-Kritik M-Klasse & Co bewusst "immer schwerer, verbrauchen immer mehr".

Nur eine konjunkturschädliche Kampagne?

Auch für den Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) ist dieser Trend "skandalös", weshalb dessen Chefin Edda Müller die Bundesregierung auffordert, "die Entwicklung in Richtung dieser Diesel-Panzer zu stoppen". Zumal als "leichte Nutzfahrzeuge" zugelassene SUVs nicht den scharfen Abgaswerten der Pkw unterliegen. Laut der Deutschen Umwelthilfe halten einige nur die Abgasnorm Euro 2 ein, die für Pkw schon 1999 abgelaufen ist.

Die Kampagne richtet sich gegen ein boomendes Segment im schwächelnden Automarkt: In Deutschland waren Anfang dieses Jahres zwölf Prozent mehr Offroader zugelassen als vor einem Jahr. Umweltminister Jürgen Trittin wird der Streit um den Steuervorteil freuen. Immerhin hatte er schon vor einem Jahr die Abschaffung der Auflast-Regelung angeschoben, wurde jedoch von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe abgeblockt. Laut der Deutschen Umwelthilfe auf Druck der Autoindustrie.

Die hält die aktuelle Diskussion für "absolut konjunkturschädlich in der jetzigen Phase", so VW-Sprecher Jörg Walz. Schließlich bewege man sich "jederzeit im gesetzlichen Rahmen". Ob der so bleibt, ist jetzt zumindest fraglich. Das Geschrei der Gesetzesgegner scheint jedoch wieder mal größer als das zu erzielende Ergebnis.

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