Zwei Jahre fürs Autounfall-Provozieren

Strafe fürs Provozieren von Unfällen

— 23.05.2014

Zwei Jahre für einen Autobumser

Für Provozieren von Unfällen und Abkassieren der KFZ-Versicherungen bekommt ein 44-Jähriger zwei Jahre Haft auf Bewährung. Seine Masche ist weit verbreitet.

(dpa/brü) Im Gerichtssaal gibt sich der wegen einer Serie von provozierten Auto-Unfällen angeklagte Mann reumütig: "Es war alles falsch", sagt der 44-Jährige unter Tränen und legt ein Geständnis ab. Zwischen Juni 2009 und November 2010 habe er neunmal bewusst Unfälle mit erheblichen Schäden herbeigeführt und rund 20.000 Euro an Geldern von KFZ-Versicherungen kassiert. Das Landgericht Hildesheim verurteilte den Frührentner und Kurierfahrer deshalb am 20. Mai 2014 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe.

Zwei Jahre auf Bewährung: Das ist die Strafe für Mohamed O. (l.) für's Provozieren von Autounfällen.

Das Drehbuch war fast immer gleich: Ein anderer Wagen wollte in die Spur des Angeklagten wechseln, doch der Familienvater trat aufs Gas, statt auf die Bremse. Nach den Crashs überzeugte er die Unfallgegner von ihrer Schuld, was die Polizei bestätigte. Auf Basis eines Sachverständigen-Gutachtens ergaunerte er sich Gelder von den Kfz-Versicherungen seiner Opfer. Die Schäden am eigenen Wagen besserte er selbst aus.

Die Masche ist nach Experteneinschätzung weit verbreitet, bleibt aber meist unentdeckt. Die Versicherungsbranche geht davon aus, dass bei jedem achten bis zehnten Verkehrsunfall bundesweit Manipulationen im Spiel sind. "Die Täter machen sich die Aufgeregtheit der Beteiligten zunutze", sagt Stephan Schweda, Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Verband warnt im Internet vor sogenannten Autobumsern. In Hildesheim kamen die Ermittlungen ins Rollen, weil ein Polizist bei der Unfallaufnahme skeptisch wurde. Dem Beamten war aufgefallen, dass der Mann ohne Pause auf den anderen Fahrer einredete, dass dieser Schuld habe. Das war der Anlass, genauer hinzuschauen. Bei den Recherchen kam die Serie an Unfällen nach dem gleichen Muster ans Licht. Zudem hatte eine Ex-Freundin den Verdächtigen wegen eines Erpressungsversuchs angezeigt und nebenbei erwähnt, er sei ein Versicherungsbetrüger.

"Der Polizist hat das so entschieden"

Als Zeugen waren beim Prozess die Unfallgegner geladen. Einige berichten, ihr Auto sei gerammt worden. "Ich habe von rechts einen Schlag bekommen, ich fühlte mich behindert", sagte ein 77-Jähriger aus. Warum er dann nichts unternommen habe, wollte der Richter wissen. "Der Polizist hat das so entschieden, dass ich schuldig war", antwortete der Rentner.

Professionelle "Autobumser" suchen sich häufig ältere Menschen als Opfer aus. "Die fahren so lange, bis sie einen Mann mit Hut hinterm Steuer sehen", sagt Ralf König. Der Kriminalhauptkommissar aus Wuppertal ist in Nordrhein-Westfalen für die Fortbildung der Polizei im Bereich der manipulierten Unfälle zuständig. Bei provozierten Unfällen seien meist Einzeltäter am Werk. Daneben gebe es professionelle Banden, die Unfälle verabreden oder vortäuschen und dann abkassieren.

Gutachter sind gefragt

Zur Vorbeugung müsste bei den Schadengutachtern angesetzt werden, sagt Michael Weber, Leiter des privaten Instituts für Unfallanalyse in Hamburg, das jährlich rund 2000 Gutachten für Gerichte erstellt. "Gewinnmargen von circa 90 Prozent mit fingierten Verkehrsunfällen können nur erzielt werden, weil es unter den die Schadenhöhe kalkulierenden Sachverständigen jede Menge schwarzer Schafe gibt", sagt der Ingenieur. Für den Job eines solchen Schätzers sei noch nicht einmal eine Berufsausbildung notwendig. "Das leistet dem Versicherungsbetrug Vorschub."

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